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Festveranstaltung im einsamen Adlerfjord

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Festveranstaltung im einsamen Adlerfjord

Der isländische Nationalfeiertag, mit dem Island seine im Jahre 1944 erreichte Unabhängigkeit von Dänemark mit Paraden, Reden und Festveranstaltungen feiert, findet alljährlich am 17. Juni statt, dem Geburtstag von Jón Sigurdsson, der im 19. Jahrhundert die isländische Unabhängigkeitsbewegung anführte.

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Hrafnseyri. Foto: Eygló Svala Arnarsdóttir.

Dieses Jahr jährte sich der zweihundertste Geburtstag von Jón Sigurdsson und so erlebte sein abgelegener Geburtsort Hrafnseyri im Fjord Arnarfjördur („Adlerfjord“) in den Westfjorden am vergangenen Freitag eine Grossveranstaltung.

Das dem Nationalhelden gewidmete Museum vor Ort eröffnete eine neue Ausstellung und sowohl der Präsident Islands Ólafur Ragnar Grímsson wie die Premierministerin Jóhanna Sigurdardóttir kamen, um Kränze niederzulegen und Reden zu halten.

Jón Sigurdsson war der Sohn eines Pfarrers, der ihm Unterricht erteilte, bis er mit 18 Jahren nach Reykjavík ging, um sich auf das Studium an der Universität Kopenhagen vorzubereiten.

Jón Sigurdsson arbeitete publizistisch und politisch von der dänischen Hauptstadt aus und bewirkte, dass Dänemark seinen kolonialen Blick auf Island zu korrigieren begann, das Parlament Althing wieder tagen konnte und schliesslich für alle isländischen Angelegenheiten zuständig wurde.

Der Historiker Gunnar Karlsson schreibt: „Jón Sigurdsson war keinesfalls ein typischer Nationalheld des 19. Jahrhunderts. Er war kein extremer Nationalist und, gemessen an der damaligen Zeit, auch kein Romantiker. In erster Linie war er ein Vorkämpfer für Modernisierung, Demokratie, Menschenrechte und wirtschaftlichen Fortschritt.“

Seine Karriere sei untypisch gewesen, denn der Unabhängigkeitskämpfer war nie für seine politischen Aktivitäten verfolgt oder verhaftet worden.

Premierministerin Jóhanna Sigurdardóttir stellte am 17. Juni ihre Rede auf dem Austurvöllur in Reykjavík, dem Platz vor dem Althing, unter den Satz von Jón Sigurdsson:

„Es sind mehr als leere Worte nötig, damit Island wieder auf die Füsse kommt, Energie, Sparsamkeit, Voraussicht und Ausdauer.“

Der Pfarrhof Hrafnseyri, auf dem Jón Sigurdsson aufgewachsen war, erhielt übrigens seinen Namen von dem Sagahelden Hrafn Sveinbjörnsson, der dort etwa von 1190 bis 1213 lebte und als der erste Arzt Islands gilt.

In der Hrafns Saga wird er als geschickter Handwerker, Schütze, Dichter, Rechtssprecher, Heiler und gläubiger Christ geschildert. Er unternahm in seiner Jugend ausgedehnte Reisen, studierte Heilkunst in Salerno und pilgerte nach Canterbury und Rom. Seinem Widersacher Thorvaldur gelang es im dritten Versuch ihn zu töten, indem er seinen Hof anzündete und den aus den Flammen flüchtenden Hrafn erschlug.

In Hrafnseyri wird am 1. Januar 2012 in Verbindung mit dem Museum ein Kulturzentrum zu Ehren von Jón Sigurdsson eröffnet.

Auf der Seite des Museums Hrafnseyri finden Sie auch Texte auf Deutsch.

Bernhild Vögel

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