Reykjavík
12°C
SE

Der White Spotting Prinz

Nachrichten

Der White Spotting Prinz

Ellert frá Baldurshagi, die einzige bekannte White Spotting Variante W21. Photo: Dagmar Trodler

Die bunte Welt der Islandpferde hat eine neue aussergewöhnliche Farbe. Wie das Bændablaðið berichtete, grast auf Islands Weiden ein Pferd mit bräunlich-weiss “marmorierter” Scheckung, die so noch niemand gesehen hat.

Ellert frá Baldurshagi ist ein Sohn des Sær frá Bakkakoti aus der Kengála frá Búlandi, beides einfarbige Pferde. Der Vierjährige ist in seiner Grundfarbe weiss, und es wirkt als habe jemand Rötelpulver über sein Fell gestäubt. Die Mähne ist schwarz, der Schweif grauweiss, sein Gesicht reinweiss, und die von schwarzem Lidstrich umrandeten Augen halb blau, halb braun. Das ganze Pferd sieht aus wie ein Wesen aus 1001 Nacht. Doch kein Zauber ist verantwortlich für sein aussergewöhnliches Makeup, sondern die Mutation in einem Farbgen.

Ein Forscherteam aus der Schweiz und aus Deutschland hatte bereits im Jahr 2015 eine entsprechende Untersuchung zu Ellerts DNA vorgelegt. Reese, Rieder et.al. klassifizierten die neue Farbvariante als Dominate Weissmutation. Das betroffene Gen liegt auf dem KIT-Platz, wo sich auch die Gene für den Roan-Faktor und die Scheckgene befinden.

Insgesamt gibt es derzeit 22 definierte KIT Gene in der Pferdewelt, alle sind sie verantwortlich für eine verringerte Anzahl an farbgebenden Melanozyten und sorgen damit im Pferdefell für eine Palette von weissen bis weissgescheckten Farben.

Ellert frá Baldurshagis Dominante Weissmutation kommt soweit bekannt ist, nur einmal vor. Sie wird den 20 bekannten White Spotting KIT Varianten (W1-W20) zugerechnet und erhielt die Bezeichnung W21. Bislang gibt es keinen Namen für Ellerts Farbe. In Island behilft man sich mit dem Wort "yrjuskjóttur".

Vor allem Ellerts Augen sind ungewöhnlich, halb blau, halb braun. Foto: Dagmar Trodler

Henriette Smit-Arriens hatte vor vier Jahren eine Haarprobe des Fohlens zur Analyse an die Forscher geschickt. Die Expertin für Pferdefarben weist darauf hin, dass solche Mutationen, die bei der Verschmelzung von Eizelle und Samen passieren, sehr selten vorkommen. Als Beispiel seien die Champagnerfarbe, die sogenannte Windfarbe beim Shetlandpony (die keine ist), und zwei Helmscheckungen in den USA genannt.

Eine ganz ähnliche Mutation hat sie in Deutschland gefunden. Die im Jahr 2003 geborene Stute Þokkadís erinnert an einen Tigerschecken, hat aber andere Stichelhaare und ein blaues Auge. Ihre KIT-Farbmutation trägt die Bezeichnung W8. Die Mutation gab sie in unterschiedlicher Form an ihre Nachkommen weiter. Smit-Arriens würde Ellerts Farbvariante vom Aussehen her zwischen Þokkadís und ihren Fohlen ansiedeln.

Aber beide Pferde - Ellert wie Þokkadís - sind in ihren jeweiligen Varianten eben einzigartig.

Die Genetikerin Dr. Freyja Imsland sagte dem Bændablaðið gegenüber, Farbvielfalt sei eins der Kennzeichen des Islandpferdes.

“Das Schöne wie das Komplizierte an so einer Entdeckung ist, dass man nicht sagen kann, wie fest diese neue Farbe verankert ist, wenn man nur auf ein einziges Pferd schaut. […] Der einzige Weg, das herauszufinden, ist, sich anzuschauen was es für Nachkommen hinterlässt.[...]”, bremst Freyja Imsland die Erwartungen von Farbenthusiasten.

Bislang sind Ellert noch keine Stuten zugeführt worden, man weiss daher nicht, ob er W21 an seine Nachkommen weitergibt. Es bleibt also spannend. Der Vierjährige wird derzeit von Rosa Birna Þorvaldsdóttir angeritten und zeigt sich vielversprechend. “Es ist nicht nur diese Farbe,” schwärmt die Trainerin, ”er ist einfach ein tolles Pferd, so unglaublich lieb und freundlich, und mit schönen Gängen ausgestattet.” Davon sollen sich demnächst die Zuchtrichter überzeugen können.

In der Nachbarbox zu Ellert steht übrigens das lebende Beispiel dafür, dass Braunfalbin Kengála Farbe hinterlässt: Ellerts Halbbruder Artur (V: Ársæll frá Hemlu) ist hellfalbfarben, sein Fell erinnert an ganz hellen Milchkaffee, die Mähne ist rötlich, die Nüstern bräunlich, die Augen bernsteinbraun. Auch er wirkt wie ein verzauberter Prinz aus 1001 Nacht, leichtfüssig, elegant und betörend schön.

Obwohl seine Farbe ungewöhnlich scheint, ist sie keine Mutation, und Artur hat Fohlen in allen möglichen Farben (ausser seiner eigenen) hinterlassen.

Artur frá Baldurshagi ist bereits vorgestellt und hat auch schon Nachkommen. Foto: Dagmar Trodler

More news

Booking.com

Please consider supporting Iceland Review

IR Online

€3

Support

per month
IR Online

€5

Support

per month
IR Online

€10

Support

per month
IR Magazine

€55

For 6 Issues

per year

DIE IN DIESER RUBRIK VERÖFFENTLICHTEN BEITRÄGE GEBEN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG DER REDAKTION ODER DES HERAUSGEBERS WIEDER.