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Luftverschmutzung wegen des Ausbruchs in der Holuhraun

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Luftverschmutzung wegen des Ausbruchs in der Holuhraun

Dark plume of ash over the Holuhraun eruption.
Der Ausbruch in Holuhraun. Photo: Geir Ólafsson.

F: Liebes Team von IR,

wir sind große Islandfreunde und verfolgen stets die aktuellen Nachrichten aus Island. Folgende Frage hätten wir an Ihr Team:

Aufgrund der hohen Schwefeldioxidbelastung in Südostisland empfehlen das Gesundheitsamt und Umweltagentur u.a. die Heizung aufzudrehen um das Gas draußen zu halten. Unserem physikalischen Verständnis nach müsste doch das Gegenteil der Fall sein, nämlich dass durch die Heizung gerade erst recht die verschmutzte Luft von draußen angesaugt wird. Wird in Island ausschließlich mit Geothermie geheizt oder wie lässt sich diese Empfehlung erklären? Wie geht die Bevölkerung mit dieser Situation um? Werden langfristig gesundheitliche Beeinträchtigungen der betroffenen Bevölkerung befürchtet?

Hoffentlich kommt der Vulkan bald zur Ruhe, damit sich die Schadstoffemission wieder reduziert.

Mit besten Grüßen,

Claudia Simon, Martin Röche
Rosenheim, Bayern

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A: Ich habe das Gesundheitsamt angerufen und erfahren, dass beim Aufdrehen der Heizung ein Überdruck entsteht, der das Gas blockiert, also draußen hält.

Die Mehrzahl der Häuser in Island wird mittels Erdwärme beheizt, aber dies ist in dieser Sache nicht relevant.

Anfangs wussten die Leute gar nicht, wie sie mit der Verschmutzung durch den Vulkanausbruch umgehen sollten. Es schien auch die Behörden unvorbereitet zu treffen, und Informationen waren unzureichend und verwirrend.

Die Einwohner von Ost-Island waren die ersten, die mit den hohen SO2-Werten in Berührung kamen, sie konnten die Auswirkungen sehen und fühlen, vor allem die Bauern, die mit dem Abtrieb ihrer Schafe aus dem Hochland beschäftigt waren.

Jón Björn Hákonarson, Leiter der Gemeinde Fjarðabyggð, sagte vor einigen Wochen gegenüber visir.is, Einwohner hätten über stechende Schmerzen und Kopfweh geklagt und seien besorgt wegen möglicher Spätfolgen.

In Höfn, Südost-Island, ergriffen Einwohner neulich Maßnahmen gegen das Eindringen des Gases in ihre Häuser, etwa durch das Aufhängen von Handtüchern, die sie zuvor in eine Mischung aus Wasser und Backpulver getunkt hatten.

Die örtliche Ärztin Elín Freyja Hauksdóttir sagte gegenüber ruv.is, die Leute betrachteten die Situation als Naturkatastrophe, sie blieben ruhig und folgten Anweisungen.

Einige ihrer Patienten, und hier vor allem Asthmatiker, klagten über Stechen in Kehle, Nase und Augen, schlechten Geschmack im Mund und berichteten sogar von Symptomen in der Luftröhre.

Haraldur Briem, Chef-Epidermologe, erklärte, laut einer Studie über SO2 mit Japanern, die seit sieben Jahre einem Ausbruch ausgesetzt sind, habe es keine langfristigen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, wenn jemand fortgesetzt SO2 ausgesetzt sei.

Allerdings wird dies kontrovers diskutiert. Vulkanologie-Professor Þorvaldur Þórðarson sagte gegenüber mbl.is, er sei besorgt hinsichtlich der Entstehung von Schwefelsäure-Teilchen, wenn Schwefeldioxid in Kontakt mit Wasserdampf gerate.

„Der Nebel von Skaftáreldar war nicht Schwefeldioxid, es waren Schwefelsäure-Teilchen. Extremer Nebel hing damals über Island, driftete von hier nach Europa und richtete auch dort verheerenden Schaden an“, erzählte Þorvaldur über die Folgen des großen Laki-Ausbruchs in den Jahren 1783-1784.

Nach dem Ausbruch, in einer Zeitspanne, die Móðuharðindin (dt. in etwa „die Nebel-Notzeiten“) genannt wird, töteten vulkanische Gase das Gras und der Nebel verhinderte ein Durchkommen von Sonnenlicht, was den Tod von Vieh und den Ausbruch einer ausgedehnten Hungerkatastrophe verursachte, bei der einer von fünf Isländern starb, damals 10.000 Menschen. Ernten in Europa und noch weiter entfernten Gebieten waren ebenfalls zerstört.

Der Laki-Ausbruch ist einer der größten Vulkanausbrüche, die weltweit jemals stattgefunden haben, sowie der mit den zweitmeisten Toten. Der Holuhraun-Ausbruch kommt dem bei weitem nicht nahe.