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Gibt es wirklich keine Gewitter in Island?

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Gibt es wirklich keine Gewitter in Island?

F: Ich las kürzlich in einem Artikel, dass es in Island (zumindest in Reykjavík) bei Unwettern keinen Donner gibt.

Obwohl mir das unwahrscheinlich vorkommt, muss ich zugeben, dass ich während meiner ersten zweiwöchigen Reise durch Ihr Land im März dieses Jahres zwar Regen, Wind, Schnee und sogar etwas Sonne erlebt, aber keinen einzigen Donnerschlag gehört habe.

Stimmt es, dass es in Island keine Gewitter gibt? Warum?

Morgan Ford, Opelika, Alabama, USA

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A: Es gibt Gewitter in Island, aber nur sehr selten. Gewitter werden hauptsächlich erzeugt, wenn feuchtwarme Luft mit Kaltluftfronten zusammenstösst, und solche Wetterlagen sind in Island nicht häufig.

In dem Artikel „Saisonale und zwischenjährliche Schwankungen von Gewittern in Island und die Entstehung von Luftmassen in den Stürmen“ der Meteorologen Haraldur Ólafsson, Thórdur Arason und Trausti Jónsson heisst es, die meisten Gewitter in Island ereigneten sich im Winter, wenn sich arktische Luft schnell von Nordamerika über den relativ warmen Ozean auf Island zubewegt.

Nach Informationen auf der Internetseite Vísindavefurinn (Wissenschaftsnetz) der Universität Island sind Gewitter im Süden des Landes häufiger als im Norden.

Im Gebiet zwischen der Snaefellsnes-Halbinsel im Westen und dem Fjord Hornafjördur im Südosten gewittert es ein- bis viermal pro Jahr, vorwiegend in den Bergen im südlichsten Teil des Landes. In Nordisland dagegen donnert es im Durchschnitt nur alle zwei Jahre.

Auf der Webpage des isländischen Sudurland College wird ein Vergleich gezogen: Einige Regionen in Amerika erleben bis zu 80 Gewittertage pro Jahr; in Europa sind es maximal 40 Tage, an denen es donnert und blitzt.