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Kein Geschäft mehr im Borgarfjörður eystra

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Kein Geschäft mehr im Borgarfjörður eystra

Borgarfjörður eystri.

Nicht mehr viel übrig im Borgarfjörður eystra. Photo: Páll Stefánsson.

Im Borgarfjörður eystra in Nordostisland wird es ab dem 1. September keinen Laden mehr geben. Das bestehene einzige Lebensmittelgeschäft schliesst dann seine Türen.

Betreiber Arngrímur Viðar Ásgeirsson sagt, er könne den Laden nicht weiter als Verlustgeschäft betreiben, berichtet mbl.is.

Die Bewohner des Ortes sehen die Schliessung als grossen Verlust für die Gemeinschaft, weil es 70 Kilometer bis zum nächsten Geschäft sind. Im Borgarfjörður eystri leben etwa 80 Einwohner dauerhaft, im Sommer kommen Urlauber und Sommerhäusler hinzu.

Die Schliessung des Geschäftes war in der vergangenen Woche auf Facebook bekanntgegeben worden. In einem Gespräch mit mbl.is sagte Arngrímur, es sei nicht möglich, jedes Jahr ein Verlustgeschäft einzufahren, dazu hätten die Voraussetzungen sich noch weiter verschlechtert.

“Es gibt gute Dienstleistungen in Egilsstaðir, und einen harten Wettbewerb der Supermärkte, da ist der Borgarfjörður keine Ausnahme. Es ist normal, dass die Leute dort einkaufen, wo sie den besten Preis uhnd das beste Angebot bekommen,” erklärte er. Das gleiche passiere ja in der Hauptstadt auch.

Er sieht die Lage auch als Folge der gesellschaftlichen Entwicklung, durch Landflucht und zerbesserten Zugang zu Geschäften.

Der Laden war zuvor von Samkaup betrieben worden, vor zwei Jahren hatte Arngrímur das Geschäft übernommen, doch sei es schwierig gewesen, die Schichten zu besetzen. Der Versuch sei nicht geglückt, sagt er.

“Man geht nun nicht mehr einfach in den Laden, um Milch zu kaufen,” sagt Bergvin Snær Andrésson, ein Bewohner des Ortes. Oft sei die Strasse nach Egilsstaðir schlecht befahrbar, immer wieder hätten die Einheimischen sich über die Schotterpiste beklagt, die über den Vatnsskarð und durch die Fjorde führt. Im Winter gebe es dort oft tiefen Schnee, oder man könne überhaupt nicht fahren.

“Die Leute fahren nach Egilsstaðir zum Einkaufen, aber viele von uns sind der Ansicht, dass wir hier zuhause einkaufen wollen, um das zu behalten. Das ist nun leider nicht mehr länger möglich.” bedauert Bergvin. Er selbst ist Seemann und hat seine Verpflegung für die Seefahrt immer im örtlichen Laden besorgt. “Man kauft sein Essen normalerweise einen Tag vorher oder am selben Tag ein, das ist nun wirklich ärgerlich, dass man dafür den ganzen Weg nach Egilsstaðir fahren muss.”

Der Laden, so findet er, ist eine notwendige Einrichtung für die Leute der Gemeinde. Sein Vater sei Landwirt und fahre nur einmal die Woche zum Einkaufen, wenn der für Milch und Brot nun auch nach Egilsstaðir fahren muss, werde das ganz schön teuer.

Auch seien im Sommer viele Touristen in der Region unterwegs, für die sei es schwierig, dort kein Geschäft vorzufinden. “Schrecklich für die, hierher zu kommen und nichts ist geöffnet,” sagt Bergvin.

Arngrímur hofft, dass sich Lösungen finden. Er weist darauf hin, dass die Leute mal darüber nachdenken müssten, unter welchen Voraussetzungen Geschäfte betrieben würden und ob es sich um notwendige Dienstleistungen handle. Immerhin gebe es tägliche Busverbindungen nach Egilsstaðir und viele würden dort ohnehin zum Einkaufen hinfahren.

Auch die Gemeinde sei jetzt gefordert. “Wir haben keinen Gesundheitsdienst hier und müssen auch zum Arzt nach Egilsstaðir. Dann wurde der Postdienst eingeschränkt, es gibt kein Postamt mehr hier. Eigentlich gibt es hier nur noch eine Bank,” sagt Arngrímur.

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