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Stígandi: Der Hauptgewinn der nie abgeholt wurde

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Stígandi: Der Hauptgewinn der nie abgeholt wurde

Stígandi frá Kolkuósi. Photo: www.gammur.is

Auf hestafréttir stand letzte Woche folgender Brief zu lesen, der hier unergänzt und unkommentiert in deutscher Übersetzung veröffentlicht wird:

"Ich traf vor einigen Monaten einen alten Freund, den Sævar Halldórsson, im Schwimmbad von Reykjanesbær wieder. Sævar hatte jahrelang auf den Færörinseln gewohnt. Wir unterhielten uns über die vergangenen Zeiten, und er erzählte mir von einer Reise, die er vor 49 Jahren, im Jahr 1966, mit seinen Kumpels Georg Árnason und Sigurður Erlendsson zum Landsmót der Reiter nach Hólar im Hjaltadal unternommen hatte.

Am Eingang zum Turnier kauften sie sich Eintrittskarten, die gleichzeitig als Lotterielose fungierten. Der erste Preis in der Lotterie war der Hengst Stígandi 625 frá Kolkuósi, der zweite Preis eine Jungstute aus guter Zucht, als dritter Preis winkte ein Flugticket nach Kopenhagen. Die Turnierleitung hatte mit Sigurmon, dem damaligen Bauern auf Kolkuós, vereinbart, dass dieser den Stígandi erwerben und als Lotteriegewinn zur Verfügung stellen würde, dazu sollte es Sattel und Gebiss geben. Stígandi war ein Sohn des Hörður 591 frá Kolkuósi. Im Vertrag hiess es, dass wenn das Pferd in der Lotterie gezogen würde, Sigurmon den Kaufpreis ersetzt bekäme, andernfalls dürfe er ihn mit nach Hause nehmen.

Die drei Jungs, Sævar, Georg und Sigurður, waren nun keine echten Pferdeleute, sie waren in Sommern auf dem Land gewesen und hatten einfach Spass beim Landsmót. In den ersten Tagen war das Wetter ganz gut, doch am Sonntag verschlechterte es sich, und sie beschlossen, das Landsmótgelände zu verlassen und ihre Reise nach Siglufjörður fortzusetzen. Bei ihrer Abreise hatte die Lotterie noch nicht stattgefunden.

In Siglufjörður hielten sie sich einige Tage auf. Am Dienstag kauften sie das Morgunblað im Buchladen, um zu schauen, was in der Zeitung über das Landsmót zu lesen stand, und ob es Näheres zu den Gewinnern in der Lotterie gab.

In einem Artikel ging es um das Landsmót und um die Ziehung der Lose. Die Losnummer des Hauptgewinns stand ebenfalls im Artikel. Und als sie ihre Eintrittskarten überprüften, stellte sich heraus, dass Georg eine der Nummern hatte, und tatsächlich den Hengst Stígandi frá Kolkuósi, samt Sattel und Gebiss gewonnen hatte.

Nun gab es eine grosse Diskussion, wie man den Transport des Pferdes nach Keflavík am besten organisiere. Grosse Ideen kamen auf zum Verkauf von Decksprüngen und anderen tollen Dingen. Doch erst mal musste Kontakt zu Hólar aufgenommen und das Gewinnerlos angemeldet werden.

Doch guter Rat war teuer, denn in der Nachricht gab es keine Telefonnummer. So mussten die drei zur Telefonstation in Siglufjörður gehen und von dort aus in Hólar anrufen. Die Telefonistin fand eine entsprechende Telefonnummer für sie heraus. “Irgendjemand” antwortete am anderen Ende der Leitung, doch wussten sie nicht, wer da zu ihnen sprach. Sie trugen ihr Begehr vor und erhielten kurz und knapp die Antwort, dass “die Nummer in der Zeitung falsch sei, und das Pferd habe das Gelände bereits verlassen.”

Wie damals in der Presse zu lesen gewesen war, wussten alle, die vor Ort gewesen waren, dass das Los gezogen worden war und dass sich Informationen der Turnierleitung zufolge niemand mit der Nummer gemeldet habe. Die Turnierleitung überliess also Sigurmon das Pferd und die Sache war damit vom Tisch.

Sigurmon nahm das Pferd und brachte es nach Kolkuós. Stígandi 625 gelangte in die Hände seines Schwiegersohnes in Akranes, später wurde das Pferd nach Österreich verkauft. Stígandi hinterlässt eine grosse Anzahl von Nachkommen, darunter Þór von Sporz, der einmal Weltmeister im Tölt und im Viergang war, wenn das Gedächtnis nicht trügt. Er gehörte Andreas Trappe.

Über die ganze Geschichte wurde zum Ende des Landsmot 1966 viel gesprochen. Die Leute hatten es eigenartig gefunden, dass sich niemand gemeldet hatte, wo doch die Gewinnnummer auf der verkauften Eintrittskarte gestanden hatte. Dies wurde nur zur Erbauung und zum Vergnügen niedergeschrieben, falls sich jemand an die Begebenheit erinnert.

Beste Grüsse Gunnar Andri Sigtryggsson"

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