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Dramatische Walrettung vor Reykjavíks Küste

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Dramatische Walrettung vor Reykjavíks Küste

Drei Tonnen Wal müssen gedreht werden. Photo: Katharina Breslauer

Am Abend ist in Reykjavík eine dramatische Walrettungsaktion einigermassen glücklich zuende gegangen.

Gegen 14 Uhr hatten Passagiere eines Ausflugsbootes auf der Insel Engey vor der Küste von Reykjavík zwei gestrandete Wale am Strand entdeckt. Es handelte sich um Entenwale, die normalerweise Tiefseelebewesen sind. Die beiden Weibchen waren offenbar auf der Jagd nach Makrelen tief in die Bucht hineingeschwommen und von der Ebbe überrascht worden.

Man alarmierte die Rettungsteams, Mitarbeiter der Walbeobachtungsunternehmen auf Booten, die Küstenwache, sowie Meeresbiologen der Universität, ausserdem wurden Eimer und Tücher auf die Insel gebracht, um die beiden Wale feucht zu halten und zu kühlen, während man auf die Flut wartete. Wie Augenzeugin Katharina Breslauer uns berichtet, verhielt sich eins der beiden Weibchen sehr unruhig, versuchte sich auf den Steinen hin und her zu wälzen und schlug mit der Fluke. Beide Wale trugen beträchtliche Verletzungen von ihrem Strandaufenthalt davon und verloren viel Blut.

Gegen halb fünf konnte eine Wasserpumpe auf die Insel transportiert und angeschlossen werden, was es den Helfern erleichterte, die Wale nass zu halten. Der mit der Fluke schlagende Wal starb gegen 19 Uhr. Wie Meeresbiologin Edda Elisabet Magnúsdótttir RÚV gegenüber erklärte, befand sich das überlebende Walweibchen in einem körperlich besserem Zustand. "Die andere zeigte die klassischen Symptome von Schock, Trauma, und kämpfte sehr viel. Das ist nicht der Fall mit dieser, sie schaut genau was wir machen und scheint voll dabei zu sein, jetzt jedenfalls."

Als der Wasserspiegel stieg, beschlossen die Retter, den überlebenden Wal aufzurichten, um zu verhindern, dass Wasser durch die Atemlöcher in die Lunge dringt, dann kann nämlich auch ein Wal ertrinken. Mit vereinten Kräften wurde das etwa drei Tonnen schwere Tier auf den Bauch gedreht. Mit steigender Flut konnte der Wal schliesslich ins Wasser geschoben werden. "Wir schauen hier auf einen kraftlosen Wal, der buchstäblich um sein Leben kämpft," beschrieb Edda Elísabet die Lage.

Rettungsschwimmer und Taucher begleiteten das Tier und verhinderten, dass es sich an einer Sandbank erneut festsetzte. Die Atmung normalisierte sich, und bis Akranes begleiteten Boote das Tier, dann wurde die See rauh, und man beschloss, umzudrehen. Der Wal schwamm geradewegs auf die Halbinsel Snæfellsnes zu, berichteten die Retter.

Edda Elísabet bezeichnete es als aussergewöhnlich, dass der gerettete Wal so lange überlebt habe, normalerweise könne man ein gestrandetes Tier nicht länger als zwei Stunden am Leben erhalten. Unklar ist, wie lange die beiden am Strand von Engey bereits gelegen hatten, ihr Kampf hatte daher mindestens sechs Stunden gedauert.

Der tote Wal wurde, wie Katharina uns berichtet, am Strand von Engey festgebunden, damit die Flut ihn nicht aufs Meer hinausträgt, morgen soll er dann auf Todesursache, innere Verletzungen und mögliche Krankheiten untersucht werden.

In diesem Link findet man zwei Clips von der Rettungsaktion. Alle Fotos wurden uns von Katharina Breslauer zur Verfügung gestellt.

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