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Pressefreiheit? Polizei will über Sexualdelikte schweigen

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Pressefreiheit? Polizei will über Sexualdelikte schweigen

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Photo: Páll Stefánsson.

Der Polizeichef der Westmännerinseln Páley Borgþórsdóttir sagte gestern gegenüber Fréttablaðið, die Polizei werde keine Meldungen über sexuelle Übergriffe an die Medien herausgeben, die sich während des Openair-Festivals Þjóðhátíð ereignen, das vom 29. Juli bis 1. August stattfindet. Informationen würden erst dann herausgegeben, wenn die jeweiligen Ermittlungen abgeschlossen seien.

Die Polizei möchte damit ihre Praxis vom vergangenen Jahr fortführen, obwohl sie dafür kritisiert wurde. Páley begründet das Vorgehen damit, potenzielle Opfer vor Druck von außen zu schützen und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, glaubhafte Zeugen zu finden.

„Später, wenn die Zeit reif ist und es die Ermittlungen nicht behindert, werden die Medien natürlich über die Anzahl der Fälle informiert, die der Polizei gemeldet wurden. Aber soll die Information zuverlässig sein, muss zuerst ein wenig Zeit vergehen“, erklärte Páley, ohne sich auf eine genaue Frist festzulegen.

Páley erklärte, die Polizei verfahre das ganze Jahr über auf diese Weise und sie werde ihre Arbeitsweise nicht ändern, weil es um Þjóðhátíð gehe. Páley nahm kürzlich Kontakt zur Notaufnahme des Krankenhauses Landspítali in Reykjavík auf, um diese auf seine Linie einzuschwören.

Hrönn Stefánsdóttir, Projektmanagerin der Station, sagte, es sei die Politik des Krankenhauses, Medienanfragen zu beantworten und über die Anzahl behandelter Fälle Auskunft zu geben, ganz egal, welcher Natur diese seien. Daher würden sie der Forderung der Polizei nicht nachkommen.

Hrönn wies darauf hin, dass Soziale Netzwerke oft einen größeren Einfluss auf Ermittlungen hätten als die Berichterstattung in herkömmlichen Medien.

Guðrún Jónsdóttir, Sprecherin von Stígamót, einem Bildungs- und Beratungszentrum für Überlebende sexuellen Missbrauchs und Gewalt, meint, es sei falsch, sexuelle Übergriffe bei Þjóðhátíð nicht an Medien weiterzugeben.

Sie denkt auch nicht, dass das Vorgehen der Polizei Opfer schütze. „Ich weiß, dass die meisten Profis [die mit Opfern sexueller Gewalt arbeiten] zustimmen, dass es richtig ist, diese Informationen bereitzustellen“, sagt sie und fügt hinzu, es wäre interessant zu wissen, ob der Polizeichef auch Stillschweigen über andere Straftaten verhängen möchte, die während des Festivals passierten.

Þjóðhátíð ist das größte Festival am Verslunarmannahelgi (sogenanntes Kaufmanns-Wochenende), das normalerweise Ende Juli oder Anfang August liegt, und das traditionell in ganz Island mit Camping und Openair-Konzerten gefeiert wird. Zielgruppe vieler solcher Veranstaltungen sind Jugendliche und junge Erwachsene.

Drogen-, Alkoholmissbrauch und Sexualdelikte wurden bei solchen Festen schon häufiger zum Problem. Nach dem Verslunarmannahelgi 2015 wurden 18 sexuelle Übergriffe bei Stígamót gemeldet, bei zwölf davon handelte es sich um Vergewaltigungen. Die Notaufnahme des Landspítali meldete 2015 drei Vergewaltigungsfälle, die sich bei Þjóðhátíð ereignet hatten.

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