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Ein Grabstein für Vigga

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Ein Grabstein für Vigga

Vigdís Ingvadóttir, Vagabundin aus Südisland. Photo: Samvinnan 1956

Vigdís Ingvarsdóttir, eine Vagabundin, die zu ihrer Zeit als Vigga bekannt gewesen ist, wird 60 Jahre nach ihrem Tod einen Grabstein erhalten, berichtet das Fréttablaðið.

“Da steht nichts auf ihrem Grab, und niemals ist da was gewesen, nicht einmal ein Holzkreuz,” erklärt Jóna Sigríður Jónsdóttir, die zusammen mit sechs weiteren Frauen Vigga etwas Gutes tun möchte. Alle sechs hatten sie die Vagabundin in Kindertagen getroffen, als sie zur Schule gingen.

Vigga wurde im Jahr 1864 in Mýrdalur in Südisland geboren. Ihre Familie war bitterarm, und sie hatte aufgrund ihres Charakters eine schwierige Stellung daheim. Von Kindesbeinen an musste das Mädchen die schmutzigsten Arbeiten verrichten. Im Alter von 10 Jahren lief Vigga von zuhause weg und lebte seit der Zeit als Vagabundin. Jóna meint, sie sei dennoch glücklich gewesen.

Vigga war überall willkommen, wenn sie an die Türe klopfte. “Das einzige wonach sie fragte, war ein Stück Stoff, oder Knöpfe, mit denen sie ihre Kleider schmückte.” Ihre farbenreiche Kleidung diente auch dazu, von weitem gesehen zu werden, wenn sie die Strassen Südislands entlang wanderte.

Vigga hatte niemals Lesen und Schreiben gelernt, doch wusste sie viele Gedichte, Geschichten und Lieder. Über andere Leute getratscht habe sie hingegen niemals, sagt Jóna.

Die meiste Zeit ist Vigga im Mýrdalur unterwegs gewesen, doch erinnert man sich auch im Ostteil des Bezirks Rangávallasýssla an die Vagabundin. Die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens hat Vigga auf dem Hof Hvoli verbracht, wo das Bauernpaar ihr einen Zufluchtsort einrichtete. Von hier aus setzte sie ihre Wanderungen fort, kehrte aber immer wieder nach Hvoli zurück. In einem Zeitungsartikel als den 50ger Jahren wird die Geschichte erzählt, wie die Neunzigjährige auf einer ihrer Wanderungen zum Strand einen schlafenden Seehund erschlug und mit einem Seil den ganzen Weg nach Hvoli zog, ihm dort die Haut abzog und ihre Beute dem Bauernpaar als Geschenk darbot.

Nach dem Bericht des Fréttablaðið boten gleich zwei Unternehmen an, einen Grabstein für Vigga zu spendieren. Die Gemeinde hat eine Geldsumme zur Verfügung gestellt, und auch ein öffentliches Spendenkonto ist eingerichtet worden. Der Grabstein soll mit Hilfe der Kirchengemeinde des Skeiðflatasókn errichtet werden, denn Viggas Grab ist im dortigen Friedhof zu finden.

“Sie war trotz ihrer Armut und Einsamkeit einer der denkwürdigsten Menschen aus dem Mýrdalur, die es im letzten Jahrhundert gegeben hat,” sagt Jóna Sigríður Jónsdóttir.

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