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Klage gegen Kraftwerk oberhalb des Geysir eingereicht

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Klage gegen Kraftwerk oberhalb des Geysir eingereicht

Die beiden Naturschutzverbände Landvernd und Náttúruverndarsamtök Suðurlands haben bei den parlamentarischen Umweltausschüssen Klage gegen die neue Baugenehmigung für den Bau des Wasserkraftwerks Brúarvirkjun oberhalb des Geysir eingereicht, berichtet Vísir. Sie verlangen dass die bereits begonnenen Bauarbeiten gestoppt werden.

In einer von Landvernd veröffentlichten Erklärung zur Klageschrift heisst es, dass die Verbände die Art und Weise, wie die Gemeinde Bláskógabyggð die Baugenehmigung erteilt habe, als gesetzeswidrig erachten. Es lägen formelle wie sachbezogene Mängel in der Genehmigung vor, welche dazu führen müssten, dass diese zurückgezogen wird.

Am 26.3. hatten Morgunblaðið und RÚV berichtet, dass Verkehrsminister Sigurður Ingi Jóhannesson offiziell den ersten Spatenstich zur Errichtung des Kraftwerks getätigt habe. Landvernd erklärt dazu:

"Die Klagefrist gegen die Genehmigung der Gemeinde Bláskógabyggð ist noch nicht abgelaufen. In der Nachricht wird Landbesitzer Ingólfur Margeisson vom Hof Brú zitiert, dass nun "ein Kraftwerk im Einklang mit Natur und Gemeinschaft gebaut werde", und dass das ganze Projekt "sehr geringe Auswirkungen auf die umliegende Landschaft" habe, da es sich um ein Laufwasserkraftwerk handle, mit einem kleinen "Einlaufteich". Alles kursiv Gedruckte stellt der Landbesitzer falsch dar."

Das Brúarvirkjun soll Energie aus dem Fluss Tungufljót im oberen Teil des Bezirks Árnessyssla gewinnen. Der Fluss gehört zu den grössten Quellflüssen des Landes, eine seltene Flussart und daher schützenswert. Gleich neben dem geplanten Kraftwerksgebiet befindet sich das Trinkwasserreservoir der Gemeinde. Das gesamte Gebiet, keine zwei Kilometer vom Geysir entfernt, ist bislang unberührt, es befindet sich auf der Liste der schützenswerten Gebiete, unter anderem wegen seiner Moore und Birkenwälder.

Im Rahmen des Kraftwerkbaus soll eine 12 Meter hohe Staumauer errichtet werden. Im Waldgebiet des Haukadalur soll dann eine neun Hektar grosse Talsperre entstehen, dazu Wirtschaftswege, Kanäle sowie Strommasten auf einer Länge von 20 Kilometern.

"Einen derartig grossen Stausee "Teich" zu nennen ist absurd und riecht nach willentlichem Betrug," heisst es in der Erklärung der Umweltverbände.

Der sich zur Hälfte in kanadischer Hand befindliche Kraftwerksbetreiber HS Orka hatte selbst um ein Umweltgutachten gebeten, obwohl das Kraftwerk nur 9,9 MW erwirtschaften soll. Umweltgutachten sind ab 10 MW Pflicht, Wasserkraftwerke werden jedoch manchmal auch auf eine höhere Ausbeute hin erweitert und ausgebaut.

Das Umweltgutachten der isländischen Planungsbehörde hatte schwerwiegend negative Auswirkungen durch die Landschaftsveränderungen genannt. Am Ende der Bauarbeiten werde das Gebiet durch umfangreiche Bauwerke geprägt, sowie durch einen verminderten Wasserstand im Tungfljót auf einer Länge von drei Kilometern, ein Umstand, der das touristische Erleben in dem Gebiet deutlich beeinträchtige. Auch die Auswirkungen auf die Fauna der Region sei negativ zu beurteilen.

Bereits im November hatten drei Umweltverbände gegen eine Baugenehmigung der Gemeinde Klage eingereicht. Nun wird zum zweiten Mal gegen die erneut ausgestellte Baugenehmigung geklagt, da die Gemeinde keinen dringenden Bedarf der Öffentlichkeit für das Kraftwerk nachweisen konnte, wie es nötig wäre, wenn schützenswerte Natur vernichtet werden soll.

Zudem seien die möglichen Auswirkungen des Kraftwerks auf das Trinkwasserreservoir der Gemeinde nicht ausreichend untersucht worden. Auch geologische Untersuchungen zu Erdspalten und Rissen im Kraftwerksbereich fehlten, um die möglichen Auswirkungen auf das Grundwassersystem des Geysir auszuloten.

Schliesslich kritisieren die Umweltverbände, dass eine Überflutung des Waldgebietes im Haukadalur gegen den Willen von Kristian Kirk verstosse, welcher den Wald im Jahr 1930 angepflanzt und ihn 1940 der staatlichen Forstbehörde geschenkt habe, um ihn zu schützen und weiter aufzuforsten. Die Schenkungsurkunde des Dänen sieht ausdrücklich einen Schutz des Waldes vor, daher sei die Vernichtung von mindestens fünf Hektar Waldgebiet nicht erlaubt.

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