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Isländer auf Reparaturtrip in der Antarktis

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Isländer auf Reparaturtrip in der Antarktis

Photo: Screenshot/Youtube/mbl

Zwei isländische Automechaniker haben die vergangenen Tage damit verbracht, in der Antarktis einen liegengebliebenen Jeep zu reparieren, berichtet mbl.is

Die beiden Isländer sind für das isländische Unternehmen Arctic Trucks tätig, welches Geländewagen für Extrembedingungen umrüstet. Der liegengebliebene Geländewagen gehörte zu einer Fahrzeugflotte, die in einem Tanklager für Flugbenzin eingesetzt wird. Rundflüge in der Antarktis erfreuen sich wachsender Beliebtheit, da die Entfernungen gross sind, muss unterwegs zwischengelandet und aufgetankt werden.

Doch der arktische Winter steht vor der Tür, und für die Reparaturen an dem Fahrzeug gab es nur ein Zeitfenster von wenigen Tagen.

Jóhannes Guðmundsson und Arnór Ingólfsson nahmen von Südafrika aus den letzten Flug in die Antarktis und zum 83. Breitengrad, wo das Tanklager aufgeschlagen ist. Man hatte geplant, das Fahrzeug und ein weiteres älteres zu reparieren und dann mit beiden Geländewagen die 2500 Kilometer über das antarktische Hochplateau zur Küste zurückzufahren – eine Fahrt die bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 20 bis 25 km/h vier bis fünf Tage gedauert hätte und bislang noch nicht unternommen worden ist.

Die Mechaniker stellten fest, dass sich offenbar Eis im Öltank gebildet hatte und möglicherweise im Vergaser gelandet war. In den vergangenen Tagen waren um die -47 Grad in der Region gemessen worden. Sie schlugen ein Zelt über das Fahrzeug, um kältegeschützt am Fahrzeug arbeiten zu können.

Vier Nächte zelteten Jóhannes und Arnór bei -54 Grad Kälte. In ihrem Wohnzelt bildete sich Rauhreif an der Zeltwand, und morgens lagen beide Schlafsäcke im Zelt im Schnee. Beide Isländer versichern, dass sie mit ihrer Ausrüstung nicht gefroren hätten. Dennoch sei die Kälte beängstigend gewesen. “Unter solchen Umständen will man nicht mehr als eine Nacht verbringen müssen,” meinte Arnór.

Die Reparaturaktion musste schliesslich wegen fehlender Ersatzteile abgebrochen werden. Man entschied, sämtliche Flüssigkeiten aus dem Motor abzulassen und hofft, dass die Fahrzeuge die zu erwartenden -70 Grad im antarktischen Winter überstehen.

Der Pilot des russischen Flugzeugs, welches die Mechaniker abholen sollte, traute dem Wetter nicht und wollte unterwegs abdrehen. Doch der Russe im Mechanikerteam schrie ihn über das Funkgerät an, dass sie keine weitere Nacht dort übernachten würden. Arnór sagt, das Wetter sei gut gewesen, weitaus besser als der Pilot geglaubt hätte.

Wenn das Flugzeug abgedreht hätte, wäre nicht nur eine weitere Nacht im Eis auf dem Programm gewesen, sondern auch eine Fahrt zu dritt in dem alten Geländewagen ohne Rücksitz, und ohne gültiges Visa hinüber zur 700 Kilometer entfernten US-Basis. “Das hätte dann eine kleine aussenpolitische Krise gegeben, um uns von dort weg zu bekommen,” meint Arnór.

Aber auch die Abholaktion verlief nicht ohne Dramatik. Das russische Flugzeug war nämlich nur bis zu einer Temperatur von -47 Grad einsatzbereit, genau diese Temperatur herrschte bei der Landung. Der Pilot gewährte daher nur kurze Zeit zum Einsteigen. Mit nur einem Triebwerk und der Mindestmenge an Benzin machte das Team sich auf den Weg, Ausrüstung und Ersatzteile mussten zum grossen Teil zurückbleiben, um das Flugzeug nicht zu überlasten.

“Das stand alles auf Messers Schneide,” erzählt Arnór. “Um diese Jahreszeit hängt einfach kein Mensch dort herum.”

Auch der Projektleiter bei Arctic Trucks, Guðmundur Guðjónsson, sagte im Gespräch mit mbl.is, bislang sei noch niemand um diese Jahreszeit, also bei Winteranbruch, auf der antarktischen Hochebene in irgendwelchen Unternehmungen unterwegs gewesen.

Die Kosten der misslungenen Reparaturaktion belaufen sich auf rund 30 Mio. ISK, allein der Flug auf das antarktische Hochplateau kostete 16 Mio ISK. Die Summen werden durch die russische Fluggesellschaft beglichen.

Hier gibt es ein Video von der Bestückung des Tanklagers in der Antarktis, Fotos von der Reparaturmission findet man in den Nachrichtenlinks.

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