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Islandstange und kein Ende der Diskussion

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Islandstange und kein Ende der Diskussion

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Photo: Dagmar Trodler

Die Diskussion um die Islandstange mit Zungenfreiheit verschärft sich zusehends, nachdem das Gebiß auf einer Reitsportkonferenz in der vergangenen Woche als nicht vereinbar mit dem Tierschutz bezeichnet und ein Verbot gefordert worden war.

Die Pferdezeitschrift Hestablaðið Seisei hat zum Thema heute folgenden Artikel online veröffentlicht:

"Der sogenannte Fortschritt in der Reitkunst der vergangenen fünf bis zehn Jahre verbirgt sich vor allem hinter einem Gebiß, der Islandstange mit Zungenfreiheit. Ob sie aus einem einzelnen Metallstück gearbeitet ist, oder drei verschiedenen Metallen, spielt keine Rolle. Das Gebiß verletzt das Pferd im zahnlosen Kieferbereich. Es wird trübselig und gibt auf. Der Reiter gewinnt mehr Kontrolle über sein Pferd.

In Kürze ist dies die sogenannte „erhöhte Professionalisierung“ in der Reiterei seit der Jahrtausendwende, die durch Mitglieder aus den Verbänden der Trainer und Züchter propagiert wurde. Die Geschichte des Pferdetrainings in Island ist im Grunde genommen immer nur eins gewesen: eine Abkürzung!

Eine detaillierte Studie aus der Feder der Pferdefachtierärztin Sigríður Björnsdottir zeigt, daß dieses spezielle Gebiß Pferden Verletzungen zufügt. EGAL wer den Zügel führt. Doch die „Elite“ verneint alle Fakten und erweist sich als Betonkopf.

Trainer und Reiter winden sich derzeit aus Furcht davor, daß ihnen das Gebiß durch ein Verbot der obersten Veterinärbehörde genommen wird. In einem Artikel des heutigen Morgunblaðið ist zu lesen, daß die Vorsitzende der Trainervereinigung FT, Súsanna Sand, ein mögliches Verbot des Gebisses nicht unterstützt. Der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des FT, Guðmundur Arnarson vom Reitsportunternehmen Ástund, ist sogar einer der Hersteller des Gebisses.

Morgunblaðið sprach auch mit Sigurbjörn Barðason, der um den heißen Brei herumredete, um seine Ehre zu retten, doch für ein Verbot mochte er nicht stimmen. Er hat die Zungenfreiheit möglicherweise zum Halten benötigt, um mit seinen Konkurrenten mithalten zu können, wie etwa in der Töltausscheidung am Landsmót 2012. Für lange Zeit ist er einer der leidenschaftlichsten Gegner des Gebisses gewesen und hatte die Benutzung in seinem eigenen Stall untersagt. Das hat er mir persönlich gesagt. Was hat sich verändert, Diddi?

Sveinn Steinarsson, der Vorsitzende des Pferdezüchterverbandes, fürchtet die Reaktionen seiner Verbandsuntergebenen, die ihm über der metallischen Frage wie ein Eisen im Nacken hängen. Sie wissen genau um die Unvermeidlichkeit einer temporären Abwertung bei Sport- und Zuchtpferden, wenn diese ohne Zungenfreiheit geritten werden. In Treffen mit der leitenden Tierärztin hatte Sveinn ausweichende Antworten gegeben und flammende Argumente gegen ein Verbot und für mehr Aufklärung gefunden. Obwohl es sonnenklar ist, daß das Gebiß verletzt und daß weder Warnungen noch Aufklärung irgendwelche Auswirkungen gezeigt hätten. Ganz im Gegenteil.

Der Vorsitzende der FEIF, Gunnar Sturluson, ist bislang noch nicht mit der Cheftierärztin zusammengetroffen, doch in einem Interview mit Hestablaðið Seisei sagte er, daß er persönlich niemals Ausrüstungsgegenstände verwenden würde, die ein Pferd verletzen. Wird Gunnar sich dafür auch bei der FEIF ins Zeug legen?

Die einzige Partei im reiterlichen Netzwerk, die in der Gebißangelegenheit Verantwortungsbewusstsein zeigt, ist der Vorstand der Reitervereinigung LH, der sich für ein sofortiges Verbot augesprochen hat. LH-Vorsitzender Haraldur Þórarinsson hat darauf hingewiesen, daß den Regeln des LH zufolge ein Pferd stets vom Zweifel profitieren sollte, wenn Ausrüstung oder Trainingsmethoden unter dem Verdacht stehen, es zu verletzen oder ihm Leid zuzufügen.

Die Trainervereinigung FT war einst gegründet worden um Reitkunst und Pferdeumgang zu verbessern. Nun stellt sich heraus, daß trotz aller guten Vorsätze sich die Trainer immer noch in die Hosen machen. Allen Entscheidungsträgern sage ich: „Arg handelst Du, und lange wird Deine Schande leben.“

Den Originaltext finden Sie hier.

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