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Statement von Iben Andersen

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Statement von Iben Andersen

Iben Andersen

Photo: Islandsheste.dk

Im dänischen Internet erschien ein Brief der Pferdeausbilderin Iben Andersen, in welchem sie sich zu den Ereignissen des vergangenen Herbstes äußert. Iben war damals nach einem Kurs in Island für das Ablegen eines Pferdes unter Zwang von verschiedenen Seiten scharf kritisiert worden.

Hier lesen Sie die Übersetzung des Briefes:

"Wenn ein Pferd eingeritten wird, soll es klare und unmissverständliche Botschaften bekommen. Sein Verstehen und Wohlergehen müssen an erster Stelle stehen.

Viele harte Worte sind gefallen, nachdem das Video einer praktischen Demonstration veröffentlicht wurde. Die Demonstration war sicherlich keine gute, und ihr folgten harte Urteile. Islands leitende Tierärztin, die bei der Demonstration selbst nicht zugegen war, drückte ihr Missfallen aus, was Zorn und grobe Beschuldigungen gegen mich nach sich gezogen hat. Viele der unversöhnlichen Worte – manche davon erhielt ich persönlich – sind eher Sache für die Polizei als für die Öffentlichkeit. Die Wahrheit ist verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen worden und es wurden Schlüsse gezogen, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Meiner Ansicht nach würde Pferden und Trainern großer Schaden erwachsen, wenn diese uralte und anerkannte Ausbildungsmethode, durch die schwierige Pferde lernen, dem Menschen zu vertrauen, auf der Grundlage einer einzelnen Demonstration und eines Videoclips in Island verboten würde.

Ich schreibe diese Zeilen nicht, weil ich Entschuldigungen von denen erwarte, die sich in der Diskussion haben hinreißen lassen und mir sogar Drohbriefe geschickt haben. Ich schreibe wegen der Methode selbst, einer Methode, die benutzt wird, wenn schwierige Pferde etwa mit Hilfe eines Seils abgelegt werden, was großen positiven Effekt auf das Einreiten haben kann.

Gleichzeitig möchte ich all denen danken, die den Mut hatten, ihre Meinung zu äußern und sowohl die Methode als auch mich zu verteidigen. Trotz der Negativdiskussion bin ich aufgrund meiner jahrelangen Erfahrung mit der Ausbildung von Pferden im In-und Ausland weiterhin der Meinung, daß die Methode im Hinblick auf schwierige Pferde sanft und mild ist. Es gibt keinen Grund, sie in außergewöhnlichen Fällen nicht anzuwenden. Ich habe niemals erlebt, daß ein Pferd, welches ich mit dieser Methode trainiert habe, physisch oder psychisch gelitten hat. Leider gilt dies nicht für viele Dinge, die unkritisiert hingenommen, in Training und Turnier Pferden aber angetan werden.

Gewalt im Training ist selbstverständlich niemals akzeptabel

Meine Leidenschaft für das Training junger Pferde zeigte sich bereits im Alter von neun Jahren, als ich mein erstes Pferd einritt. Ich studierte alle Fachliteratur, die ich in die Finger bekommen konnte. Meine Schulferien verbrachte ich damit, für die besten Pferdetrainer in Dänemark zu arbeiten.

Als ich mit der 10. Klasse fertig war, bin ich nach Island gegangen, um dort die Arbeit bei professionellen Pferdeleuten fortzusetzen. In den vergangenen 14 Jahren habe ich für erstklassige Ausbilder in Deutschland, Norwegen, Holland, Australien und Spanien gearbeitet. Ich habe von allen die besten Techniken erlernt und daraus die Methode entwickelt, die ich als Ausbilderin und Trainerin einsetze. Ein Bestandteil dieser Methode ist es, schwierige und extrem komplizierte Pferde abzulegen. Diese Technik ist nur ein kleiner Teil meiner Arbeit mit Pferden.

Bemerkenswert ist, daß sie der einzige Aspekt meiner Arbeit und Philosophie ist, über den die Leute reden!

