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Erreger der Pferdeseuche identifiziert

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Erreger der Pferdeseuche identifiziert

Nasenausfluss bei einem an Pferdeseuche erkrankten Pferd im Sommer 2010. Photo: Dagmar Trodler

Wissenschaftlern ist es gelungen, die Ursache der mysteriösen Pferdeseuche zu finden, welche im Jahr 2010 beinahe den gesamten Pferdebestand in Island befallen hatte. Die Pferde zeigten grippeähnliche Symptome, sie husteten, hatten grünlichgelben Nasenausfluss und waren schlapp. Gängige Antibiotika zeigten nur wenig Wirkung.

Die Krankheit verbreitete sich damals rasend schnell unter den 77.000 Pferden der Insel und verursachte einen grossen wirtschaftlichen Schaden. Der nationale Pferdeverkauf wie der Export ins Ausland kamen zum Erliegen. Das Landsmót, die alljährliche Zuchtschau des Islandpferdes, musste abgesagt werden, nicht nur aus Sicherheitsgründen sondern auch, weil viele Sportpferde erkrankt waren.

Island ist durch den seit 1882 gültigen Importbann frei von allen grossen Pferdeinfektionen. Das Islandpferd hat sich in den beinahe 1000 Jahren der Besiedelung an das nahezu krankheitsfreie Umfeld adaptiert und ist daher sehr empfindlich für neue Bakterien oder Viren, die die Insel erreichen. Daher gelten für Island strikte Importverbote.

Im Jahr 2010 gelang es einem Krankheitserreger, auf die Insel zu gelangen, und er verbreitete sich unter den quasi schutzlosen Pferden wie der Wind.

In infizierten Tieren konnte das Bakterium Streptococcus equi subsp. zooepidemicus (S. zooepidemicus) identifiziert werden. Eine Erbgutentschlüsselung förderte nun die Unterart ST209 zutage, die nicht nur in einem erkrankten Pferd in Schweden sondern auch als Zoonose auftrat, sie wurde nämlich bei einer Pferdetrainerin gefunden, die an einer Septikämie (generalisierte bakterielle Infektion) litt. Dieser Fund warf ein Licht auf die hohe Infektiösität des Erregers.

Dr. Sigríður Björnsdóttir von der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde konnte durch Probenentnahmen und Befragung von Besitzern infizierter Pferde die Spuren des Erregers zurückverfolgen:

Ganz offensichtlich war der Krankheitserreger in den Aquatrainer eines Pferde-Rehazentrums gelangt, wo er aufgrund der warmen Wassertemperatur und der hohen Benutzerfluktuation ideale Bedingungen vorfand. Die Pferde wurden nach dem Rehaaufenthalt abgeholt und sorgten dafür, dass sich der Erreger über fast das ganze Land verbreitete. Eine Karte der Verbreitungswege findet sich im link.

Die Studie demonstriert zum ersten Mal, wie durch die Erbgutentschlüsselung eines Erregers eine epidemisch auftretende Krankheit identifiziert werden kann. Sie liefert den exakten Erreger und bringt ihn in Verbindung mit einer zoonotischen Infektion beim Menschen.

Sie betont die Wichtigkeit von nationaler Biosicherheit, um sensible Tierbestände zu schützen und zeigt auf, dass ein solcher Erreger auf andere Tiere und sogar den Menschen übertragen werden kann.

"Es gibt eine Reihe von Theorien, wie der Erreger Island erreicht haben könnte. Das Pathogen kann ausserhalb eines Pferdes etwa eine Woche überleben, das heisst, der Import von verseuchter Ausrüstung oder Kleidung könnte die Krankheit zu den Pferden nach Island gebracht haben," erklärt Dr. Andrew Waller, der Chef der Bakteriologischen Abteilung beim Animal Health Trust, der die Studie mitbetreut hatte.

"Aber diese spezielle Unterart kann auch in einem Menschen nach Island gekommen sein, bevor sie auf das Pferd übersprang und sich dann im ganzen Land verbreitete. [...] Diese besondere Unterart konnte Artenschwellen überwinden, zwischen Tieren, aber auch zum Menschen. Wir hoffen, dass der Hintergrund dieser Epidemie Aufmerksamkeit dafür weckt und die Leute ermuntert, die Kontrollmassnahmen für den weltweiten Seuchenschutz zu verbessern."

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