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Berittenes Bogenschiessen: Training hat begonnen

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Berittenes Bogenschiessen: Training hat begonnen

Pettra Engeländer lässt die Bogensehne sirren, um die Stute an das ungewohnte Geräusch zu gewöhnen. Photo: Dagmar Trodler

Die Ausbilderin für das berittene Bogenschiessen, Pettra Engeländer, ist vorgestern mit ihrem Partner Martin Rutishäuser in Island angekommen, um die für die kommenden Wochenenden geplanten Seminare vorzubereiten. Die beiden Ausbilder wollen ca. drei Wochen im Land bleiben, auf dem Programm steht das Schulen von zwei Pferden, die beiden Seminare, sowie auf Wunsch ein persönliches Training zu Kursinhalten oder Problemen aller Art.

Pettra Engeländer kann auf eine lange Karriere im berittenen Bogenschiessen zurückblicken. Die ehemalige Tänzerin hat in der Mongolei bei Hirten gelebt und später im Rahmen eines Forschungsprojekts mit ihren eigenen Pferden in einem Mongolenzelt. Sie war auf internationalem Parkett äusserst erfolgreiche Bogenschützin zu Pferd, hat sich jedoch mit Vertiefen ihres Studiums der asiatischen Kampfkünste vom reinen Sport entfernt. Heute ist ihr die tiefe innere Verbindung zwischen Pferd und Reiter und die Energieflüsse von beiden, welche das Abschiessen eines Pfeils erst möglich machen, viel wichtiger. Diese Kunst lehrt sie in ihrer Akademie "Independant European Horseback Archery School" (IHEAS) in Europa und nun zum ersten Mal auch in Island.

Da sie hier in Island nicht auf ihre eigenen im Bogenschiessen erfahrenen Pferde zurückgreifen kann, um Techniken zu demonstrieren, werden zwei einheimische Pferde für das Seminar vorbereitet. Wie Pettras eigenen Pferde daheim sollen die beiden Stuten als Schulpferde und erfahrene "Assistenten" für die Pferde der Teilnehmer dienen. "Pferde fühlen sich sicher in einer Gruppe," erklärt Pettra. "Wenn die zwei ruhig dabeistehen, ist für die anderen auch alles okay, was da an Neuem auf sie zukommt."

Als Basis für ihr berittenes Bogenschiessen hat Pettra ein eigenes Lehrsystem für Pferd und Reiter geschaffen. Das Horse Aikido ist eine Art von horsemanship, wo der Fokus weniger auf Dominanz liegt, er orientiert sich viel mehr an der Kampfkunst des Aikido. Im Aikido gibt es keinen Gegner, der gestoppt oder abgewehrt werden muss (wie etwa im Kick-Boxen), sondern eine Reflektion von Bewegungen. Der Aikidokämpfer reflektiert die Bewegungen seines Gegenspielers und verändert durch seine eigenen Bewegungen ihre Richtung oder Gestalt. Was Kampfkunst genannt wird, sieht in Vollendung aus wie Tanz.

"Jeder meiner Kampfkunstmeister konnte vom Pferd aus Bogen schiessen, selbst wenn er kein Reiter war" erinnert Pettra sich. Die Prinzipien sind dieselben, die Pferde verstehen den Bewegungsfluss, weil sie auf ähnliche Weise im Spiel miteinander kommunizieren.

Auf das Pferd bezogen bedeutet es, dass der Reiter im Horse Aikido lernt, die Bewegungen und die Vorwärtsenergie seines Pferdes mit seinem Körper - und nicht dem Zügel, den er beim Bogenschiessen ja nicht halten kann - in eine andere Richtung zu lenken. Geht das Pferd beispielsweise zu schnell geradeaus, ohne zuzuhören, lenkt der Reiter es in Figuren und erhält seine Aufmerksamkeit. Der Reiter beginnt damit eine Kommunikation, statt dominant einzuwirken. Die Vorwärtsenergie des Pferdes wird kreativ genutzt statt gestoppt. Am Ende soll es möglich sein, dem Pferd ohne Zügel, nur durch Körpersprache, eine Idee von Richtung und Tempo zu geben, während der Reiter den Pfeil abfeuert. Das Abfeuern eines Pfeils setzt Energie und Signale frei, die das Pferd von den Reiterhilfen klar abgrenzen können muss.

"Die Pferde lernen im Horse Aikido, das zu unterscheiden. Die können auch zwischen Schwert und Bogen unterscheiden, " erklärt Pettra. "Du gehst zudem eine tiefe Verbindung mit deinem Pferd ein. Du erschaffst ein Gefühl des 'Eins-sein', des 'wir beide kämpfen gegen alle'." Das funktioniert nur, wenn die mentale Verbindung so stark ist, dass das Pferd die Beine des Reiters ersetzt und es sich voll auf den Reiter konzentriert. Pettra und Martin demonstrieren, was sie meinen, als andere Reiter in die Halle des Reitvereins Sörli kommen und ein Tölttraining beginnen. Keine der beiden vierbeinigen Studentinnen lässt sich von dem plötzlichen Stress aus der Ruhe bringen.

"Das Horse Aikido kann alles für Pferd und Reiter verändern." sagt Pettra. "Wenn du es konsequent weiterverfolgst, kannst du eines Tages ohne Sattel und Zügel durch die Landschaft reiten, in allen Gangarten und Geschwindigkeiten, weil du eins mit deinem Pferd bist."

Dass dies wirklich funktioniert, wurde am zweiten Tag sichtbar, als die beiden Schülerinnen mit Pfeil und Bogen konfrontiert wurden. Das Band zwischen Ausbilder und Pferd war nach einem Trainingstag bereits so stark, dass weder Energieimpuls noch Geräusch beim Abfeuern eines Pfeiles neben dem Pferd ein grösseres Problem darstellten.

Das erste Seminar zum berittenen Bogenschiessen in Island findet an den beiden kommenden Wochenenden, 10.-12. April und 17.-19. April in Hveragerði in der Reithalle von Eldhestar statt. Am 16. April ist ausserdem ein spezieller Tageskurs für das horse Aikido (ohne Bogenschiessen) im Angebot.

Weiter Informationen finden Sie auf der Facebookseite oder unter [email protected].

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