Reykjavík
10°C
SE

Auf dem Altar der Zuchtschauen. (Ein Kommentar)

Nachrichten

Auf dem Altar der Zuchtschauen. (Ein Kommentar)

Konsert frá Hofi, Landsmótsieger von 2014. Photo: Jens Einarsson

Der Pferdejournalist und Reitsportkritiker Jens Einarsson schreibt:

"Die grösste Nachricht des Jahres in der Reitsportszene ist bislang von keinem einzigen Reitsportmedium bearbeitet worden. Jene nämlich, dass der glänzendste Stern des Landsmóts 2014, der Hengst Konsert frá Hofi, nicht in der Gruppe der sechsjährigen Hengste beim Landsmót 2016 in Hólar registriert ist. Warum?

Konsert war im Frühjahr im Reitverein Sprettur in den Vorläufen vorgestellt worden. Im Video der Schau sieht man dass das junge Pferd zögerlich ist, es war nicht der fidele und fortschrittliche Gæðingur, der sich auf so schicke Art und Weise vor zwei Jahren präsentiert hatte. Ein Nachhaken ergab, dass er auch bei der Übersichtsschau nicht angetreten sei, oder vielmehr sich geweigert habe, die Bahn zu betreten. Dieses Gerücht ist in den Nachrichten nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert worden.

Die Geschichte hat uns gezeigt, zumindest all jenen, die sehen wollen, dass zahlreiche vierjährige Jungpferde auf dem Altar der Zuchtschauen zerbrochen worden sind. Trotz der Warnhinweise “alter Meister”, die aus einer anderen Zeit stammen, wenn es grad passt. Viele haben über die Jahre versucht, auf die gewaltigen Fehler und die Tierquälerei aufmerksam zu machen, die unweigerlich folgen, wenn von einem vierjährigen Jungpferd immer wieder das Äusserste verlangt wird, so wie es in den Jahren von Landsmót und Vierteltreffen üblich ist.

Die Anführer im “Belehrungsdienst” haben die Performance stets mit dem Argument verteidigt, das Vorstellen eines Jungpferdes sei für die Zuchtarbeit notwendig. Was natürlich Mumpitz ist. Es steckt kein Hokuspokus dahinter, in einem vierjährigen, leicht angearbeiteten Jungpferd herausragendes Pferdematerial zu erkennen. Nichts schreit danach, solche Pferde einzunorden und wie Gladiatoren im Collosseum zu schlachten.

Und man fragt sich: welches Opfer wird sich nun im Sieb der Gruppe der Vierjährigen beim LM 2016 finden? Wie hochgestimmt und zu Tränen gerührt werden die Stadionsprecher erscheinen, wenn sie die prachtvolle Entwicklung jenes ungehärteten Junggemüses erläutern, welches in seiner Unschuld und unverfälschtem Vertrauen in den Reiter (seinem Vater/Lehrer!!!) sich bemüht, es ihm bis in den roten Tod hinein Recht zu machen? Die Wunden auf ihrer Seele sind im Jubel der Stunde nicht sichtbar. Aber die Narben werden sich später nicht verbergen lassen, und sie werden auch nicht verschwinden.

Die Deutschen haben damals die Zuchtvorstellungen von vierjährigen Pferden verboten. Ich ziehe den Hut vor ihnen. Wann werden die isländischen Reiter von ihrer Heuchelei ablassen und in Werken zeigen, was sie glauben und angeblich tun: die Reiterei nach den Voraussetzungen des Pferdes ausüben???"

More news

Booking.com

Please consider supporting Iceland Review

IR Online

€3

Support

per month
IR Online

€5

Support

per month
IR Online

€10

Support

per month
IR Magazine

€55

For 6 Issues

per year

DIE IN DIESER RUBRIK VERÖFFENTLICHTEN BEITRÄGE GEBEN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG DER REDAKTION ODER DES HERAUSGEBERS WIEDER.