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Pferdehalterin verklagt Aluminiumwerk

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Pferdehalterin verklagt Aluminiumwerk

Photo: Dagmar Trodler

Eine Landwirtin aus dem westisländischen Hvalfjörður hat die Aluminiumschmelze Norðurál in Grundartangi für die Schäden, die sie auf eine Umweltverschmutzung durch das Aluminiumwerk zurückführt, auf Schadensersatz verklagt, berichtet Vísir.

Unter anderem war ein Teil ihres Pferdebestandes durch die Fluorverunreinigung in dem Gebiet so schwer erkrankt, dass Tiere eingeschläfert werden mussten.

Norðurál hatte eine Abweisung der Klage erwirken wollen und diese mit allerlei Begründungen untermauert. Das Reykjavíker Bezirksgericht hat die Begründungen gestern jedoch alle zurückgewiesen. Damit bleibt die Klage vor Gericht.

Die Verunreinigungen im Hvalfjörður durch die Aluminiumschmelze sorgen seit etwa einem Jahrzehnt für Schlagzeilen. In einer Studie für das Arbeits- und Innovationsministerium, die im Sommer 2016 erstellt worden war, kamen die Autoren, Professor Jakob Kristinsson und der Tierarzt Sigurður Sigurðsson zu dem Ergebnis, dass die Erkrankungen der Pferde von Kúludalsá durchaus auf die Fluorverunreinigung zurückzuführen sein könnten.

Etwa die Hälfte aller Pferde von Kúludalsá zeigen Symptome, welche dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) ähneln. Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte die Symptome auf Überfütterung und Haltungsfehler zurückgeführt und gegen die Studie der beiden Veterinäre Protest eingelegt.

In der Zusammenfassung der Studie heisst es unter anderem, dass der Fluorgehalt “in den Knochen [der Pferde] um ein vierfaches höher ist als in dem Gebiet, wo es keine Fluorverunreinigung durch vulkanische Aktivität oder Schwerindustrie geben kann.

Es gebe einen klaren Zusammenhang zwischen der Stoffwechselstörung EMS und dem Fluorgehalt im Blut der Pferde auf Kúludalsá, und die Auswirkungen verstärkten sich mit einem Ansteigen des Fluorgehalts.

Damit entsprächen die Untersuchungsergebnisse Vergleichsstudien im Ausland zur Auswirkung des Fluorids auf den Insulin- und Glukosehaushalt bei Ratten und Menschen.

“Eine Fluorverunreinigung kommt in manchen Fällen durch einen forcierten Grasaufwuchs, Vulkanasche, Fertigdünger oder Mineralfutter, welches Tieren oft gegeben wird, zustande. Auf den Weiden, wo die Pferde gegrast haben, war jedoch kein forcierter Graswuchs zu finden, und in dem Zeitraum, wo sich die Erkrankung manifestierte, ist nichts von einer Fluorverunreinigung durch Vulkanasche bekannt. Eine Weidedüngung mit Fluor ist auf dem Hof nicht verwendet worden, Mineralfutter haben die Pferde nicht erhalten. Die Fluorverunreinigung kann daher so gut wie zweifellos auf das Aluminiumwerk in Grundartangi zurückgeführt werden.” heisst es in der Studie der Tierärzte.

Die EMS-Erkrankung der Pferde begann im Jahr 2007 . Im Jahr zuvor hatte es einen Betriebsunfall auf dem Werksgelände gegeben, damals waren Umweltgifte freigesetzt worden. Im Grasaufwuchs und in den Knochen von Schafen der umliegenden Höfe waren gleich nach dem Unfall hohe Fluorwerte festgestellt worden.

MAST hatte gegen die Studie protestiert und auf einen Kontrollbesuch im Jahr 2011 hingewiesen. Damals sei festgestellt worden, dass die meisten der Pferde zu fett und überfüttert seien. MAST ist der Ansicht, dass hier der Grund für die Stoffwechselerkrankung zu suchen sei.

Erst kürzlich hatte eine andere Studie eine Häufung von Krebserkrankungen in der westisländischen Stadt Akranes mit der Umweltverschmutzung durch das Schwerindustriegebiet in Grundartangi in Verbindung gebracht. Dort befindet sich auch das Aluminiumwerk.

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