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Ein Sattel für das Pferd

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Ein Sattel für das Pferd

Photo: Dagmar Trodler

An diesem Wochenende ist Benedikt Lindal in Südisland unterwegs, um seine zusammen mit der Sattelmanufaktur Stübben entwickelte Neuheit vorzustellen, den zweigeteilten Islandpferdesattel Portos Freedom.

Auf der Webseite von Stübben wird der Sattelbaum dieses Sattels “biomechanisch” genannt, ein starkes Schlagwort, was Neugier weckt.

Benni erklärt, er habe sich das Konzept des Sattelbaums zwei Jahre lang angeschaut, bevor er es für seine Islandpferdesättel übernommen habe. Bei seinen eigenen Pferden sei der Sattel von Beginn an in ständigem Gebrauch.

Beim Freedom ist der Federsattelbaum am Hinterzwiesel durchtrennt, sodass die Seitenteile hinten keine Verbindung zueinander haben. Die Lücke ist auch nicht mit Leder überzogen, sondern freigelassen und nur an drei Stellen im Kissenkanal mit einem starken Band verbunden. Dadurch kann der Sattel auf dem Pferderücken in der Auf-und Abwärtsbewegung mitgehen. Deutlich sieht man diese Bewegung beim laufenden Pferd von von hinten.

Besonders profitierten Bennis Meinung nach Gangpferde von dem Sattelbaum, die gerne dazu neigen, im Rücken fest zu werden. Er glaubt, dass das Sattelkonzept vor allem im Rennpass gute Dienste leisten könnte. Passweltmeister Guðmundur Einarsson teste den Sattel derzeit auf seinen Pferden. Der in Dänemark lebende Reitmeister und langjährige Leiter der Schule in Hólar, Ísólfur Eyjolfsson, nutze den Sattel seit langem und sei vom Konzept überzeugt.

Von den zahlreichen Pferden, die sich in der Reithalle von Kálfholt einfanden, zeigte keines Probleme oder gesteigerte Sensibilität.

Der zweigeteilte Sattelbaum diene in erster Linie dem Pferd, erklärte Benni. Manche Reiter hätten erst mal Probleme mit dem Sitzgefühl, wobei die Lücke zwischen den Kissen nicht wahrnehmbar ist. Am ehesten erinnert es an das Reiten in einem baumlosen Sattel, wo sich viele Pferde freier bewegen, weil nichts zwickt oder drückt. Es ist hier die ungewohnte Bewegung des Pferdes, die vom Reiter einen ausbalancierten, guten Sitz verlangt.

Durch die Zweiteilung fallen auch die Gewichtshilfen deutlicher aus. Der Sattel lehrt einen, korrekt zu sitzen und sein Zusammenspiel der reiterlichen Hilfen zu überdenken. Ein hilfreiches Konzept für Pferde in der Ausbildung und im Aufbau - von mehrtägigen Reittouren indes würde Benni eher absehen, weil kaum ein Reiter durchgängig korrekt im Sattel sitzen könne.

Der nur 7,5 Kilo schwere Sattel ist ansonsten ganz normal gepolstert und ausgestattet. In Island ist er in drei Kammergrössen und in Sitzgrösse medium (etwa 17,5 Zoll) erhältlich, sowie in einer tiefen und einer eher flacheren Sitzfläche.

Benni wies auf die am Hinterzwiesel hochgearbeiteten Kissen hin und warnte davor, zu kurze Sättel zu verwenden. Eine seiner Meinung nach fatale Mode, die Reiter dazu verleite, das Gewicht immer weiter nach hinten zu verlagern, wodurch der Rücken blockiert werde. Der Schwerpunkt des Freedom ist hingegen klar definiert und auch nicht wie in vielen Islandpferdesätteln zurückverlagert, eine Sitzmanipulation ist daher nicht möglich. Nun muss der Sattel nur noch an die korrekte Stelle auf dem Rücken gelegt werden.

Benni Lindal wohnt mit seiner Frau Sigga Ævars in der Nähe von Egilsstaðir in Ostisland, wo sie auf Finnstaðir einen Ausbildungshof für Mensch und Pferd betreiben.

Er sei einer der ganz wenigen in seiner Altersklasse, der seine eigenen Jungpferde noch selbst einreite, sagt der bescheidene Reitmeister des isländischen Félags Tamningamanna (Verband der Pferdeausbilder), der in den langen Jahren seiner Tätigkeit im In- und Ausland immer wieder die Freude des Pferdes an der Arbeit progagiert hat. Seine von Herzen kommende Freundlichkeit den angereisten Pferden gegenüber hinterlässt bleibenden Eindruck.

Der korrekten Jungpferdeausbildung sind auch zwei seiner Kurseinheiten auf dem Hof gewidmet, in einer mehrtägigen Lehreinheit können reiterlich erfahrene Schüler an seiner Arbeit partizipieren, oder mit dem eigenen Pferd kommen und mitlernen.

Ein neues Kursangebot, so erzählt er, wendet sich speziell an Züchter, es soll sie motivieren, das sogenannte frumtamning, das allererste Training des jungen Pferdes, selbst zu übernehmen, anstatt es zur Ausbildung wegzuschicken. So könne der Züchter viel besser ermessen, was für Pferde er da eigentlich züchte und wie händelbar sie von Beginn an sind. Benni Lindal stellt seine Sättel heute noch in Reykjavík vor. Er betonte die Notwendigkeit, einen Sattel mit dem Pferd zusammen auszuprobieren, statt ihn von der Stange zu kaufen. In Zukunft plant er, soweit seine Zeit es erlaubt, weitere Anprobefahrten im Sinne des Pferdes. Die Sättel sind im Direktvertrieb bei ihm zu beziehen. Näheres findet man auf der Webseite inharmony.is.

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