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Hotelbau gegen Wohnungsbau - eine Kontroverse in Kópavogur

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Hotelbau gegen Wohnungsbau - eine Kontroverse in Kópavogur

Kársnes in Kópavogur.

Photo: map.is

Zwei neue Hotels sollen auf einem aufgefüllten Gelände im Reykjavíker Ortsteil Kársnes entstehen. Der Architekt, der den Ideenwettbewerb für den Aufbau des Geländes gewonnen hatte und Pläne für Wohnungen eingereicht hatte, findet, dass den Hauptstadtbewohnern hier übel mitgepielt wird, wenn die besten Grundstücke ausländischen Hotelgästen geopfert werden, die sich tagsüber nur selten in ihren Zimmern aufhalten, um die Aussicht zu geniessen, berichtet RÚV.

Die Stadtverwaltung bezeichnete seinen Entwurf hingegen als unrealistisch im Bezug auf die Anzahl der Wohnungen.

Das Gebiet der Geländeauffüllun in Kársnes war bis dato nur wenig genutzt worden. Der nordische Ministerrat hatte einen Ideenwettbewerb zum Thema nachhaltige Wohnsiedlungen in allen nordischen Ländern initiiert. In Island ging es bei dem Wettbewerb um die Ausgestaltung des Kársnes-Geländes, 20 Entwürfe waren dazu ingereicht worden.

Der Siegerentwurf der beiden Landschaftsarchitekten Dagný Bjarnadóttir und Anders Egebjerg Terp und des Architekten Gunnlaugur Johnson sah unter anderem vor, ein Naturkundemuseum, Kanäle und eine Brücke für Fussgänger und Radfahrer über den kleinen Fjord Fossvogur anzulegen. Auch ein Freibad in der Mitte der Siedlung war Teil des Entwurfes. Die Architekten halten es für wichtig, das Gelände als Ganzes zu betrachten, das passe jedoch nicht zu den Vorhaben der Stadt.

“Die Stadtverwaltung in Kópavogur hat das Gelände nun in Einzelgrundstücke zerteilt. Das Gebiet für Wohnungen ist verhältnismäsig klein, ein sogenanntes Entwicklungsgebiet, dann haben sie vergleichsweise grosse Grundstücke für Hotelbauten ausgewiesen. Wir finden, dass den Stadtbewohnern hier übel mitgespielt wird, wenn die besten Grundstücke für ausländische Hotelgäste geopfert werden, die tagsüber meistens nicht da sind und die Aussicht ohnehin nicht geniessen,” kritisiert Gunnlaugur.

Die Stadt ist an der Ausarbeitung des Siegerentwurfes beteiligt. “In diesem Wettbewerb ging es um Innovation und Vernetzung hier in Kársnes. Aber im vorgelegten Entwurf waren 2000 Wohnungen vorgesehen und alle fanden, dass es ausreicht wenn wir 550 Wohnungen im Flächennutzungsplan ausschreiben. Das ist also nie realistisch gewesen, eine solche Zahl an Wohnungen dort zu haben,” hält Ármann Kr. Ólafsson, der Bürgermeister von Kópavogur dagegen.

Die Fluggesellschaft WOW air hat eins der Grundstücke am Meer für einen Hotelbau zugeteilt bekommen. “Dann gibt es Ideen für ein sogenanntes Spa Hotel, und so ein Hotel braucht freies Gelände. Offenes Gelände um das Hotel herum mit öffentlichen Flächen im Anschluss.” erklärt Ármann.

Im Architektenplan sollen neben dem Hotel aber Wohnungen am Meer entstehen, dazwischen Kanäle, die Regenwasser sammeln. Das Wohngebiet soll wie ein kleiner Hafen wirken, wo Arbeitsplatz und Wohnung beieinander liegen, berichtet RÚV.

Im Flächennutzungsplan der Stadt ist eine Brücke enthalten, nicht jedoch das Freibad. Die Brücke soll auch für Busse befahrbar sein und wird einspurig gestaltet. Das geplante Naturkundemuseum steht in den Sternen. “Da muss ich nun eigentlich auf das Land verweisen. Das ist eine Idee, die der Architekt hatte, und mit der wir nicht viel zu tun haben,” findet Ármann.

Auch bei den Einwohnern von Kársnes gibt es geteilte Ansichten über die Ausgestaltung des neuen Viertels. “Die reden immer um Ortsverdichtung, aber man hat das Gefühl, es geht eher um Geldverdichtung, weil die Unternehmer da das Sagen zu haben scheinen und ständig irgendwas verändern oder hinzufügen.” sagt Héðinn, ein Bürger von Kársnes, der sich von den Plänen ausgeschlossen fühlt.

Auch der wachsende Verkehr bereitete den Bürgern Sorge. “Auf der Informationsveranstaltung hat es gehiessen, dass der Verkehr von 6000 auf 16.000 Fahrzeuge ansteigen würde. Das ist unglaublich viel Verkehr hier. ” findet er.

Bürgermeister Ármann verspricht jedoch Verkehrsleitsysteme aller Art, damit die Hauptstrasse den Verkehr bewältigen kann. Mit dem neuen Viertel sinke die Belastung durch den Berufsverkehr, ausserdem seien dort ein Kindergarten und andere Dienstleistungen geplant.

Der Ortsleiter der Sozialdemokraten in Kópavogur, Pétur Hrafn Sigurðsson, kritisierte, dass der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs in der Umsetzungsphase einfach nicht verwendet wird. Statt dessen gebe es Flickwerk und ein weiteres Hotel werde an Stelle von Wohnungen errichtet.

Nach Aussage der drei Architekten sind in drei von sechs nordischen Ländern, die am Ideenwettbewerb teilgenommen hatten, die Siegerentwürfe nicht plangemäss umgesetzt worden. In der kommenden Woche will der Vorstand von Wettbewerbsausrichter Nordic Built nach Island kommen, um im Rahnmen einer Konferenz den Stand der Dinge prüfen. “Das wird interessant zu erfahren, was die Isländer in der Sache vorzuweisen haben,” hofft Architekt Gunnlaugur Johnson.

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