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Mindestlohn auch in Pferdejobs

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Mindestlohn auch in Pferdejobs

Photo: Dagmar Trodler

Dem Tarifvertrag des isländischen Bauernverbandes zufolge muss eine Arbeitskraft in der Landwirtschaft, die volle Verpflegung und Unterkunft bekommt und eine Vollzeitarbeit verrichtet, einen Mindestlohn von 175.000 ISK (1220 EUR) pro Monat erhalten. Davon kann jedoch so mancher ausländische Beschäftigte auf dem Land nur träumen.

Das RÚV-Magazin Spegillinn hatte nach Geschichten von Ausländern gesucht, die nach Island gekommen waren, um hier Arbeit in der Landwirtschaft und im Tourismus zu finden.

Auch im der Landwirtschaft zugeordneten Pferdebereich gibt es immer wieder Fälle, wo Träume an der Realität zerschellen. “Sie bieten Leuten, die was erleben möchten, Arbeit an, gegen gratis Verpflegung, Unterkunft und einen niedrigen Lohn. Sie geben den Anschein, dass die Arbeit bei ihnen eine grossartige Gelegenheit ist, Island kennenzulernen,” sagt eine Befragte, die vier Monate auf einem Pferdehof gearbeitet hat und dann bei weiteren Arbeitgebern vom Regen in die Traufe geriet. “Aber wie sollst du denn das Land kennenlernen, wenn du auf dem Hof feststeckst und nicht mal Geld hast, um dir ein Auto zu mieten?”

Das Mädchen arbeitete von halb acht Uhr morgens bis sechs Uhr am Abend und erhielt einen Lohn von 50.000 ISK (350 EUR). Eine Verletzung, die sie sich während der Arbeit zugezogen hatte, konnte sie nicht vom Arzt behandeln lassen weil sie nicht angemeldet worden war und wusste, dass sie sich illegal in Island aufhielt.

Eine andere Befragte gab an, 80.000 ISK (560 EUR) auf einem Pferdehof als Lohn zu erhalten, in der Szene gilt das als guter Lohn, den manche erhalten gar nichts für ihre Arbeit. Spegillinn berichtet von weiteren Fällen, wo Mädchen harte Arbeit im Pferdestall verrichteten, nicht genug zu essen bekamen, und wo weder Arbeitsbedingungen noch Wohnbedingungen zufriedenstellend waren. Zwei von ihnen erhielten am Ende ihren Lohn nicht ausgezahlt.

Ähnliche Geschichten stellte das Magazin aus dem Hotel- und Gastronomiegewerbe, sowie aus dem Tourismus zusammen.

Der isländische Gewerkschaftsbund liess wissen, dass eine unbezahlte freiwillige Tätigkeit an einem Arbeitsplatz, der Profit bringt, ganz gleich ob Waren hergestellt oder verkauft werden, oder ob Serviceleistungen erbracht werden, ein unzumutbares Lohndumping darstelle. Halldór Grönvold von der Geschäftsleitung des Gewerkschaftsbundes, sagte Spegillinn gegenüber, den jungen Leuten müsse ein Lohn gemäss den Tarifvereinbarungen gezahlt werden, ganz gleich ob sie umsonst arbeiten könnten oder wollten, alles andere würde die Wettbewerbslage auf dem Markt verzerren.

Hier findet man den Tarifvertrag, der für Beschäftigte in der Landwirtschaft (zB Pferdehöfe) gilt.

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