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Tölt in Harmony - Pferde in Harmonie?

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Tölt in Harmony - Pferde in Harmonie?

Horses Trophy

Photo: Dagmar Trodler

Das erste Töltfimi in Island ist Geschichte. Es fand in der Reithalle Fákasel statt und zog eine beachtliche Zuschauerzahl an, mehrheitlich jedoch ausländische Besucher der Aktionswoche Icelandic Horse Expo.

Die Geschichte des Töltfimi ähnelt einem Slalomlauf um Hindernisse der Reitkunst. Ursprünglich erdacht von Reynir Aðalsteinsson war das Töltfimi von Hestablaðið Seisei-Herausgeber Jens Einarsson nach Interviews mit dem Altmeister mit Skizzen und Regeln ausgearbeitet und in Zusammenarbeit mit Trausti Þór Guðmundsson der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Ein vor zwei Jahren geplantes Turnier war jedoch abgesagt worden, weil nach Aussage der gemeldeten Reiter die Pferde nicht ausreichend dafür trainiert waren – ein Offenbarungseid der Sportreiterei.

In den skandinavischen Ländern hat sich das Äquivalent Tölt in Harmony inzwischen zu einer eigenen Bewegung mit eigens geschulten Richtern und einem interessierten Publikum entwickelt – die Prüfung für alle, die sich am verspannten Sportgestrampel müde gesehen haben.

Islands Töltfimi begann mit zwei thematischen Reitvorstellungen zum Thema tägliches Training für Durchlässigkeit. Demonstrationen wie sie unterschiedlicher kaum hätten sein können. Der Zuschauer bekam ein hypermobiles, verspanntes Pferd zu sehen, welches dem Schenkel 'aus'wich, schwer auf der Hand lag und unter seinem Reiter “funktionierte” - und eines, welches an den Hilfen stand und exakt das verkörperte, was sein Reiter Guðmar Þór Pétursson über Durchlässigkeit, verlängerte Oberlinie und die Gefahr des rückwärts einwirkenden Zügels erklärte.

Bis auf eine Reiterin starteten alle acht Reiter im Schwierigkeitsgrad 2 des Töltfimi: eine große Achterschleife, zwei kleine Zirkel am jeweiligen Kopf der Schleife, beides in unterschiedlichen Tempi, sowie Tempounterschiede auf den langen Schleifenseiten. Die Figuren sollen exakt auf den markierten Spuren geritten werden, jedes Ausfallen der Hinterhand auf den Kurven etwa wird ebenso heruntergewertet wie ein falsch gewählter Zeitpunkt für die Tempounterschiede. Sitz, Einwirkung und Gesamtbild werden gesondert bewertet. Das dreiköpfige Richterteam nahm sich Zeit für die Benotung und gab für alle Noten Begründungen.

Hilfsmittel wie Gerte, Gewichtsboots und Islandkandare sind im Töltfimi übrigens nicht erlaubt – möglicherweise der Grund, weshalb der geladene Töltweltmeister seine Teilnahme (auf geliehenem Pferd) kurz vor Prüfungsbeginn noch absagte.

Die übrigen eingeladenen Reiter bis auf einen jungen Schweden zählten zur Elite des Landes, drei von ihnen hatten erst letzte Woche die Meisterklasse hinter sich gebracht. Sie stellten durchaus gut gerittene Pferde vor, die sich konzentriert auf den vorgegebenen Linien bewegten und die Aufgabenteile weitgehend korrekt ausführten. Sitz und Einwirkung der Reiter waren kaum zu bemängeln, der Tölt wurde überwiegend in gutem Takt vorgestellt.

Vom Sitzplatz am Tribünenrand war jedoch auch gut zu erkennen, wie schwer die Pferde auf der Hand lagen, wie sie in Form geriegelt wurden und wie wenig Versammlung bzw. Tragen der Hinterhand im Spiel war. In den Abreiterunden vor dem Turnier war eher handdominiertes Reiten zu sehen gewesen.

Das Pferd einer Teilnehmerin sprach schließlich Klartext, als es seiner Reiterin nach absolvierter Prüfung im Stand die Zügel aus der Hand riß, wie in einem Befreiungsschlag den Kopf mit offenem Maul weit nach vorne reckte und so einen langen Augenblick verharrte. Publikum und Reiterin nahmen's mit Humor. Die Stute hätte sich nicht deutlicher ausdrücken können.

Wer den Fokus auf Takt und Form legt, reitet einem Bild hinterher. Vorhandaktion fraß auch diesmal die Losgelassenheit. Am Ende sehnte man die spielerische Weichheit und die reell erarbeitete Oberlinie der Katla frá Kommu herbei, die in der Demonstration unter Guðmar gezeigt hatte, daß Tölt stets in der Hinterhand beginnt und zur Nasenspitze hin immer schöner wird, wenn man aufhört, ihn ausschließlich mit dem Zügel zu formen.

Dennoch darf dieser Auftakt des Töltfimi in Island als Erfolg gewertet werden, und sicher als Aufbruch in eine neue Zeit, denn es zeigte, daß die Prüfungsaufgaben in der herkömmlichen „Macher“-Sportreitweise nicht zu bewältigen sind. Nur eine Besinnung auf das klassische Zusammenspiel der Hilfen in steter Kommunikation mit dem Pferd schenkt die Durchlässigkeit, die den Tölter sicher und in zügelunabhängigem Gleichgewicht durch die Kurven trägt.

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