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Islandpferde im Distanzsport

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Islandpferde im Distanzsport

Hyndla frá Fitjum mit Tonkie Collée im Sattel schaffte es 2010 mit Tölt und Trab unter die Endurance Top Ten in Europa.Photo: Martjin Beurze

Die American Endurance Ride Conference (AERC) hat in diesem Jahr zum ersten Mal ein Islandpferd in ihre Hall of Fame aufgenommen: Dem 26-jährigen Schimmelwallach Remington im Besitz von John Parke wurde die Ehre zuteil nicht für ein Meilenkonto, sondern für seine Beständigkeit und wahre Ausdauer, wie im horse-journal zu lesen ist. Bereits im Jahr 2006 hatte das Paar, das berühmt dafür ist, jeden Wettkampf zu beenden, ganz gleich in welchem Tempo, den horse and rider award der Organisation erhalten.

Der passionierte Mountainbikefahrer hatte das Pferd ursprünglich als “Ausreitpony” für Frau und Kinder gekauft, wie er im horse-journal schreibt. Als Ausgleich zur Arbeit begann er abends zu reiten und fand, Distanzreiten sei eine gute Idee, weil man dort Reiten und Pferdeumgang lerne, tierärztlich überwacht werde und obendrein wunderbares Reitgelände gezeigt bekomme. Aus diesen naïven Anfängen entwickelte sich eine 20-jährige gemeinsame Karriere mit unglaublichen11.300 Meilen Gesamtleistung und einer Goldmedaille für zehn vollendete 100 Meilenritte.

Remington ist damit das Pferd mit der höchsten jemals erzielten Gesamtleistung im gesamten Distanzsport, ungeachtet von Rasse und Erfolg.

“Die meisten Leute denken bei Remington und mir an Schlußlichter,” schreibt Parke. “Unser einziges Ergebnis unter den ersten Zehn bei mehr als zehn Teilnehmern erzielten wir im ersten AERC 100 Meiler Championship im Jahr 1998, nachdem andere Pferde ausgefallen waren.”

Beim ersten Distanzritt zeigten sich die Mitreiter noch besorgt über das vermeintliche 'Lahmen' des Schimmels. Doch Chefveterinär Dr. Dave Nicholson beruhigt: “Ich hab diese haarigen Dinger quer durchs Land auf dem Great American Horse Race betreut. Das ist ein Tölt, kein Trab. Das Pferd ist ok.” Remington läuft, seit John ihn kennt, einen bequem zu sitzenenden Trabtölt.

Zu keiner Zeit sei der Wallach eine Bedrohung für die Teilnehmer an der Spitze gewesen. “Es war jedoch klar, daß er eine Extraportion Härte und Gesundheit besaß, um auf jeder Distanz frisch zu bleiben, besonders auf Mehrtagesritten.” schreibt Parke. “Ich stellte fest, daß gerade diese langen Distanzen weitaus eher eine Sache meiner mentalen Stärke und Disziplin darin waren, das Pferd über viele Stunden und Tage anständig zu reiten, als des Pferdes selbst.” Die Trittsicherheit des Schimmels, seine Intelligenz und ein untrüglicher Instinkt im Gelände mache ihn zu einem unersetzlichen Partner auf den langen Ritten.

Remington stellte auf all den Ritten auch seine Herdenführerqualitäten unter Beweis. Junge Pferde liebten es John zufolge in seiner Nähe zu laufen, der Wallach half Dutzenden von ihnen durch brenzlige Situationen, durch Flüsse und Viehherden hindurch. Seine Dominanz, so Parke, erstrecke sich auch auf andere Spezies. Er treibe gerne Vieh und toleriere keine Hunde. Er schätze Menschen, aber nicht, wenn sie ihm sagen wollten, was er zu tun hat. Und seine Fluchtbereitschaft, sobald sich das Führseil strammziehe, sei legendär. Seit der Umstellung auf Barhuf und einen baumlosen Sattel vor einigen Jahren sei das Pferd noch stärker und muskulöser geworden und weit davon entfernt, aufs Altenteil zu gehen. Bilder des Schimmels sind im Internet zu finden.

Das erfolgreichste Islandpferd in Europa auf langen Distanzen ist eine Stute. Hyndla frá Fitjum, auf obigem Foto zu sehen, schaffte es im Jahr 2010 mit ihrer Reiterin Tonkie Collée unter die Top Ten in Europa - als einziges Islandpferd unter Großpferden. Beim Distanzritt "5 Tage im Norden" (353 km) hatte das Paar den zweiten Platz belegt. Im vergangenen Jahr waren sie beim Alb XL-Ritt (10 Tage) gestartet und hatten 600 von 700 Kilometern geschafft. Die Anzahl der langen Distanzritte ist in Europa weitaus geringer als in den USA und die Teilnahmemöglichkeiten vor allem in internationaler Konkurrenz daher begrenzt. Hyndla befindet sich derzeit in Fohlenpause. Tonkie trainiert derweil vielversprechenden, auf Sauðárkrókiblut gezogenen Distanznachwuchs, um im kommenden Jahr wieder antreten zu können, sie bereitet sich auf die Teilnahme an einem 24-stündigen 100 Meilenritt in Schottland vor.

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