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Iceland Airwaves: Island auf die harte Tour

Kulturblick

Iceland Airwaves: Island auf die harte Tour

Beneath band.
Beneath. Photo: Gabriele Schneider.

Eigentlich steht ja niemand gern Schlange, wenn es nicht unbedingt sein muss. Bei den Iceland Airwaves gehört es allerdings dazu, man hat gar keine andere Wahl. So nimmt man es einfach gelassen hin, sich gern auch quer über die Fahrbahn zu schlängeln, lernt den Hintermann kennen oder trinkt einen Schluck aus der Flasche, die man noch von der vorherigen Location hat. Man wechselt nämlich häufig den Ort (und damit die Schlange), schließlich wollen die meisten ganz bestimmte Künstler oder Musikrichtungen erleben.

Iceland Airwaves queue.Schlangestehen. Foto: Gabriele Schneider.

Ich entschied mich gestern für die musikalisch härtere Gangart. Mit Heavy Metal und Punk. Im Gaukurinn hörte ich mir zunächst die isländische Death Metal Formation Beneath an. Die erste isländische Band, die jemals in Wacken (2009) spielte, riss alle mit. Und der Sänger war wütend, unsagbar wütend. Er tobte singend und warf zahlreiche rasende Blicke ins Publikum.

Beneath band.Beneath. Foto: Gabriele Schneider.

Nach Beneath enterten Börn (dt.: Kinder) aus Island die Bühne. Warum eine erklärte feministische Punkband einen männlichen Drummer hat, wollte sich mir einfach nicht erschließen. Also fragte ich nach dem Gig zwei der Mädels. Die gaben zu, darüber noch niemals nachgedacht zu haben. „Er ist ein guter Freund von uns. Und er ist ebenfalls Feminist“, meinten Júlíana und Alexandra lachend. Dann wurden sie ernst. Die Band würde gegen Behindertenfeindlichkeit kämpfen und ihr Drummer habe eine Behinderung, fügten sie an. Übrigens waren unter den vielen Besuchern auch viele Männer, denen die Mischung aus Börns Punk und Metal genauso gefiel wie den weiblichen Gästen.

Börn band.Börn. Foto: Gabriele Schneider.

Melodisch bis fast orchestral, aber auch oft brachial gaben sich anschließend Tremoro Tarantura aus Norwegen.

Band Tremoro Tarantura.Tremoro Tarantura. Die weißen Instrumente sehen viel zahmer aus als die Musik, die sie erzeugen. Foto: Gabriele Schneider.

Noch voller als zuvor wurde es, als DIMMA, eine der bekanntesten Metalbands Islands, auf die Bühne kam. „Meira þungarokk?“, rief Sänger Stefán Jakobsson immer wieder, das bedeutet: „Mehr Hardrock?“ Die Masse schrie jeweils ein vielstimmiges „Já!“ (dt.: ja) zurück. Von richtig metal-hart bis sanfterem Heavy-Rock reichte das Repertoire der vier Musiker. Am Schluss halfen jedoch alle „Meira, Meira!“-Rufe nichts, eine Zugabe spielte DIMMA leider nicht.

Band Dimma.Sänger Stefán Jakobsson von DIMMA. Foto: Gabriele Schneider.

Band Dimma.Gitarrist Ingó Geirdal (l.) und Bassist Siggi Geirdal von DIMMA. Foto: Gabriele Schneider.

Band Dimma.Sänger Stefán Jakobsson von DIMMA. Foto: Gabriele Schneider.