Im Training und Reiten ist von größter Wichtigkeit, daß das Pferd seine Würde behält und vertrauensvoll und zufrieden in der menschlichen Umgebung ist. Die natürlichen Instinkte des Pferdes, wie der Fluchtreflex, oder der Kampf, sind im menschlichen Umfeld, wo wir das Pferd hineinversetzt haben, weder wünschenswert noch brauchbare Reflexe. Daher ist es wichtig, dem Pferd zu helfen, die Regeln, die nun gelten, zu erlernen , damit es für beide Partner – Pferd und Mensch - möglich wird, das Beste aus dem Miteinander zu machen.

Wir wissen, daß Pferde durch Druck lernen, dem sofort ein positives Gefühl folgt – also das Ausbleiben von Druck. Pferde wollen gerne lernen und auf die menschlichen Anfragen “antworten”. Die größte Motivation liegt im Wohlgefühl. Daher ist es sehr wichtig, daß das Pferd ein klares und einfaches Verständnis davon erhält, was von ihm erwartet wird.

Das Resultat soll ein Pferd sein, welches zufrieden, froh und kooperativ ist. Ein gut ausgebildetes Pferd wird sich an seinen Ausbilder halten, um Sicherheit, Wohlbefinden und Frieden zu finden und weiß, daß es nicht nötig ist, auf seine natürlichen Instinkte – Flucht oder Kampf – zurückzugreifen.

Diese Ziele müssen wir durch gutes, gesundes und sicheres Training erreichen.

Wir dürfen das Pferd niemals über einen längeren Zeitraum und zu keinem Zeitpunkt des Trainingsprozesses in Verwirrung lassen. Daher ist es unabdingbar, dem Pferd klare Signale zu geben und diese Signale zu wiederholen, bis es die gestellte Aufgabe erfüllen kann. Damit meine ich jedoch nicht, daß es gerechtfertigt ist, das Pferd zu verletzen oder Gewalt in irgendeiner Form anzuwenden.

Vertrauen in einer ungewohnten Umgebung ist wichtig

Wenn ein Pferd sich ablegt, begibt es sich selber in eine unsichere und riskante Lage, der es instinktiv nicht traut. Ich bin trotzdem sicher, daß in dem Moment, wo das Pferd beschließt, sich abzulegen, es sich völlig entspannt und sich vertrauensvoll den Umständen ergibt, in die es gebracht worden ist. Es lernt, daß es sicher ist, den gegebenen Umständen zu vertrauen, seiner Instinkte zum Trotz. Meine Erfahrung sagt mir, daß es wichtig ist, daß man das Pferd solchen Umständen nicht aussetzt, bevor der Trainer das Vertrauen des Pferdes gewonnen und das Pferd die Führungsrolle des Trainers akzeptiert hat. Zu diesem Zeitpunkt sieht das Pferd den Menschen nicht mehr als Raubtier oder Sicherheitsrisiko an.

Ich benutze diese Methode hauptsächlich bei Pferden, die extrem schwierig sind oder einen starken Fluchtinstinkt haben.

Die meisten Pferde können lernen, sich auf das Kommando mit der Gerte und der Stimme abzulegen. Aber manche Pferde reagieren so auf den Menschen, daß es vorteilhaft ist, ein Seil zu benutzen. Der Vorteil des Seiles ist, daß das Pferd ein klares Signal erhält und der Kontrast zwischen Druck und Komfort deutlich wird. Das Pferd lernt, sich abzulegen durch genau den gleichen grundsätzlichen Prozeß, mit dem es alles andere lernt. Es erlebt Druck und sucht nach dem einfachsten Weg, dem Druck zu entkommen. Sobald es den richtigen Weg findet, verschwindet der Druck. Zu diesem Zeitpunkt hat das Pferd weder aufgegeben, noch ist es in einer verwirrenden Lage allein gelassen worden. Ganz im Gegenteil hegen ich und viele andere Trainer, die diese Methode bei schwierigen Pferden anwenden, die Ansicht, daß das Pferd lernt, daß es einen Weg aus einer verwirrenden Lage gefunden hat. Meine Meinung basiert auf den Beobachtungen von hunderten von Pferden, die ich in den vergangenen Tagen, Monaten und selbst vor Jahren erlebt habe und die per Seil abgelegt worden sind, daß das Suchen einer Lösung und das unbegrenzte Vertrauen in den Trainer eine der wichtigsten Lektionen war, die das Pferd während der Ausbildung gelernt hat.

