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Krankenschwestern kündigen zuhauf

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Krankenschwestern kündigen zuhauf

Protest, 26.05.15.

Photo: Páll Stefánsson.

Dutzende von Krankenschwestern und Medizinisch technischen Assistenten haben als Folge des gesetzlichen Streikverbotes, welches vom Parlament am vergangenen Samstag erlassen worden war, ihre Kündigungen überreicht.

“Die Krankenschwestern sind das Rückgrat des isländischen Gesundheitssystems, und ich habe von Fachkrankenschwestern gehört, dass besonders diese in grosser Zahl gehen wollen." sagte Sigríður Gunnarsdóttir, die Pflegedienstleiterin des Universitätskrankenhauses Landspítali gegenüber visir.is

Die Aussichten sind nach diesen Kündigungen düster, da sich bereits lange Wartelisten gebildet hatten. “Das würde das Krankenhaus handlungsunfähig machen. Wir können uns nicht leisten, weiteres Personal zu verlieren, ob Krankenschwestern oder andere Beschäftigte,” sagte Sigríður.

Bislang haben ein Drittel der Röntgenassistenten im Landspítali gekündigt, das sind etwa 20 Beschäftigte. Elf der 24 Krankenschwestern der Herzchirurgie haben ebenfalls ihre Kündigung überreicht, ausserdem eine komplette Schicht der Intensivstation, berichtet ruv.is. In den kommenden Tagen wird mit einer aktuellen Liste der Kündigungen gerechnet.

Edda Jörundsdóttir, die seit 15 Jahren als Krankenschwester arbeitet, gehört zu denen, die ihre Kündigung eingereicht hat.

“Ich arbeite hin und wieder in Norwegen, ich kenne das System dort, das ist kein grosser Schritt,” sagte Edda visir.is am Samstag vor dem Parlament, kurz nachdem das Gesetz zum Streikverbot erlassen worden war. “Ich komme hierher, um die Debatte zu verfolgen und ich sehe, wie Politiker abhauen, diese hochakute Situation verlassen, um ein Fussballspiel anzuschauen. Das würde ich niemals in meinem Job tun. Eine akute Situation verlassen, um ein Fussballspiel anzuschauen?”

“Es muss klar sein dass die Verantwortung für das Gesundheitssystem nicht bei mir liegt, oder bei uns. Ich trage die Verantwortung für meine Patienten in meiner Schicht. Ich werde in meinem Job stets das Beste geben, im Rahmen meiner Möglichkeiten. Aber die Verantwortung für das System liegt bei diesen Leuten,” sagt Edda und deutet auf das Parlamentsgebäude.

Die Krankenschwestern haben ihrem Zorn Luft gemacht in einer geschlossenen Facebookgruppe, aus der einige Geschichten bei visir.is veröffentlicht worden waren. “In meiner Laufbahn als Krankenschwester musste ich mit aller Art von verbaler und physischer Gewalt von meinen Patienten zurechtkommen. Ich bin angespuckt, angekotzt, angepinkelt und angeschissen worden. Davon habe ich nichts persönlich genommen. Das ist einfach Teil meiner Arbeit. Einer Arbeit die ich liebe! Diese Gesetze hingegen, die nehme ich sehr persönlich. Ich glaube, das ist der grösste Mist, mit dem ich jemals beworfen worden bin,” sagte eine Schwester aus der Gruppe, die ungenannt bleiben möchte.

“Unsere Gefühle die Streikgesetze betreffend sind gemischt. Auf der einen Seite musste dieser Streik beendet werden, in Bezug auf die Sicherheit der Patienten und das Wohlergehen des Personals, auf der anderen Seite muss diese Gehaltsauseinandersetzung beigellegt werden,” sagte der Ärztliche Direktor des Landspítali, Páll Matthíasson, gestern visir.is gegenüber.

Ein Vertreter von Sólstafir, einer Vermittlungsagentur, die sich darauf spezialisiert hat, isländische Krankenschwestern in Norwegen temporär unterzubringen, sagte, dass das Unternehmen in den vergangenen paar Wochen mehr Anfragen erhalten habe als im gesamten Jahr 2014.

Viele befürchten durch die Kündigungen nun langandauernde Engpässe in der isländischen Gesundheitsversorgung.

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