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Was liegt zwischen Reiter und Pferd?

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Was liegt zwischen Reiter und Pferd?

Die Tierärztin und Pferdechiropraktikerin Dr. Susanne Braun lässt ein weisses Handtuch für oder wider einen Sattel sprechen. Photo: Dagmar Trodler

In der vergangenen Woche fand im Reitverein Hörður in Mosfellsbær ein Sattelworkshop mit der Tierärztin und Pferdechiropraktikerin Dr. Susanne Braun statt. Vor 80 Zuhörern, darunter die bekanntesten Sattelverkäufer des Landes, griff sie das sensible Thema der Sattellage auf und widmete sich ihm in allgemeinverständlicher Weise.

Grafiken und anatomische Zeichnungen von Wirbelsäule, Brustbein und Rippen wurden einprägsam präsentiert, wenn sie etwa eine Zeichnung des Brustkorbs über das Foto eines bekannten Landsmotskrachers schob, um zu demonstrieren, dass nicht nur der Reiter auf dem nicht belastbaren Teil des Rückens sitzt, sondern auch der Sattelgurt hinter dem Brustbein liegt und das Pferd massiv in der Atmung behindert. Vor allem die derzeit beliebten extrabreiten Sattelgurte können dem Pferd schon bei normaler Sattelung die Luft regelrecht abschnüren, wenn sie nicht korrekt angelegt sind.

Ausführlich widmete sie sich dem Schwerpunkt des Reiters, der auf dem Pferd am rechten Fleck und in der Sattelmitte zu sitzen hat, und nicht irgendwo auf dem hinteren Zwiesel im schwachen Teil des Rückens, damit “es” besser töltet.

“Wir wollen dass das Pferd gesund läuft, aber wir geben ihm keine Chance, uns richtig zu tragen.” sagte die Tierärztin. Sie stellte weitere Sportfotos vor, wo Vorhandaktion eine deutlich wichtigere Rolle spielte als das Tragkraftvermögen und wies darauf hin, dass der nicht zusammenpassende Schwerpunkt von Reiter und Pferd die Beine des Pferdes über Gebühr belastet und unweigerlich gesundheitliche Spätfolgen nach sich zieht.

Sie sparte nicht mit Kritik am herkömmlichen Showreitstil, wo nur wenige Pferde ihren Reiter ohne Problem durch Biegungen tragen können. “Profis wollen ihren Pferden nicht wehtun,” gab sie zu bedenken. “Die wollen das Turnier gewinnen.” Vor allem die Richter seien hier gefordert, kritischer hinzuschauen und manipulatives Reiten abzustrafen statt zu belohnen.

Blickschulung

Da es in Island keine Sattelanpassung wie auf dem Kontinent gibt und die meisten Reiter selbst entscheiden, welchen Sattel sie für ihr Pferd kaufen, ist Blickschulung wichtiger denn je. Susanne Braun zeigte Fotos von unterschiedlichen Rückenlinien, mit passenden und unpassenden Sattelungen, auch um klarzustellen, dass immer der Reiter das Pferd daran hindert, Lektionen auszuführen. “Das Pferd kann sich leicht selbst versammeln und bewegen,” sagte sie. “Wir müssen es ihm so leicht wie möglich machen und dürfen nicht stören.”

Aber was tun, wenn der Sattel nicht passt? Er schädigt Muskeln, Knochen, sorgt für weisse Haare im Auflagebereich und verursacht jene schmerzhaften Beulen, die früher gerne als “der hat sich auf einem Stein gewälzt” abgetan wurden. Nein, da war kein Stein, wir haben die Beule durch falsches Satteln selbst produziert. Gummimatten und Extragurte vertagen nur das Problem eines unpassenden Sattels, und selbst vor kurzen Sätteln warnt sie: “Die kann man ja noch besser zurücklegen.” Die langen Trachtensättel der guten alten Zeit wirken zwar mittelalterlich, aber sie boten wenigstens keine Möglichkeit, die Sattellage zu manipulieren.

Satteltest

In Anlehnung an das Biomechanikseminar von Dr. Gerd Heuschmann, welches dieser 2012 in Island gehalten hatte, wurde anschliessend die Sattellage im Praxistest diskutiert. Zwei Freizeitreiter stellten ihre Pferde in der Halle vor, nachdem Susanne beiden Pferden ein weisses Handtuch unter den Sattel gelegt und die Sattellage mit Klebstreifen markiert hatte. Dann wurden die Sättel nach hinten verschoben und vorgeritten, und neue Schwitzmuster sowie Eindrücke der Reiter diskutiert. “Er entspannt sich nicht,” hörte man da, “er ist unzufrieden und verspannt,” oder “meiner atmet mehr und eilt.” “Das will ich nicht noch mal haben,” gab einer von beiden schliesslich zu.

Beim zweiten Versuch wurden die Sättel getauscht, hier fiel auf, dass das eine Pferd die Vorderbeine nun auseinanderstellte, um sein Gleichgewicht halten zu können. Anders als bei Heuschmanns Seminar waren die Testpferde diesmal keine Ovallbahnprofis, die unter ihrem Reiter nur wenig Missfallen äussern, sondern durchschnittlich gerittene Freizeitpferde, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hielten. Umso besser für das Publikum.

Susanne Braun entliess ihre Zuschauer am Ende mit einer Idee, worauf man achten muss und was man daheim selber ausprobieren kann, um den Wohlfühlpunkt des Pferdes zu finden und gemeinsam einen Weg zum harmonischen Reiten zu finden.

Hier und hier lesen Sie über das Heuschmann-Seminar, welches hauptsächlich vor Tierärzten gehalten worden war.

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