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Die Vulkanwolke, die zurückkehrte

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Die Vulkanwolke, die zurückkehrte

Photo: Páll Stefánsson.

Die Schwefelgaswolke aus dem Vulkanausbruch in der Holuhraun ist nach Island zurückgekehrt, nachdem sie über Europa und teilweise auch weiter gezogen war. Die Auswirkungen dieser Wolke auf die menschliche Gesundheit muss unbedingt näher untersucht werden, sagt Evgenía Ilyinskaya, Vulkanforscherin der Universität Leeds in Grossbritannien, die in Zusammenarbeit mit der Vulkanabteilung des isländischen Wetterdienstes und der Umweltagentur die "Reisen" der vulkanischen Wolke erforscht hat.

Der Vulkanausbruch in der Holuhraun begann im August 2014. Ihm folgte ein hoher Ausstoss von Schwefeldioxyd und anderen gefährlichen Gasen und Aerosolen, die sich im ganzen Land verteilten. Damals hatte der Wetterdienst regelmässig Warnmeldungen wegen der Gaswolke veröffentlicht. Im Februar 2015 verebbte der Vulkanausbruch.

“Wir kamen dahinter, dass sich diese Wolke auf unvorhergesehen Weise bewegte. Die erste Wolke kam direkt aus der Spalte, und dann kam sie manchmal zurück, nachdem sie nach Europa getragen wurde. Sie drehte und kam wieder nach Island. Und diese Verschmutzung, mit der hat niemand gerechnet, und die wurde auch nicht vorhergesagt,” erklärt Evgenía RÚV gegenüber.

Die Wolke soll also eine Rundfahrt durch Europa unternommen haben und dann wieder nach Island zurückgekommen sein? “Ja,” sagt Evgenía, “manchmal wehte sie nach Europa, manchmal nach Grönland, jenachdem, wie der Wind stand, und nach einigen Tagen kam sie dann zurück nach Island,”

Dafür hatte es vom Wetterdienst dann aber keine Warnmeldungen gegeben. Es hatte zum Beispiel in Reykjavík drei Wochen lang eine Luftverschmutzung gegeben, während die Vorhersage eine gute Luftqualität ansagte. Evgenía sagt, es sei unklar, wie sich diese alte Nebelwolke auf die menschliche Gesundheit auswirkt.

“Wir wissen das nicht, aber wir schauen uns derzeit zusammen mit der Universität die Daten an,” sagt die Forscherin.

Ihre vorläufigen Ergebnisse sind in der Zeitschrift Earth and Planetary Science Letters veröffentlicht.

Grosse Spaltenausbrüche wie die der Holuhraun (grösser als 1 qkm) gehören zu den für die Umwelt gefährlichsten vulkanischen Szenarien, weil sie ungeheure Mengen an Gas-Aerosol-Gemischen in die Umwelt abgeben. Dies kann Luftqualität, Flora und Fauna auf dem Land und im Meer, sowie das Klima beeinflussen, heisst es in dem Artikel.

Der Ausbruch in der Holuhraun, welche zum Vulkansystem des Vulkans Bárðarbunga unter der Eiskappe des Vatnajökull gehört, war der zweitgrösste seit dem Ausbruch der Lakispalte im Jahr 1783/84. Der Lakiausbruch führte durch Vergiftung und Klimaveränderung zu einer Hungerkatastrophe nicht nur in Island, sondern in ganz Europa.

Holuhraun setzte zwischen 11 und 19 Terragramm Schwefeldioxid frei, das ist 1,5 bis zweimal soviel wie die die Zivilisation der Europäischen Union im Jahr 2011 freisetzte. Tägliche Schwefeldioxidemissionen lagen bei durchschnittlich 60 Kilotonnen und überschritten damit die Emissionen von anderen Vulkanen mit langen Ausbrüchen wie Kilauea in Hawaii oder Ätna in Italien.

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