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Ich frage mich, wie viele Personen auf Island gewerblich stricken und ob es Menschen gibt, die ihren Lebensunterhalt NUR durch Stricken bestreiten?

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Ich frage mich, wie viele Personen auf Island gewerblich stricken und ob es Menschen gibt, die ihren Lebensunterhalt NUR durch Stricken bestreiten?

F: Stricken ist sehr beliebt auf Island, was man durchaus auch an der Unmenge der zum Kauf angebotenen und der im Alltag getragenen Wollpullover erkennen kann. Ich frage mich nun, wie viele Personen auf Island gewerblich stricken und ob es Menschen gibt, die ihren Lebensunterhalt NUR durch Stricken bestreiten; und wenn „ja": Wie viele sind das?

Dass es auf Island mindestens einen strickenden Mann gibt, beweist Þórgnýr Thoroddsen in einem Video, das seit November im Internet steht. Also noch die Frage: Wie hoch ist der Anteil der Männer im gewerblichen Strickwesen? Und ist Stricken gar ein Pflicht-Schulfach?

Ach ja, dazu passt noch die Frage, wie viele Schafe es eigentlich auf Island gibt und wie viel Wolle von ihnen „geerntet" wird.

Fragen über Fragen also, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass die Antwort nicht lange auf sich warten lässt.

Viele liebe Grüße aus Deutschland,

Yvonne Welling, Nievenheim im Rhein-Kreis Neuss

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A: Bryndís Eiríksdóttir von der Handknitting Association of Iceland, also der Handarbeits-Vereinigung Islands, sagte, ihres Wissens verdiene niemand in Island seinen Lebensunterhalt ausschliesslich mit Strickarbeit.

Es gebe aber viele Hobby-Stricker, darunter auch Männer. Allerdings weiss auch sie nicht, wie viele tatsächlich regelmässig stricken.

Valdís Vífilsdóttir von Tinna, einem Verlag für Strick-Zeitschriften, sagte, grob geschätzt seien zehn Prozent der Isländischen Bevölkerung Stricker, vor allem Frauen, und das Stricken erfreue sich wachsender Beliebtheit.

Etwa 4.000 Personen abonnieren ihre Zeitschriften, und Tinnas Online-Strick-Klub hat um die 12.000 Mitglieder.

Vífilsdóttir fügte hinzu, männliche Stricker seien meist über 60 Jahre alt, was daran liegen könnte, dass Fischer stricken können mussten, weil sie immer wieder für sehr lange Zeit von daheim entfernt waren, sodass sie unter anderem auch dazu gezwungen waren, ihre Kleidung selbst zu flicken.

Auch sie weiss nicht genau, wie viele männliche Stricker in Island leben – es gibt immer wieder Strick-Kurse speziell für junge Männer, aber die Zahl der Anmeldungen ist immer recht gering.

Allerdings gibt es Menschen, die durch das Stricken indirekt ihren Lebensunterhalt verdienen. Ragnheidur Eiríksdóttir, eine der beiden Frauen, die das Unternehmen Knitting Iceland leiten, sagte, dass, obwohl sie den ganzen Tag mit Strickprojekten beschäftigt sei, sie selbst nicht viel stricke.

Zu ihren Projekten gehören das Erstellen von Ausstellungsmustern und Lehrmaterialien für DVDs, das Veröffentlichen von Büchern, das Schreiben von Texten und Artikeln, Kurse zu geben und Strickreisen zu organisieren.

Knitting Iceland wurde vor etwas mehr als einem Jahr gegründet und hat in dieser Zeit Teilzeitstellen und Praktikumsplätze für viele Menschen geschaffen.

Hulda Hákonardóttir, Marketing-Leiterin des Wolle-Herstellers Ístex, erklärte, Stricken werde als Teil des Handarbeitsunterrichts in Schulen unterrichtet.

Es sei aber von Schule zu Schule verschieden, in welcher Klassenstufe der Strickunterricht beginnt, meist aber in der dritten oder vierten Klasse (wenn die Kinder acht oder neun Jahre alt sind), und sowohl Mädchen als auch Jungen lernen, wie man strickt.

Hákonardóttir fügte hinzu, laut Landwirtschaftlichem Statistik-Newsletter von 2010 lebten etwa 460.000 Schafe in Island (diese Zahl übersteigt die 320.000-köpfige menschliche Bevölkerung um einiges), die der Firma Ístex im vergangenen Jahr eine Ernte von 740 Tonnen Wolle bescherten.

Sie wies darauf hin, dass die Zahl der Schafe im Sommer, also vor Beginn der Schlachtsaison, noch weit größer sei, nämlich geschätzte eine Million Schafe, die durch die Berge streiften.