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Unbeschriebene Blätter - Gedanken eines Pferdemannes

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Unbeschriebene Blätter - Gedanken eines Pferdemannes

Ein vierjähriges Zehner-Pferd auf der Zuchtbahn.Photo: Dagmar Trodler.

Der folgende Text von Einar Hjaltason wurde vor kurzem u.a. auf Hestafréttir und im Bændablaðið veröffentlicht.

"Gedanken eines Pferdemannes.

Nun haben überall im Land die Zuchtvorstellungen stattgefunden und viele tolle Pferde ein Urteil über Reiteigenschaften und Gebäude erhalten. Von Jahr zu Jahr läuft es schneller in der Zucht, und viele Talente treten jedes Jahr auf. Dahinter steckt viel Aufwand und Arbeit für die Züchter, die mit ihren Stuten jedes Frühjahr quer durchs Land fahren, um sie von den Hengsten decken zu lassen, die ihre Begeisterung geweckt und Hoffnung gemacht haben.

In sehr seltenen Fällen trägt das Früchte und ein Stern wird geboren, der die Herzen jener erfreut, die sich gerne einen gewandten und gangstarken isländischen Gæðingur anschauen. Dann ist das Ziel erreicht und der stolze Züchter ist König der Stunde. Und die Erinnerung um all die Schwierigkeiten wird einem lieb.

Ich bin einer von denen, die Zuchtprüfungen seit Jahrzehnetn mitverfolgen. Das ein oder andere bei diesen Vorgängen hat mich in dieser Zeit gestört. Wie etwa, dass alle Informationen über die Abstammung des Pferdes, über seinen Besitzer und ältere Zuchturteile vorliegen und für den Richter am Tag der Prüfung sichtbar sind.

Ich hätte gerne die Änderung erlebt, dass wenn ein Pferd zur Prüfung kommt, es sozusagen “unbekannt” vor dem Richter erscheint.

Wenn ich das mal näher ausführe, so sollten keine Informationen über das Pferd vorliegen, weder zu seiner Abstammung, noch über frühere Noten oder zu den Besitzern. Das würde sichern, dass das Pferd eine neutrales und gerechteres Ergebnis erhält

Ich habe beobachtet, dass Pferde, die zur Zuchtprüfung erscheinen, die meisten Noten wie in vorangegangenen Urteilen erhalten. Da wird dann die bequeme “copy paste” Methode benutzt, die nicht das ist, was man sich wünscht.

Vielmehr bittet man die Richter darum, das zu richten, was sie sehen, wenn ein Pferd am “Gerichtstag” erscheint. Jedoch nicht das, was mal jemand anderes in den Jahren zuvor gesehen hat.

Es sollte von Züchtern verlangt werden, dass die Richter ihrem Amt gewachsen sind und nach ihrer eigenen Überzeugung und ihrem Wissen richten, welches vorhanden sein sollte. Fachkenntnis muss da im Vordergrund stehen. Ein Richter muss das richten, was er sieht, wenn das Pferd in der Gebäudeprüfung aufgestellt wird, und wenn das Pferd in der Bahn vor dem Richter läuft. Auch da wird gerne die bequeme Methode benutzt, alte Urteile als Vorbild zu nehmen, die irgendwann mal jemand möglicherweise vor einigen Jahren gerichtet hat.

Ich habe so langsam das Gefühl, dass es eine Rolle spielt, wer der Besitzer ist und von wem das Pferd abstammt.

Daher halte ich es für wichtig, dass das Pferd, welches vor dem Richter erscheint, keine Vorgeschichte hat, die der Richter nachschauen und benutzen kann. Vielmehr sollten die Züchter verlangen, dass alle am gleichen Tisch sitzen, was das betrifft, und die Leute jedesmal nach ihrer eigenen Überzeugung richten, und zwar den Moment, den sie sehen, ohne einer Art Arbeitsvorschrift zu folgen.

Es wäre auch ein denkbarer Vorteil, wenn die Bauernverbände Mitarbeiter dafür bezahlen, Pferde in der Gebäudeprüfung aufzustellen. Das hat bislang stets in der Hand der Besitzer gelegen und könnte als Teil der Bezahlung durch den Pferdebesitzer ausgelegt werden.

Ein derartiges Vorgehen [d.h. unabhängige Mitarbeiter] würde den Interessenskonflikt verhindern, der sich bei der Vorstellung des Pferdes einstellen kann.

Der Unterzeichnende möchte mit diesem Brief niemanden der Befangenheit bezichtigen. Aber um genau das zu verhindern, sollten die Leute bei den Ergebnissen frei von äusserlichen Einflüssen sein. Ich denke, wenn nach einer Arbeitsweise wie dieser vorgegangen würde, wäre die Gefahr geringer.

Die Leute haben natürlich unterschiedliche Ansichten zu dieser Sache. Aber Neutralität sollte eine Rolle spielen, wenn es bei den Betroffenen um soviel wirtschaftliches Interesse geht.

Richter haben an guten Tagen und wenn die Stimmung gut war, auch schon mal Noten von bis zu 10,0 für bestimmte Eigenschaften des Pferdes verteilt.

Eine 10,0 für eine Eigenschaft zu vergeben bedeutet für mich eine vollkommene Leistung von Pferd und Reiter in den Gangarten.

Da frag ich mal. Wann ist etwas vollkommen? All das ist der subjektive Eindruck all dieser Leute, die das anschauen.

Ich hätte gerne gesehen, dass wir die Notenskala verändern und kleinere Schritte vergeben (9,6/ 9,7 oder 9,9). Man kann das auch einfacher halten und die Skala mit zwei Noten bedienen, die man nur diesen Spitzenpferden gibt, dann wäre es erstrebenswert, ein Pferd in diese Notenskala zu bringen.

Und man könnte gleichzeitig die 10,0 sparen und sie nur in Ausnahmefällen vergeben, da wo es sich wirklich um einzigartige Spitzenpferde handelt. (auch wenn ich der Ansicht bin, dass man die 10,0 überhaupt nicht vergeben sollte) Indem man die Notenskala nach der 9,5 ausweitet, schafft man sich mehr Raum für Spitzenpferde.

Natürlich sind und werden Noten in der Zuchtprüfung immer subjektiv sein, und auch Stimmung, Wetter und Bahnbeschaffenheit am Prüfungstag können die Endergebnisse der Richter beeinflussen. Der Autor des Textes hat jahrzehntelang in kleinem Rahmen in Gottorp im Vestur-Húnavatnssýsla Pferde gezüchtet

Hochachtungsvoll, Einar Hjaltason"

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