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Gæðingafimi: Stinknormales Training

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Gæðingafimi: Stinknormales Training

Photo: Dagmar Trodler

Das Gæðingafimi am Donnerstagabend barg eine neue Überraschung: der Sieger des Abends zeigte viel Trab, vorwärts-abwärts, leichten Sitz und mit aus der Hand gekautem Zügel, reelle Biegungen sowie ein Tempozulegen, welches fast schon als echte Trabverstärkung gelten konnte.

„Das war kein Problem, das sind doch Übungen, die jeder isländische Gæðingur können muss.“ sagte Ísolfur Lindal Þórisson im Interview mit Eiðfaxi. „Alle Pferde können diese Übungen, um die Gänge zu verbessern.“ Man brauche keinen besonderen Pferdetyp fürs Gæðingafimi auszusuchen, findet er.

Im Interview mit isibless.is sagte er, er wünsche sich diese Prüfung ein bis zweimal pro Jahr in Island, man müsse dafür ja nicht besonders üben, das Gezeigte sei schliesslich stinknormales Training, nur manchen Richtern würde das Training darin fehlen. Seiner Ansicht nach gehöre die Prüfung auch ins WM-Spektrum.

Ísólfurs Vorführung fiel deswegen so aus dem Rahmen, weil der Rest des Feldes bis auf die Vorjahressiegerin das übliche aufgerüschte Töltgestrampel auf gebogenen Linien zeigte, wobei die Linien gebogen waren, die Pferde oftmals jedoch nicht.

Das Gæðingafimi ist sozusagen die Rittigkeitsprüfung der Winterhallenturniers Meistaradeild. Über Richtlinien und Ziele wird sich alljährlich gestritten, es gibt Modelektionen und erstaunlich wenig Vielfalt, trotz der grossen Palette zur Verfügung stehender Lektionen. Vor allem aber ist der Mannschaftswettbewerb Meistaradeild eine Privatveranstaltung, und kein punktebringendes Turnier, was die Zäumung der Pferde erklärt. Das erst jüngst von der FEIF bekräftigte Verbot des Sperrriemens in Verbindung mit der Islandkandare hat für Privatturniere keine Gültigkeit.

Man muss sich jedoch ernsthaft fragen, was eine mit Sperrhalfter zugeschnürte Islandkandare in der Rittigkeitsprüfung der besten Reiter Islands zu suchen hat. Man muss sich auch fragen, was Islandkandaren generell in Rittigkeitsprüfungen zu suchen haben. Trotz des gebrochenen Mundstücks erschwert dieses Gebiss Stellung und seitliche Biegung, und entsprechend wirkten auch die Lektionen, die unter der Rubrik Seitengänge vorgestellt wurden. Die Islandkandare ist eine traditionelle Zäumung, die für andere Ansprüche geschaffen wurde als Rittigkeitsprüfungen auf dem Zirkel. Sie passt auf die Ovalbahn und zum Gestrampel. Aber wer auf Vorhandaktion setzt, reitet manipulativ und blockiert sein möglicherweise sonst durchlässiges Pferd, was gut bei Katla frá Kommu zu sehen war, die in der Demoshow beim letztjährigen Töltfimi so überzeugt hatte.

Grob kann man die Teilnehmer in zwei Gruppen unterteilen: in die, die agieren wie sonst auch, diesmal nur auf kleineren Kreisen und annähernd normal gesattelt, und solche, die wie Ísólfur gewissenhaft ihre Hausaufgaben machen. In der ersten Gruppe gab es zwischen Schenkel und Hand eingeklemmte Töltmaschinen in jeder Qualitätsklasse, wahlweise zugeknallte Sperrhalfter oder Islandkandaren ohne Riemen, die dafür mit flatternder Zunge.

Es gab viel (zuviel) Tempo und unbedingten Gehorsam, wie etwa in den durchaus präzise vorgestellten Ritten der beiden Stuten Skíma frá Kvistum und Spretta frá Gunnarstöðum. Beide Stuten liefen beeindruckend, sauber und fehlerlos in allen Gangarten. Beide waren auf Islandkandare gezäumt und beide waren nicht locker, sondern bedingungslos gehorsam. Bedingungsloser Gehorsam heisst nicht durchlässig, und solcher Gehorsam kostet auch Ausstrahlung.

Spitzenreiter dieser Gruppe war Arion frá Eystra-Fróðholti, der sich mit seinem Reiter über die viele lästigen Kurven in der Halle wunderte, und der Auftritt der beiden Zuchtbestseller war möglicherweise eher eine Werbeanzeige denn echte Teilnahme.

Auf der anderen Seite standen Darbietungen, in denen Lektionen wie Kurzkehrt oder Wendungen um die Hinterhand zum Teil gute Qualität hatten und wo den Pferden die nötige Zeit und Ruhe für eine Lektion gegeben wurde. Sie bestachen durch massvolles Tempo und durch überraschende Einlagen wie einen Vorwärts-abwärts-Tölt der Gloría frá Skúfslæk. Das Richtsystem des Gæðingafimi bleibt ein Geheimnis, doch wurde die überaus flüssige, weiche und spielerische Darbietung des Kristófer frá Hjaltastaðahvammi zurecht hoch benotet. Der hübsche Fuchs war bei jedem Tempo am Sitz wie am Schenkel und zeigte Vertrauen in die Hand seines Reiters.

Die Tatsache, dass Kristófer auf Islandkandare mit Sperrriemen vorgestellt wurde, hinterlässt einen schalen Geschmack und die Frage, wie sich das Pferd wohl auf Wassertrense präsentiert hätte.

Stern des Abends war und bleibt Sylvía Sigurbjörnsdóttir, die sich wie schon im vergangenen Jahr mit Heðinn-Skúli frá Oddhóli auf einem anderen Niveau der Reiterei befindet und das Gæðingafimi so interpretierte, wie mancher Zuschauer es gehofft hatte, auch wenn es im Finale Patzer gab und sie die Richter diesmal nicht überzeugen konnte. Sie stellte ein Pferd vor, das in allen Gangarten und Lektionen am Zügel und froh und ganz bei seiner Reiterin war, das gesetzt galoppieren konnte und einen langsamen Tölt tanzte, der in Eleganz und Leichtigkeit seinesgleichen sucht.

Beeindruckend war das Tölt-und Gangvermögen aller vorgestellten Pferde.

Heðinn-Skúli aber soll uns im Gedächtnis bleiben, wenn wir an strahlende Rittigkeit denken.

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