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Iceland Airwaves: Schokolade und Ritalin im Buchladen

Kulturblick

Iceland Airwaves: Schokolade und Ritalin im Buchladen

Singer Katrín Helga Ólafsdóttir of Icelandic band Milkhouse.
Sängerin Katrín Helga Ólafsdóttir: Charme und Charisma. Photo: Gabriele Schneider.

Gleich am ersten Iceland-Airwaves-Abend fiel mir auf: Es lohnt sich nicht nur, zu Bands, von denen man schon gehört hat oder die einfach „berühmt“ sind, zu gehen, sondern auch Namen, von denen man noch nie gehört hat, eine Chance zu geben. Denn dabei kann man kleine Schätze bergen.

Ich war gerade unterwegs zu einem Auftritt, schlenderte die Austurstræti entlang, als ich die Musik hörte, die aus der Buchhandlung Eymundsson drang. Die Stimme der Sängerin hatte etwas, sie war kraftvoll, auf eine überhaupt nicht singsanghafte Art melodisch und auf jeden Fall ausgebildet. Ich konnte nicht anders: Ich änderte meine Pläne, stieg in den obersten Stock des Buchladens hinauf und drängte mich durch die zahlreichen Zuhörer nach vorn.

Fünf Jugendliche, fantasievolle Larven über den Augen, begeisterten ihr Publikum und brachten es zum Mitwippen. Größen wie David Bowie, Black Sabbath, Abba und Elvis Presley schauten zu, fand doch das Konzert in der Abteilung für Musikerbiografien statt.

Icelandic band Milkhouse.Milkhouse im Buchladen. Foto: Gabriele Schneider.

Milkhouse nennt sich die Formation und kommt aus Hafnarfjörður. Andrés Þór Þorvarðarson (Schlagzeug), Victor Karl Magnússon (Klavier und Melodica), Katrín Helga Ólafsdóttir (Gesang und Synthesizer), Sævar Andri Sigurðarson (Klavier und Gitarre) und Auðunn Orri Sigurvinsson (Bass) sind alle gerade einmal 18 Jahre alt. Sie kennen sich aus der Schule, sind schon lange miteinander befreundet, spielen seit zwei Jahren zusammen und hatten schon viele Gigs in der Hauptstadt. Beim Fernseh-Bandcontest Músíktilraunir, the Icelandic Music Experiments, konnten sie bereits den Publikumspreis einheimsen. Dass sich jeder einzelne von ihnen stetig an der Musikschule weiterbildet, ist nicht zu überhören.

Milkhouse selbst beschreibt sich als Indie-Jazz-Band. Ich würde eher sagen: Indie, geppart mit Elementen aus Pop und Jazz. Ziemlich professionell und gewürzt mit einer kleinen, Prise Isländer-Ironie. Eben eine klasse Mischung aus isländischem Pop und ein bisschen Verrücktheit. Und gar keine Frage: Trotz ihres jungen Alters schreiben Milkhouse alle ihre Lieder selbst.

Im Eymundsson-Buchladen begeisterten sie mit Stücken wie Súkkulaði og Rítalín – „That means chocolate and Ritalin“, so Sängerin Katrín Helga Ólafsdóttir lachend.

Milkhouse ist auf jeden Fall eine Formation, die man sich merken sollte. Wer die Möglichkeit hat, kann sie während der Airwaves noch an folgenden Terminen off-venue und damit ohne Festival-Ticket erleben: Heute, 18 Uhr im Salvation Army Guesthouse, am Freitag um 16 Uhr im Loft Hostel, 18 Uhr im Hressó, 18:45 Uhr Hitt Húsið und 19 Uhr bei Lucky Records, sowie am Samstag um 16 hr im Bus Hostel und um 17:15 Uhr in der Sky-Lounge des Center Hotels Arnarhvoll.

Mehr über Milkhouse unter milkhouse.bandcamp.com.