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Müllmanagement im Fokus

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Müllmanagement im Fokus

Autum colors, Snæfellsjökull

Photo: Bjørn Pretzel.

Island ist auf unterschiedliche Art und Weise als “grünes Land” bekannt, doch hat es in Umweltfragen durchaus auch seine dunklen Seiten. Der konsumorientierte Lebensstil des Landes schafft einen erstaunlich hohen Kohlendioxidausstoss. In Sachen Erdwärme leistet Island sehr gute Arbeit, doch Import und Export sorgen unglücklicherweise für eine enorme Kohlendioxidspur.

Island ist tatsächlich eine der führenden Nationen, wenn es um den Ausstoss von Treibhausgasen geht, genauer gesagt entlässt es den vierthöchsten Gehalt an Treibhausgasen weltweit in die Atmosphäre. Es ist also nicht alles Glanz und Gloria, auch wenn die Isländer in den vergangenen Jahren immer mehr recyceln, und die Regierung die Möglichkeiten zur Deponierung von Haushaltsmüll beschränkte.

Jukka Heinonen, Professor für Umwelttechnologie an der Universität Islands, warnte in einer kürzlich erschienenen Studie vor den Umwelteinflüssen durch das Konsumverhalten im Land. In der Studie warnt er vor den globalen Auswirkungen welche der tägliche Konsum in Island hat. “Island ist ein reiches Land, wo Wert auf Konsum gelegt wird. Alles wird importiert, und es hat sich herausgestellt, dass Isländer durch ihre Konsumgewohnheiten einen grossen Einfluss auf den gesamten Globus haben. Das Land stösst im Vergleich zu anderen Ländern in der Welt eine grosse Menge an Treibhausgasen aus.” Mit seinem Gehalt an Treibhausgasen liegt Island an vierter Stelle hinter Luxembourg, den Vereinigten Staaten und Singapur. Jukka predigt die vermehrte Nutzung von lokal produzierten Waren, das dies ein sicherer Weg sei, den Ausstoss von Treibhausgasen zu vermindern.

In einer kürzlich erschienenen Studie der isländischen Umweltagentur war zu lesen, dass Isländer jedes Jahr riesige Mengen an Lebensmittel wegwerfen. Im Jahr 2016 hat jeder Einwohner des Landes 23 Kilogramm noch taugliche Lebensmittel weggeworfen. Ausserdem hat er 39 Kilo verdorbene Lebensmittel, 22 Kilogramm Öle und Fette aus der Küche und 199 Kilogramm Getränke in den Müllcontainer gesteckt.

Die Zahlen sind denen in anderen europäischen Ländern vergleichbar, ausser dass Isländer weitaus mehr Getränke wegschütten, in anderen Ländern liegt diese Zahl bei nur 15 Kilogramm pro Person und Jahr.

Restaurants in Island werfen jährlich 40.000 Tonnen Lebensmittel in den Müll.

Viele Bürger verlangen inzwischen ein Überdenken der Gesetze zum Lebensmittelmüll, manche wollen sogar ein totales Verbot der Praktik.

Das Recycling ist in den vergangenen Jahren immer ernster genommen worden, dennoch liegt die Nation auch hier weit hinter ihren europäischen Nachbarn zurück. In vielen Gegenden bleibt der Müll unsortiert, immerhin gibt es immer mehr Mülltonnen und Container für sortierten Müll. Jeder der 74 Gemeinden des Landes ist selbst verantwortlich für ihre Müllpolitik.

Noch im vergangenen Jahr war kritisiert worden, dass es keine Aufsicht über die Müllverwertung gibt. Schlechte Nachrichten auch für brave Müllsortierer und Leute, die ihre persönliche Kohlendioxidspur klein halten wollen: Papier und Plastik werden zum Recycling exportiert. Papier wird in jeder Form nach Holland gebracht, wo es sortiert und dann für weiteres Recycling erneut transportiert wird.

Plastik werden nach Schweden verschifft, wo es sortiert und weiter transportiert wird. Metalle werden in Island sortiert und dann exportiert. Glas wird derzeit in Deponien entsorgt, da ein Export des Rohstoffs zu teuer ist. Die Errichtung von Recyclingfabriken im Land ist als Idee genannt worden, um die Auswirkungen des Landes auf die Umwelt zu reduzieren.

Island hat in manchen Bereichen des Müllmanagements durchaus positive Schritte getan, sowohl was die Wiederverwertung als auch die Reduzierung der Deponien angeht. Das Recyceln und Kompostieren ist zwischen den Jahren 1995 bis 2008 von 13 Prozent auf 61 Prozent gestiegen. Ein ziemlicher Sprung in kurzer Zeit, zumal Isländer das Thema zunehmend ernster nehmen.

Deponien sind lange Jahre der Hauptweg gewesen, sich des Konsummülls zu entledigen, doch ist die Anzahl der Deponien in den vergangenen 13 Jahren drastisch gesunken: in den Jahren von 1995 bis 2008 von 80 Prozent auf 36 Prozent.

Die isländische Bevölkerung verlangt immer lauter nach einem verbesserten Müllmanagement und global gesehen nach einer geringeren Kohlendioxidspur. Initiativen wie der Plastiklose September, aber auch Umweltaktionen und die Erforschung von Recyclingsmöglichkeiten sind im vergangenen Jahrzehnt entstanden.

Doch der Müllberg ist vor allem in der nahen Vergangenheit extrem gewachsen: zwischen 1995 und 2007 gab es einen Anstieg von 49 Prozent Müll (oder von 390.000 Tonnen auf 580.000 Tonnen). Von 2007 auf 2008 explodierte die Müllmenge dann von 580.000 Tonnen auf 720.000 Tonnen.

Es ist klar, dass in der nahen Zukunft drängende Müllverwertungsprobleme auf Island zukommen.

Text: Jóhann Páll Ástvaldsson, IR

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