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FEIF-Hufstudie: Lange Hufe schaden dem Pferd

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FEIF-Hufstudie: Lange Hufe schaden dem Pferd

Horse hooves

Photo: Dagmar Trodler.

Bei der alljährlichen FEIF-Zuchtkonferenz in Reykjavik wurde unter anderem die Hufstudie vorgestellt, für die Pferdesportmediziner im Auftrag der FEIF zwei Jahre lang auf vier sportlichen Veranstaltungen Messdaten bei 134 Islandpferden gesammelt und ausgewertet hatten.

Mit dem bei Hufbearbeitern durchaus vorhandenen Vorwissen, dass eine lange Zehe nicht nur die Hufbalance stört und den Hufmechanismus einschränkt, sondern auch für Schäden wie Risse und Deformationen sorgt, soll die Studie nun auch offiziell helfen, neue Vorschriften für den Turnierbeschlag der Inseltölter zu finden. In einer Welt, wo Millimeter an Huflänge über Vorhandaktion, Notengebung und Erfolg entscheiden, fehlten bislang wissenschaftliche Daten.

Vermessen und gewogen wurden 134 Islandpferde an den Turnierorten Herning und Landsmót, bei den Nordischen Meisterschaften und der Mitteleuropäischen Meisterschaft, ihr Beschlag wurde mit einem normalen Standardbeschlag verglichen.

76% der untersuchten Pferde waren mit Platten und Polstern beschlagen. Die Länge der vorderen Hufwand wurde von den Wissenschaftlern per Maßband sowie röntgenologisch vermessen. Dabei trat zutage, dass die von den Richtern benutzte Schieblehre stets nach oben hin ungenaue Ergebnisse erbrachte. Hufe waren also in der Regel bis zu 6 mm länger als vom Richter festgestellt.

An allen vier Turnierorten waren die vorderen Hufwände länger als 95 mm, auch bei Pferden unter einem Stockmaß von 145 Zentimetern.

In 71% aller Fälle wurde eine mindestens einfach gebrochene Huf-Fessel-Achse gefunden, zusätzlich zur Tatsache, dass die meisten Pferde Stollen unter den Eisen trugen – ein Umstand, der diese Achse noch mehr verfälscht.

In 72% aller untersuchten Fälle (Pferde am Turnierort) wurde ein Neubeschlag empfohlen.

Der manipulative Beschlag hat Schäden im Huf zur Folge. Hohle Wände (in 90% aller Vorderhufe, 81% aller Hinterhufe), ungleich hohe Seitenwände (72%/75%), in geringerem Ausmaß Hufringe, Auswölbungen, schiefe Kronränder, horizontale wie vertikale Risse, atrophierter Strahl und umgestülpte Eckstreben wurden gefunden.

Die röntgenologische Untersuchung ergab, dass bei sämtlichen Pferden mit einer Huflänge von 100 Millimetern obengenannte Schäden festzustellen waren, bei Pferden mit einer Huflänge von 95 Millimetern immer noch ein hoher Prozentsatz. Betrug die Huflänge 80 Millimeter, konnten keine Schäden diagnostiziert werden.

Es gab kaum Unterschiede zwischen Zuchtpferden und Sportpferden. Nur die Pferde vom Landsmót fielen aus dem Rahmen. Ihre Vorderhufe waren im Vergleich bis zu 8 Millimeter länger als an den anderen Turnierorten, die Hinterhufe ebenfalls bis zu 5 Millimeter länger.

Offenbar, so heißt es in der Studie, ziele die Beschlagsmethode am Landsmót immer noch auf lange Zehen und hohe Hufe ab, um den Abrollmoment zu beeinflussen, denn hier wurden die längsten Vorderwände, die meisten hohlen Wände und gebrochenen Achsen sowie insgesamt die schlechteste Hufbalance gefunden.

Der übliche Sportbeschlag – lange Zehe/hoher Huf, Platten und Polster – bringt 273 Gramm an Mehrgewicht ans Bein. Zuzüglich zu den erlaubten Gewichtsglocken schleudert ein Turnierpferd also ein halbes Kilo am Vorderhuf über die Ovalbahn. Mit den gewünschten Effekten auf die Gänge Tölt und Trab: verzögerter Abrollmoment in allen Gängen, mehr Viertakt, mehr Streckung und Vorhandaktion im Trab.

In einer Gangstudie waren im vergangenen Jahr 13 Islandpferde zunächst mit Sportbeschlag, nach einer Gewöhnungsphase mit “Normalbeschlag” auf einem Laufband biomechanisch vermessen worden, mit dem Ziel, den Effekt eines langen, hohen Hufs auf die Biomechanik im Schritt, Tölt und Trab darzustellen. Die Studie bestätigte die These, dass ein Beschlag mit langen hohen Hufen zwar die Qualität des Ganges im Hinsicht auf die Turniernotenskala verbessert, aber auf lange Sicht der Gesundheit des Vorhandapparates schadet.

So bringt der Hebel einer langen Zehe während des Abrollmomentes mehr Spannung auf die tiefe Beugesehne und führt zu erhöhtem Druck auf die Hufrolle.

Die Wissenschaftler der Hufstudie empfehlen in ihrer Conclusio dringend, die vordere Hufwand auf maximal 95 Millimeter zu reduzieren, da alle Pferde mit längeren Hufen pathologische Befunde aufwiesen. Für Pferde mit einem Stockmaß unter 145 Zentimeter wurde eine Huflänge von 90 Millimetern empfohlen. Im Vergleich zu Warmblutpferden würde eine Huflänge von 95 Millimetern ein Stockmaß von 160 Zentimetern erfordern.

Hinsichtlich der offenbar weit verbreiteten Hufzubereitung in Sport und Zucht muss die Frage erlaubt sein, warum Islandpferde einer derartigen Manipulation eigentlich bedürfen.

Ist das allzu häufige Aufkommen von Taktstörungen (passig, trabig) ein Problem, dessen Ursprung in der Zucht zu suchen ist? Oder liegt es an der Reitweise, mit der Islandpferde sportlich vorgestellt werden?

Es bleibt zu wünschen, dass sich die FEIF-Verantwortlichen beim Thema nicht nur mit der Länge der vorderen Hufwand befassen.

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