Reykjavík
3°C
NE

Bohrlöcher bei Kraterreihe ist "rücksichtslose Ausbeutung"

Nachrichten

Bohrlöcher bei Kraterreihe ist "rücksichtslose Ausbeutung"

Eldvörp Construction

Photo: Ellert Grétarsson/Facebook.

Das isländisch-kanadische Energieunernehmen HS Orka hat damit begonnen, Plateaus für die Errichtung von Bohrlöchern nahe der Kraterlinie Eldvörp auf der Halbinsel Reykjanes zu errichten. Fünf dieser Bohrplateaus sind in der Region geplant. Ein jedes wird sich über eine Fläche von 5000 Quadratmeter spannen. Die Lava in der Region stammt aus dem 13. Jahrhundert. Das Projekt dient dazu, den gestiegenen Energiebedarf der Region zu decken.

Die Eldvörp ist eine 10 Kilometer lange Reihe von Schlackekratern auf der Halbinsel, die umliegende Lava erstreckt sich auf einer Fläche von 20 Quadratkilometern. Sie entstand während einer vulkanisch-tektonisch aktiven Phase zwischen den Jahren 1210 und 1240, die die Reyjanesfeuer genannt werden. Der Umweltaktivist und Photograph Ellert Grétarsson teilte Luftbilder von den Bauarbeiten auf seiner Facebookseite und löste damit eine heftige Debatte über das Projekt aus.

Am Dienstagabend waren die Bohrarbeiten im Abendmagazin Kastljós auf RÚV diskutiert worden. Umweltschützer Ómar Ragnarsson bezeichnete die Eldvörp als einzigartige Kraterreihe, welche andernorts nur unter Wasser zu finden sei.

“Man muss daher sehr vorsichtig vorgehen, dieses Gebiet in ein Industriegebiet zu verwandeln.” sagte Ómar. Er wies auch darauf hin, dass das Gelände mit dem Geothermalgebiet Svartsengi zusammenhänge, welches Reykjanes mit Energie versorge.

“Indem man in diese Kraterreihe geht und Energie nach oben pumpt, beschleunigt man nur das unvermeidliche Ende des anderen Gebietes. Die Erdwärme dort wird verschwinden.”

Ómar nannte das Projekt eine “rücksichtslose Ausbeutung” und verglich sie mit dem “kurzlebigen Pinkeln in deinen eigenen Schuh.”

Das Land rings um die Eldvörp befindet sich im Besitz der Gemeinde Grindavík. Ármann Halldórsson ist Leiter der kommunalen Umwelt- und Planungsabetilung und war ebenfalls zur Diskussionsrunde bei Kastljós eingeladen worden. Ármann sagte, die Bauarbeiten seien bereits seit sieben Jahren in der Entwicklung. Sämtliche Umweltfaktoren seien berücksichtigt worden.

“Eldvörp ist ein Teil des Energierahmenplans, den das Parlament verabschiedet hat,” erklärte er. “Ich weiss nicht wie wir die Energie gewinnen sollen, ohne diese Bohrlöcher." Das ist technisch nicht möglich.

Die Stadt Grindavík habe bereits in grossen Teilen versucht, die Auswirkungen des Projekts auf die Umwelt einzudämmen, durch eine Verlagerung der Bohrplateaus und durch eine Verkleinerung des Bohrgebietes. “Es ist eine Schande, dabei zuzusehen, wie die Lava verschwindet, aber das ist es, was getan werden muss, um die Energie hochzupumpen.”

Ásgeir Margeirsson, der Geschäftsführer von HS Orka, befand es als Ansichtssache, ob die Bauarbeiten zu nahe an den Kratern stattfänden. “Unsere Rolle besteht darin, die Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen, mit Energieproduktion,und nicht nur Energie, sondern auch frisches Wasser, Trinkwasser, aber auch heisses Wasser und Heizung.”

Ásgeir möchte die Bauarbeiten im Zusammenhang betrachtet haben. Alle relevanten Genehmigungen für das Projekt seien erteilt worden, überdies werde mehr heisses Wasser in einer Region benötigt, deren Bevölkerungszahl stetig wachse.

“Dies ist sehr wahrscheinlich der passenste Ort dafür. Es heisst ja nicht, dass in der Eldvörp ein Kraftwerk gebaut wird. Es ist möglich, das geothermale Wasser in eine relativ weite Entfernung von der Kraterreihe zu pumpen, etwa zum [nahegelegenen Kraftwerk] Svartsengi oder sogar ans Meer, um die Energie dort zu produzieren.”

More news

Booking.com

Please consider supporting Iceland Review

IR Online

€3

Support

per month
IR Online

€5

Support

per month
IR Online

€10

Support

per month
IR Magazine

€55

For 6 Issues

per year