Reykjavík
5°C
S

Soll das so sein? (ein Kommentar von Magnús Láruson)

Nachrichten

Soll das so sein? (ein Kommentar von Magnús Láruson)

heavy_reins_horses

Der Pferdezüchter Magnús Láruson hat zum diesjährigen Landsmót einen Kommentar verfasst, welcher bei Hestafréttir veröffentlicht wurde.

"Ich sass und lag abwechselnd am Zuschauerhang in Hólar im Hjaltardal, direkt vor der Nase der Richter, und verfolgte die Zuchtprüfungen der Hengste. Um es gleich mal vorauszuschicken, ich fand viele von ihnen grundsätzlich sehr gut, und in weiten Teilen liefen sie schön, andere jedoch nicht so, wie es sein sollte. Ich möchte auf einige Details hinweisen, die mein Interesse weckten, sowohl bei den Urteilen wie bei den Vorstellungen der Zuchtpferde am Landsmót 2016.

Die Pferde machten am Ende auf mich einen müden Eindruck, und manche waren im Unterschied zur Vorrunde bei der Preisübergabe nur noch ein Schatten ihrer selbst. Damit sind vor allem die Pferde gemeint, bei denen es an noch mehr als nur Tempo und Vorhandaktion in den Gangarten gemangelt hatte. Die Anforderungen um viel Leistung, viel Tempo und lange Spurts entleeren die körperlichen Energiereserven, und sicher hatten sie zwischen den Prüfungen nicht genug Erholungszeit erhalten.

Die Freude verschwindet durch den Kraftmangel und Pferde versuchen, sich auf der Vorhand zu schonen. Über das Fallen auf die Vorhand geht die Weichheit verloren, die Leichtigkeit und die Reinheit des Taktes, um nur einige Dinge zu nennen, die mich als Pferdemann begeistern. Hier muss man fragen, was sich eigentlich gehört.

Welche Zusatzinformationen über die Qualitäten der Gangarten erhält man nach den ersten 100 Metern? Reichen in den meisten Fällen nicht kürzere Wegstrecken und weniger Bahnläufe?

Die Übersichtsschau der Zuchtpferde ist als Instrument gedacht, es da besser zu machen, wo die Chance auf Verbesserung besteht, und das war meiner Ansicht nach damals bei der Schaffung der Übersichtsschau gut gedacht. Bei vielen lohnte die Mühe und sie verbesserten die Noten für die gerittenen Gangarten, und auch für Charakter und Gehwille und für Form unter dem Reiter.

Beim Versuch, die Noten für den schnellen Galopp zu verbessern, sah man von meinem Platz aus im Takt in die Pferdeseite tretende Füsse, die Gerte in etwas langsamerem Takt auffallend an die Schulter des Pferdes tippend, gefolgt von zergelnden Zügelhilfen im gleichen Takt wie die Gerte, den gesamten Spurt über. In einigen Fällen verbesserte sich sowohl die Note für den Galopp wie auch für den Gehwillen. Ähnliche Reitereigebärden wirkten oft auch bei der Notenverbesserung im Pass, beim Gehwillen und bei der Form unter dem Reiter, nach nachdrücklichen und unterschiedlich geglückten Versuchen.

Braucht es solch eine nachdrückliche Gebärdensprache von Seiten des Reiters, um die genetisch vorhandene Qualität der Eigenschaften zu steigern und damit Noten zu verbessern?

Oder ist die Notenverbesserung eigentlich wertlos, wegen der Art und Weise wie man sie erhält?

Ist diese Reitweise das, was wir sehen möchten und als das Beste vom Besten vorstellen möchten?

Denken wir daran, dass Fernsehbilder auf der ganzen Welt zeigen, dass man die Dinge so macht, weil das bessere Noten bringt – diese Reitweise sollte daher vorbildlich sein. Ich fand, die Reiter haben die Pferde in der Übersichtsschau härter vorangetrieben als in den Vorrunden.

Ich denke, ich habe da so einige Pferde mit hohen Noten gesehen, die während so gut wie der ganzen Prüfung hindurch gebunden oder steif oder sogar beides liefen.

Sie zeigten hohe Vorhandktion und Raumgriff, aber ihnen fehlte Leichtigkeit und Durchlässigkeit in der Töltbewegung. Von meiner bescheidenen Warte aus gesehen war die Gangart viel eher Pass als Tölt, als der Tölt gezeigt wurde.

Erinnern wir uns daran, dass jene, die die Pferde vorstellten, als die besten des Landes auf den Gebiet gelten. Wie läuft das dann bei dem normalen Reiter, wenn er diese Art von Tölt so reiten soll, dass sie sauber und weich ist? Für wen züchten wir Pferdezüchter eigentlich Pferde?

Ich denke, ich habe auch so einige Pferde mit hohen Noten für Pass gesehen, die auf beinahe der gesamten Passstrecke keine Flugphase zeigten. Aber die Flugphase ist es, was den Pass vom Tölt unterscheidet, nicht etwa der Viertakt.

Auf der anderen Seite vermindert sich die Flugphase in dem Mass, wie der Pass viertaktig wird, und für viele ist es schwierig, die Flugphase zu erkennen, wenn sie so gering und das Pferd so viertaktig geworden ist. So war es irgendwie lustig, dort Pferde zu sehen, die irgendwie Pass liefen, als Tölt gezeigt werden sollte, und fast im Tölt waren, als sie Pass laufen sollten.
Soll das so sein?"

Mit freundlichen Grüssen, Magnús Lárusson, M.Ag.
Pferdezüchter
www.urvalshestar.is

Booking.com

Please consider supporting Iceland Review

IR Online

€3

Support

per month
IR Online

€5

Support

per month
IR Online

€10

Support

per month
IR Magazine

€55

For 6 Issues

per year

More news

Recent Views

DIE IN DIESER RUBRIK VERÖFFENTLICHTEN BEITRÄGE GEBEN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG DER REDAKTION ODER DES HERAUSGEBERS WIEDER.