Reykjavík
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Amsel, Drossel, Fink und Star

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Bernhild Vögel's picture

Ja, sie sind Anfang Mai längst da – wenn sie nicht ohnehin in Island überwintert haben. Anlass für den Verband Fuglavernd (Vogelschutz) einen vogelkundlichen Rundgang durch das Laugardalur anzubieten. Etwa 50 Interessierte sind zum Eingang des Botanischen Gartens Grasagarður Reykjavíkur gekommen. Vogelkundler Hannes beginnt mit der Amsel (Svartþröstur), einer Immigrantin, die zuerst 1969 auf Island gesichtet wurde. Verstärkt wurde der Bestand im Großraum Reykjavík durch einen größeren Trupp, den es 1999 nach Island verschlagen hatte.

Fuglavernd Rundgang, LaugardalurFuglavernd Rundgang durchs Laugardalur.

In den anderen Landesteilen ist die Amsel nicht zu finden. Aber ausgerechnet im Norden hatte ich vor Jahren ein lustiges Amselerlebnis. Nach etlichen Tagen karger Kost gönnte ich mir in einem abgelegenen Restaurant im Skagafjördur ein Menu. Als Vorspeise servierte Egill, der Sohn des Hauses, Vogel. Das Stückchen Fleisch schmeckte nach Leber, der Nachgeschmack war etwas tranig.

Amsel, grasagardurAmsel im Grasagarður, Reykjavík. Foto: B. Vögel.

Das ist kein Lundi, erklärte Egill auf meine Nachfrage, das ist ein Blackbird. Ich war ganz froh, keinen bunten Papageientaucher gegessen zu haben. Doch als ich später nachsah, was das englische Wort blackbird bedeutet, bekam ich einen Schreck: Hatte ich etwa eine Amsel verzehrt? Eine Amsel, deren Gesang ich in Deutschland im Frühling und Sommer jeden Morgen und Abend genieße? Des Rätsels Lösung war, dass Egill, der überhaupt keine Amseln kannte, das isländische Wort svartfugl wörtlich ins Englische übersetzt hatte. Svartfugl bezeichnet allgemein Alkvögel, vermutlich hatte ich eine Lumme gegessen.

RotdrosselRotdrossel, Reykjavík. Foto: B. Vögel.

Überall auf Island heimisch ist Skógarþröstur, die Rotdrossel. Größtenteils zieht sie noch, es gibt aber bereits kleinere Bestände, die auf Island überwintern. Auch die Bachstelze, Maríuerla, die wir übers Gras hüpfen sehen, ist ein Zugvogel, der den Winter in Westafrika verbringt, während Títlingur, der kleine Wiesenpieper, aus Westafrika oder Marokko zum Brüten nach Island fliegt.

Die Stare sind wie die Amseln Einwanderer und haben sich in den letzten Jahrzehnten auf Südwestisland spezialisiert.

Star, ReykjavíkStare in Reykjavík. Foto: B. Vögel.

Die Aufforstungsprogramme haben in den vergangenen Jahren nicht nur den roten Fichtenkreuzschnabel Krossnefur, sondern auch das sechs Gramm schwere Wintergoldhähnchen nach Island gelockt. Glókollur heißt dieser kleinste Vogel Europas mit dem gelben Scheitelstreif auf Isländisch. Er bevorzugt den milden Südwesten, ist aber auch um Akureyri zu finden.

Fuglavernd RundgangDer rote Fink Krossnefur hat einen gekreuzten Schnabel. Foto: B. Vögel.

Der etwas größere Zaunkönig liebt die Birkenwäldchen, ist auf Island heimisch, aber wechselt im Winter den Standort. Auf Isländisch heißt er Músarrindill, was man vielleicht mit Mausewicht übersetzen könnte.

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