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Iceland Airwaves: Barfuß zum Elektropop

Kulturblick

Iceland Airwaves: Barfuß zum Elektropop

Band Moving Houses.
Moving Houses: Miran Zrimŝek (l.) und Philip Hellerbach. Photo: Gabriele Schneider.

Nachdem wir die Bremer Formation Moving Houses im Vorfeld der Iceland Airwaves selbst zu Wort kommen ließen, war ich besonders gespannt, dieses Duo live zu erleben.

In der Buchhandlung Eymundsson in der Austurstræti fand einer ihrer zwölf Off-Venue-Gigs statt. Bevor es losging, saßen schon viele Besucher gespannt wartend auf dem Boden. Sie blätterten in Büchern, die sie aus den Regalen gezogen hatten oder tippten auf ihren Handys oder Tablets herum. Auch zu Beginn des Auftritts saßen noch alle, später standen sie auf, bewegten sich zur Musik.

Moving Houses, das sind Miran Zrimŝek und Philip Hellerbach, boten sehr melodischen, bisweilen melancholischen bis etwas härteren Elektropop, brachten auch ein Cello ins Spiel, und Miran verzauberte mit wunderschöner, leicht rauer Stimme. Und auch, wenn es ein bisschen abgedroschen klingen mag: Einige junge Mädels schienen angesichts der Künstler und ihrer Musik regelrecht dahinzuschmelzen.

Einar Kári Jóhannsson ist bei den Off-Venue-Konzerten in der Buchhandlung Eymundsson zuständig für das Buchen der Bands, aber auch dafür, dass in Sachen Technik alles reibungslos abläuft. „Wir machen schon seit vielen Jahren bei den Iceland Airwaves mit“, erklärte er, er selbst arbeite seit drei Jahren im Unternehmen und habe die Aufgabe seither übernommen.

Viele Bands kenne er mittlerweile, mit denen er im Vorfeld Kontakt aufnähme, erzählte Einar Kári. Andere, so wie Moving Houses, würden sich per Email um einen Auftritt in der obersten Etage des Buchladens bewerben. Moving Houses hatten vor Monaten recherchiert, welche Auftrittsmöglichkeiten es in den zurückliegenden Jahren im Off-venue-Programm gab, dann etwa 50 Locations angeschrieben.

Insgesamt zwölf Gigs gab das Duo während der fünf Iceland-Airwaves-Tage. Der bei Eymundsson war der dritte. Und, das überraschte: Es war auch erst der dritte Auftritt der beiden jungen Männer insgesamt. Moving Houses als Duo existiert nämlich erst seit August. Vorher, seit 2012, bestand die Formation aus fünf Musikern. Aus organisatorischen Gründen wandelte sich die Band dann zum Duo, das auch Stücke von damals übernahm. Grundsätzlich spielen Moving Houses ausschließlich selbst geschriebene Songs.

Band Moving Houses.Moving Houses: Miran Zrimŝek (l.) und Philip Hellerbach spielten auch im Buchladen. Foto: Gabriele Schneider.

„How many Icelanders are here?“, fragte Philip zu Beginn des Auftritts. Nicht ganz ein Viertel der Hände gingen nach oben. „The invaders are coming“, scherzte er da. Und irgendwie hatte er gar nicht so Unrecht, schließlich hatten Moving Houses schon einiges im Land getan, bevor die Airwaves überhaupt starteten: Auf Þórustaðir in Vogar auf der Halbinsel Reykjanes nahmen sie eine Demo-CD auf, drehten beim Wasserfall Seljalandsfoss in Süd-Island ein Video zum Titel „On and on“. Und ein Kamera-Team, das Material für eine Dokumentation über das Duo sammelt, reiste mit Philip und Miran durch Reykjavík, zum Strand von Vík im Südland, zu einem Schwimmbad in den Bergen und zum Seljalandsfoss.

In den Osterferien 2015 gehen Moving Houses auf Deutschland-Tournee, im Sommer möchten sie bei verschiedenen Festivals auftreten. Und wie die meisten Künstler wünschen sie sich eines: Auf lange Sicht von ihrer Musik leben zu können.

Übrigens war da noch dieser junge Mann, der beim Auftritt die ganze Zeit über barfuß und auf dem Rücken in einer Ecke lag, die Beine angewinkelt. Doch wer glaubte, er nähme keinen Anteil an der Performance, hatte sich gründlich getäuscht: Seine Füße wippten im Takt mit. Erst, als der Auftritt vorüber war, stand er auf, zog seine Schuhe an und ging. Zufrieden lächelnd.