Reykjavík
11°C
W

Keine Spinnerei: Minimühle für Spitzenwolle

Nachrichten

Keine Spinnerei: Minimühle für Spitzenwolle

Die passionierte Wollspinnerin Hulda Brynjólfsdóttir will Schafswolle selbst vermarkten. Photo: Magnús Hlynur Hreiðarsson

Wenn im September die Schafe aus dem Hochland zurück sind, beginnt die Zeit der “Ernte” des Schafbauern. So schön das mit den Lämmern auch ist – jetzt gehen sie zum Schlachter, und vom Erlös werden schnöde die Rechnungen bezahlt. Im vergangenen Herbst jedoch erlebten Islands Schafbauern eine böse Überraschung. Die Schlachthäuser des Landes verkündeten kurz vor der Saison unisono, dass sie zum Teil 40 Prozent niedrigere Preise für das Fleisch zahlen würden. So mancher Schafzüchter zog da den Hut ins Gesicht und dachte sich – ihr könnt mich mal.

Hulda Brynjólfsdóttir ist einer von ihnen.

Die 49-jährige Lehrerin und Mutter dreier Kinder betreibt mit ihrem Mann eine Schafzucht im Ásahreppur gleich hinter Selfoss. 280 Schafe füttert sie durch den Winter, ein mittelgrosser Betrieb, der immer Wert auf gesunde Schafe mit guter Fleischqualität gelegt hatte, denn das Schlachthaus zahlt nach Kilogramm.

Für die Wolle hingegen bekommt der Bauer auch heute noch nur ein Taschengeld, und genau hier blieb Huldas Blick auf der Suche nach einem Einkommmensausgleich hängen. Seit ein paar Jahren spinnt sie Wolle aus dem eigenen Bestand, in dem Schafe in allen Schattierungen der isländischen Farbpalette zu finden sind. Im letzten Jahr kaufte sie ausserdem einen Bock der Langhaarrasse feldfé, um eine eigene feldfé-Gruppe zu gründen. Aber warum die ganze Wolle eigentlich nicht selbst vermarkten?

Wolle hat Zukunft

Den Gedanken, Wolle mit ihrem Spinnrad verkaufsfertig zu verarbeiten, verwarf sie gleich wieder. Doch daraus entstand wenig später eine viel bessere Idee: nämlich eine eigene kleine Wollmühle zu gründen und die Wolle maschinell und professionell zu verarbeiten. Denn reine Schafwolle ist heute gefragter denn je. Und Islandwolle ist durch ihre Zusammensetzung weltweit einzigartig: unter dem dichten lockigen Langhaar, welches bis zu 30 Zentimeter lang sein kann, befindet sich ein dicker Pelz von unglaublich weicher Unterwolle. Beide Bestandteile kann man voneinander trennen und separat spinnen, und erhält grundverschiedene Garne von höchster Qualität.

Die passenden Maschinen dafür fand Hulda bei einer kanadischen Firma, die Geräte für kleine Mühlen produziert. Auch mit den Gesundheitsbehörden steht Hulda schon in Kontakt, um die notwendigen Genehmigungen einzuholen. Sie möchte vorerst nur eigene Wolle und Lieferungen aus dem regionalen Zuchtbezirk annehmen, denn Seuchenschutz ist für die Schafzüchterin ein wichtiges Thema.

“Das bedeutet, der Kunde kann die Wolle, die er bei uns kauft, bis zu einem bestimmten Schaf von meinem Hof zurückvollziehen,” erklärt Hulda. “Wir wollen nicht färben, wir bieten Wolle nur in den Naturfarben des Schafes an,” führt sie weiter aus. “Die können jedes Jahr anders ausfallen.” Das macht die Sache nur noch spannender.

Da kleinere Mengen schonend verarbeitet werden, darf der Wollfreund auch damit rechnen, dass die Wolle weicher als die herkömmliche Islandwolle wird. Hochwertige Qualitätsware also, die ein wenig mehr kosten wird, dafür aber nicht an jeder Ecke zu bekommen ist.

Die kleine Mühle soll, wenn alles gut geht, zwei bis drei Personen einen Arbeitsplatz bieten. Hulda hat jetzt schon Interessenten und Abnehmer für ihre Wolle und Garne in allen Stärken.

Um den Kauf der Maschinen und die notwendigen Umbauten auf dem Hof in die Tat umsetzen zu können, hat sie ein Crowdfunding auf der Startup-Plattform Indiegogo ins Leben gerufen. Auf ihrer Facebookseite Icelandyarn kann man den Fortgang des Projektes mitverfolgen und sehen, was sie an Gaben für die Spender einpackt.

Wird die geplante Summe erreicht, könnte Islands einzige Minimühle im Oktober schon losgehen. Wenn nämlich die Schafe aus dem Hochland kommen und bei der Herbstschur die ersten wunderbaren Vliese geliefert werden.

Hier finden Sie die Spendenaktion von Hulda.

Booking.com

Please consider supporting Iceland Review

IR Online

€3

Support

per month
IR Online

€5

Support

per month
IR Online

€10

Support

per month
IR Magazine

€55

For 6 Issues

per year

More news

Recent Views