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13. Türchen: Die Weihnachtsmänner

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13. Türchen: Die Weihnachtsmänner

Christmas is Coming

Photo: Christmas is Coming/Facebook

Ein wenig neidisch schauen wir heute auf Islands Kinder, die sich auf den zweiten der 13 Weihnachtsmänner freuen – wo wir Europäer doch nur einen haben, damit auch nur einmal was Leckeres im Schuh.

Doch die sogenannten “jólasveinar”, die 13 Tage vor Weihnachten einzeln aus den Bergen anrücken, um Kinderschuhe zu bestücken, und danach einzeln wieder abrücken (dies jedoch spurlos), waren nicht immer so spendabel und lustig, wie Kinderliteratur sie heute darstellt.

Die Tradition geht auf das 17. Jahrhundert zurück, wo auch die Eltern der Weihnachtskerle, der Riese Leppalúði und die Hexe Grýla, zum ersten Mal in einem Gedicht Erwähnung finden.

Und offenbar waren isländische Kinder zu jener Zeit ausser Rand und Band, denn Eltern nutzten nachweislich die 13 wüsten Kerle, um ihre Kinder einzuschüchtern, damit sie brav sind.

Das hat natürlich niemand aufgeschrieben, aber in der sogenannten Haushaltsverordnung (Húsagatilskipun), einem Erlass des Dänenkönigs Kristjan VI. über Erziehung, Schulbildung und Glauben aus dem Jahr 1746, steht explizit zu lesen, dass es Eltern verboten ist, Kindern mit Spukgestalten wie den jólasveinar Angst einzujagen.

Grýla behielt das Image der kinderfressenden Hexe, doch ihre 13 wilden Jungs mauserten sich mit der Zeit zu netten, stets zu Schabernack aufgelegten Spassvögeln, ganz ähnlich der Kölner Heinzelmännchen.

Im 20. Jahrhundert schliesslich gerieten sie unter den Einfluss ihrer kontinentalen “Zunftbrüder”, kleideten sich in rote Gewänder und sorgten für Leckereien in den Kinderschuhen. Selbst Anzahl und Namen waren lange umstritten, und die einzelnen Gegenden der Insel hatte ihre eigene Riege der jólasveinar. Der isländische Dichter Jóhannes úr Kötlum schliesslich widmete den Jungs in seinem Buch “Jólin koma” ein Gedicht und festigte damit im Volk die Vorstellung von 13 der wilden Knaben, sowie die einheitlichen Namen.

Die meisten jólaveinar, denen man heute so begegnet, sehen aus wie Nikoläuse, was der Kinderfreude natürlich keinen Abbruch tut. Und wie praktisch – verpasst man Giljagaur heute (der im Kuhstall den Schaum von der Milch schleckt), hat man ja noch 11 weitere Chancen auf eine Leckerei im Schuh.

Und seit gestern sind die jólasveinar nun endgültig in der Gegenwart angekommen: für alle Eltern, die sich unsicher sind, wer denn nun am Abend den Schuhservice übernehmen wird, gibt es nämlich eine App für das Smartphone, die automatisch um 15 und um 21 Uhr eine Meldung über den jólasveinn des Tages losschickt – genug Zeit, um Schokolade zu suchen.

“Ekki koma af fjöllum” lädt die App den Nutzer ein, bloss nicht aus den Bergen kommen, was soviel heisst wie 'absolut keine Ahnung haben'.

Die kostenlose App findet man hier.

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