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Keine Wunschbrunnen in Þingvellir

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Keine Wunschbrunnen in Þingvellir

Northern lights at Þingvellir National Park

Nordlichter in Þingvellir. Photo: Páll Stefánsson.

Die Park-Ranger in Þingvellir sind dieser Tage damit beschäftigt, das Kleingeld, das zuhauf auf dem Grund von Flosagjá, Drekkingarhylur und Öxará liegt, zu entfernen. Die Münzen werden immer wieder von Urlaubern in die Gewässer geworfen, die anscheinend denken, es handele sich um so etwas wie Wunschbrunnen.

Drekkingarhylur oder Ersäufbecken bekam seinen Namen aufgrund der Frauen, die dort zwischen 1590 und 1749 ertränkt wurden. In früheren Jahrhunderten waren Todesurteile selten und bis 1262 nicht im Gesetz verankert.

Dann wurde der „Alte Bund“ unterzeichnet, womit Island unter norwegischer Knute stand. Nun wurden sie viel zahlreicher, vor allem im 16. Jahrhundert und hauptsächlich in Zusammenhang mit Unzucht und Ehebruch.

Männer wurden in der Regel gehenkt oder enthauptet, Frauen ertränkt.

Die verurteilten Frauen wurden gezwungen, sich an den Rand des Beckens zu stellen, damit sie von Schaulustigen verhöhnt werden konnten. Ihr Kopf war mit einem Stoffbeutel bedeckt, um ihre Mitte ein Seil gebunden. Dann wurden sie ins Becken gestoßen und mit einem Stecken unter Wasser gedrückt, bis sie sich nicht mehr bewegten.

„Wir schätzen es nicht, wenn Leute ihr Geld irgendwohin werfen. Es in Drekkingarhylur ist aber besonders paradox, wenn man seine Rolle in unserer Geschichte betrachtet. Wenn man daraus einen Wunschbrunnen macht“, sagte Guðrún Kristinsdóttir, die leitende Park-Rangerin von Þingvellir, gegenüber Vísir.

Während die Aufräumaktion in Flosagjá und Öxará relativ einfach vonstatten ging, erwies sich die Arbeit in Drekkingarhylur als sehr schwierig, da das Becken sehr tief und das Tauchen darin gefährlich ist.

Die aufgesammelten Münzen werden in einem Gefäß im Parkranger-Büro gesammelt und an den „Icelandair Special Children Travel Fund“ für chronisch kranke und benachteiligte Kinder gespendet.

„Ich weiß, das klingt furchtbar klischeehaft, aber wenn ich ins Ausland gehe, nehme ich anschließend das Kleingeld mit und steckte es in den Umschlag an Bord der Maschine. Wir mögen es nicht, es wegzuwerfen“, erklärte Guðrún.

Münzen in die Nikulásargjá, die besser als Peningagjá oder Geld-Schlucht bekannt ist, zu werfen, wird schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts praktiziert, und Urlauber werden gebeten, ihre Münzen lieber dort hinein zu werfen.

Aber auch dieser Ort ist kein Wunschbrunnen und war auch nie einer, wie Guðrún unterstreicht.

„Auch wenn sie in der europäischen Mythologie vorkommen, haben Wunschbrunnen in Island nie existiert.“

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