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Nachrichtenmagazin mit schwarzer Titelseite

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Nachrichtenmagazin mit schwarzer Titelseite

Photo: Stundin/Facebook

Die Frontseite der monatlich erscheinenden Zeitung Stundin ist in der heute erschienen Ausgabe mit einem dicken Stift komplett schwarz durchgestrichen. Das Magazin reagiert damit offenbar auf die einstweilige Verfügung, die vor einigen Tagen eingegangen war und jede weitere Berichterstattung über Geschäfte mit der Bank Glitnir vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch gestoppt hatte, berichtet die Nachrichtenredaktion der nationalen Sendeanstalt RÚV.

Glitnir hatte am Montag eine solche einstweilige Verfügung beim Bezirksamtmann in Reykjavík bewilligt bekommen. Sie bezieht sich auf die Medien Stundin, sowie Reykjavík Media und die britische Tageszeitung The Guardian. Die Daten aus den Artikeln über die Vorkrisengeschäfte stammten von der Bank selbst. Die drei Nachrichtenmagazine hatten im vergangenen Jahr auch die Verwicklungen von Politikern in die Panama Papers veröffentlicht und mit zum Sturz der Regierung beigetragen.

Wie aus der Chefredaktion von Stundin verlautete, ist die Schwarzfärbung der Titelseite ein Zeichen des Protestes gegen die Entscheidung des Staates, eine weitere Berichterstattung per einstweiliger Verfügung zu verhindern.

Die beiden Medien hatten in der Vergangenheit insbesondere über die Geschäfte von Bjarni Benediktsson, einem damaligen Parlamentsabgeordneten und heutigem Premierminister, sowie mit ihm verbundenen Personen vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch im Jahr 2008 berichtet.

Unter anderem ging es in den Artikeln von Stundin und Reykjavík Media darum, dass Bjarni Benediktsson nur wenige Tage vor dem Zusammenbruch eine Summe von 50 Millionen Kronen aus seinem Aktienkonto bei Glitnir abgehoben hat. Bjarnis Vater Benedikt Sveinsson bezahlte Bjarnis Millionenschulden aus schiefgelaufenen Hedge Fonds Unternehmungen.

Insgesamt musste Benedikt dafür sein Konto monatlich mit 106 Millionen Kronen überziehen.

Des weiteren berichtete das Blatt darüber, dass Bjarni am 1. Februar 2008 einen Gefälligkeitskredit von 50 Millionen Kronen an ein Unternehmen im Besitz seines Vaters überschrieb. Das Unternehmen ging in der grossen Krise in Konkurs. Der Kredit war im Jahr 2006 aufgenommen worden, um die Mineralölgesellschaft Esso zu kaufen. Der Konkursverwalter von Glitnir konnte über das Geschäft jedoch keinerlei schriftlichen Nachweise finden.

Die Daten zu dem Artikel waren von Stundin und der britischen Tageszeitung The Guardian gefunden worden.

Stundin berichtete auch davon, dass die Übernahme der Mineralölgesellschaft fast komplett aus einem Kredit der Glitnir-Bank finanziert worden ist. Der Parlamentsabgeordnete Bjarni, sein Vater, Brüder, andere Verwandte und kooperierende Investoren erhielten zusammen einen Gefälligkeitskredit von 2,400 Millionen Kronen bei Glitnir, damit die Investmentgruppe BNT alle Aktion von Esso im Jahr 2006 aufkaufen konnte.

Das neu entstandene Unternehmen erhielt darauf den Namen N1 und ist heute die grösste Mineralölgesellschaft in Island. Bjarni Benediktsson leitete zusammen mit Hermann Guðmundsson die Investorengruppe, Hermann wurde Direktor des Unternehmens N1, Bjarni Vorstandsvorsitzender von BNT und N1.

Im Jahr 2011 wurde die BNT von Gläubigern übernommen und schuldete zu dem Zeitpunkt 50 Milliarden Kronen. Ein Jahr später meldete die BNT Konkurs an und 4,3 Milliarden Kronen Schulden wurden abgeschrieben, wie es in den Artikeln von Stundin heisst.

Die Familie von Bjarni Benediktsson hatte in den Jahren 2003 bis 2006 das grösste Aktienpaket an der Bank Glitnir gehalten, Bjarnis Onkel Einar Sveinsson hatte während der Zeit den Vorstandsposten bekleidet.

Am kommenden Samstag finden in Island vorgezogene Neuwahlen statt.

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