Einstellungen sind schwer zu beweisen

Nach dem Vorfall bin ich zu einem Gedankenaustausch mit der Chefveterinärin Sigurborg Daðadóttir eingeladen worden, wo wir unsere jeweiligen Ansichten zu der Trainingsmethode ausgetauscht haben.

Wir waren uns einig darin, daß das Ablegen von Pferden akzeptabel ist. Uneins waren wir uns darin, daß das Ablegen unter Seileinwirkung akzeptabel und für den Gemütszustand des Pferdes harmlos ist. Sigurborg und andere Kommentatoren sehen den Seilgebrauch als Gewaltanwendung an. Ich und viele andere Trainer und Pferdebesitzer auf der ganzen Welt sind anderer Ansicht. Es ist schwer, die eine wie die andere Einstellung zu beweisen.

Teures Lehrgeld

In der folgenden Diskussion mit Sigurborg Daðadóttir trat zutage daß sie ihre Bewertung primär auf der Grundlage des Videoclips von der Demonstration auf Gauksmýri erstellt hat.

In dieser Demonstration habe ich den Fehler begangen, mit einem Pferd zu arbeiten, welches ich nicht selbst im Vorfeld für die Umstände ausreichend vorbereitet hatte, und zu unterschätzen, welche Auswirkung die vielen Zuschauer auf das Pferd haben würden.

Doch ungeachtet dessen, was die Leute meinen, möchte ich unterstreichen, daß das Pferd auf keine Weise Schmerz oder anderen Schaden erlitten hat. Es ist mit gespitzten Ohren aufgestanden und war begierig, weiter zu lernen!! Überdies ist der Besitzer sehr zufrieden mit dem Ergebnis und damit, wie das Pferd sich in der Folge entwickelt hat. Das will er auch bezeugen.

Ich bin mir nicht bewusst gewesen, daß die Demonstration gefilmt wurde. Ich habe mich kurzerhand selbst in die Situation gebracht – diese Demo zu halten, obwohl ich immer versucht habe, solche Vorführungen zu vermeiden. Das habe ich mir selbst zuzuschreiben. Das Ergebnis dieser Vorführung sieht so aus, daß mein Renomme als Trainer echten Schaden erlitten hat. Ich muss nicht betonen, daß ich tief verletzt bin, weil ich weiß, daß meine Arbeit positive Aufmerksamkeit erregt hat. Daher bin ich sehr froh über die vielen guten und aufmunternden Kommentare, die ich erhalten habe, und über den Erfolg, den ich bei sovielen Pferden hatte.

Aus dem Fehler, den ich auf Gauksmýri begangen habe, habe ich meine Lehre gezogen. Ich denke nicht, daß ich falsche oder schädliche Methoden im Pferdetraining anwende, oder daß ich sie auf irgendeine Weise rücksichtslos behandelt habe. Ich bin stolz auf meine Arbeit der letzten Jahre, und darüber, wie ich mit schwierigen Pferde auf der ganzen Welt gearbeitet habe, und ich bin stolz, wie ich Besitzer gelehrt habe, wie sie mit ihren Pferden, diesen sprachlosen und doch so charmanten Wesen umgehen.

Ich habe daher beschlossen, meine Arbeit fortzusetzen, der ich mein Leben gewidmet habe: ein starkes und vertrauensvolles Band zwischen Pferd und Mensch zu schaffen."

Iben Andersen

Lesen Sie hier einen Text der niederländischen Verhaltensforscherin Machteld van Dierendonk zum Vorfall.

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