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Saga-Fest – nichts für Einzelgänger

Kulturblick

Saga-Fest – nichts für Einzelgänger

Saga Fest.

Photo: Saga Fest.

Neulich erzählte mir Katrin Weiser, die gerade auf „Heimaturlaub“ in Deutschland ist, sie mache jetzt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für ein Musikfestival in Island. Saga Fest sei ganz neu und anders und fände im Mai zum ersten Mal statt.

Zunächst war ich skeptisch: Noch ein Musikfestival? Es gibt doch schon Iceland Airwaves, Aldrei fór ég suður, Eistnaflug, Sónar, Secret Solstice, ATP… Doch dann gab ich der Sache eine Chance: Warum eigentlich kein weiteres? Gerne, wenn es denn tatsächlich anders ist als vergleichbare Events. Denn nicht nur, was Katrin mir erzählte, sondern auch, mit wie viel Begeisterung sie davon sprach, machte mich neugierig. Und wenn bei einem Musikfestival wirklich Nachhaltigkeit und Umweltschutz zentrale Inhalte wären, dann wäre das schon so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal.

Katrin kommt aus Baden-Württemberg, hat eine Ausbildung zur Mediengestalterin gemacht und studierte anschließend Medien- und Kommunikations-Wissenschaft. Seit über einem halben Jahr lebt und arbeitet sie in Reykjavík.

Katrin Weiser.Katrin Weiser. Foto: Gabriele Schneider.

Saga Fest findet am 23. und 24. Mai statt, und zwar im Süden Islands, zwischen Selfoss und Eyrarbakki auf dem Bio-Bauernhof Stokkseyrarsel, einem Landstrich, der in den Sagas und Volkserzählungen Islands vorkommt, wie der 27-jährige Musikfan Katrin, die auch für Iceland Music Export (IMX) arbeitet, weiß.

Bei Saga Fest treten auf der Hauptbühne 16 Musiker und Bands auf. Unter anderem: For a Minor Reflection, Fufanu, Kira Kira oder Kippi Kaninus. Auf einer kleineren Bühne performen Poeten, Geschichtenerzähler und andere. Es gibt einen Bauernmarkt, eine Gemeinschaftsküche und sogenannte geodätische Dome, kuppelartige Bauten, in denen tagsüber Seminare, beispielsweise über Nachhaltigkeit und die Reduzierung von Müll stattfinden und am späten Abend DJs auflegen.

Ein weit in den Himmel ragendes Mitternachtsfeuer wird am ersten Abend lodern, bei dem Geschichten aus den Sagas und aus der Region erzählt werden.

Es gibt einen Garten, in den man etwa seine Eintrittskarte pflanzen kann. Die besteht nämlich aus „Samen-Papier“. Die Tickets werden so zum Grundstock für einen Gemüsegarten auf dem Festival-Gelände, anstatt im Mülleimer oder einfach im Gelände zu landen. Zudem gibt es ein Areal, auf dem Gäste Bäume pflanzen können. Auch über Komposthaufen und eine Art Recyclinghof verfügt das Areal. Die meisten der Bauten werden aus gefundenen oder upgecycelten Materialien gebaut.

Doch nicht einfach konsumieren und sich berieseln lassen sollen die Festivalgänger. Nein, Mitmachen und sich selbst einzubringen sind bei Saga Fest angesagt. Denn spontane Aktionen sind erlaubt und ausdrücklich erwünscht. Wer etwas kann, kann sein Wissen oder Können mit den anderen Leuten, die zum Festival kommen, teilen: Basteln, Musik machen, an Jam Sessions teilnehmen, es sind keine Grenzen gesetzt.

Wohnen werden die Besucher auf einem Bereich des Festivalgrunds in ihren eigenen Zelten. Die Festivalmacher hoffen, dass auf diese Weise kleine Camps unter bisher Fremden entstehen und diese Lager auch gemeinsam dekoriert und gestaltet würden. Zusätzlich stehen ein paar Übernachtungsmöglichkeiten in Gästehäusern und Hostels zur Verfügung.

Saga Fest.Das Festivalgelände. Foto: Saga Fest.

Eine Woche vor dem eigentlichen Festival, vom 16. bis 22. Mai, beginnt schon ein Künstler-Treffen für zehn bis 15 Personen. Gegen Kost, Logis, freien Eintritt und Transport arbeiten die ausgewählten Künstler und Musiker mit Jugendlichen aus Selfoss. Ziel ist es, dass den Kids dabei geholfen wird, ein künstlerisches Projekt auf die Beine zu stellen, das sie während des Festivals ausstellen oder aufführen.

Auch können die Künstler etwas aus einer Geschichte machen, die die Veranstalter ohne Namensnennung von Ticket-Käufern erbitten. Tanz, Lied oder Bild, auch hier ist erlaubt, was gefällt. „Wir glauben, dass Veränderung geschieht, wenn ein Besucher sieht, wie seine eigene Geschichte durch eine künstlerische Arbeit lebendig wird“, schreiben die Organisatoren auf ihren Internetseiten.

Gemeinschaftsbildende Erfahrungen, etwas gemeinsam zu tun und selbst etwas zu einem Festival beizutragen, während man lernt, wie verletzlich die Natur ist und wie wichtig es ist, ein nachhaltiges Leben zu führen, sind die Basis von Saga Fest, die auch schon in den Sagas beschrieben wurden.

Saga Fest hat noch viele weitere Facetten. Auf sagafest.is oder auf Facebook finden sich alle nötigen Informationen.

Während ich mit Katrin Weiser über das Festival rede und mich anschließend durch die Internetseiten lese, beginne ich, den tieferen Sinn dieses weiteren Musikfestivals in Island nicht nur zu verstehen, sondern dafür zu entflammen. Und Katrin fasst zusammen, was Saga Fest ausmacht und von ähnlichen Events unterscheidet:

„Das Saga Fest ist viel mehr als ein Kunst- und Musikfestival. Die Gemeinschaft aus Besuchern und Künstlern, der nachhaltige Bauernhof, das „Wir“ und unsere persönlichen Geschichten, die durch unsere Künstler zum Leben erweckt werden, stehen beim Saga Fest im Vordergrund“, erklärt sie und fährt fort: „Wie Aristoteles schon gesagt hat: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!“ ... und so werden wir alle zusammen, untermalt von großartiger Musik und außergewöhnlicher Kunst, ein nachhaltiges Erlebnis erschaffen.“