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Gibt es noch Protest gegen das Kárahnjúkar-Kraftwerk?

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Gibt es noch Protest gegen das Kárahnjúkar-Kraftwerk?

F: Kürzlich habe ich den Islandkrimi „Blutberg“ von Aevar Örn Jósepsson gelesen. Hier geht es u.a. um die geteilten Meinungen zum Kárahnjúkar-Kraftwerk.

Wie haben die Isländer das Kárahnjúkar-Kraftwerk mittlerweile akzeptiert? Gibt es noch immer Proteste oder wird dieser Eingriff in die Natur nun einfach hingenommen (ändern kann man es ja nun leider auch nicht mehr)?

Sebastian Steiner, Bad Steben, Deutschland

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A: Wie in Jósepssons Roman erwähnt, wurde über den Kárahnjúkar-Staudamm während der Bauzeit heftig debattiert und es fanden Protestdemonstrationen statt in der Hoffnung, die Regierung würde die Pläne aufgeben, ein Wasserkraftwerk im östlichen Hochland zur Energieversorgung einer Aluminiumfabrik in Reydarfjördur zu bauen.

Sogar nachdem der Damm gebaut worden war, forderten Demonstranten von der Regierung ihre Pläne, ein grosses Gebiet Land zu überfluten, aufzugeben mit der Begründung, der nicht genutzte, aber unzerstörte Damm könne als Mahnmal für ein nicht realisiertes Projekt dienen und ziehe damit Touristen an.

Jedoch das Projekt wurde durchgeführt und Damm und Kraftwerk 2006 in Betrieb genommen. Obwohl die Konstruktion des Dammes und der Aluminiumschmelze immer noch diskutiert werden, konzentrieren sich die Umweltschützer nun auf die Verhinderung anderer Energieprojekte ähnlichen Kalibers.

Es gab sicherlich immer Leute in Island, die für den Bau des Kárahnjúkar-Damms waren, den Bau anderer Kraftwerke unterstützen und den grössten Damm und das grösste Kraftwerk in der Geschichte Islands bewundern, das allgemein als ein technisches Meisterwerk gilt.

Heute wird Kárahnjúkar von mehr Touristen besucht als zu der Zeit, als es noch unberührte Wildnis war – das ist eindeutig. Auch wenn einige, die anfangs opponierten, sich jetzt damit abgefunden haben, es bleibt weiterhin in der Kontroverse.

Hier finden Sie eine Buchbesprechung zu Andri Snaer Magnasons vieldiskutiertem Buch „Draumalandid“, das Hintergründe und Probleme der Energiepolitik und des Staudammprojektes beleuchtet und das vor kurzem auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Traumland. Was bleibt, wenn alles verkauft ist?“ bei Orange Press erschienen ist.

Wir berichteten kürzlich über Diskussionen zu geplanten Geothermalkraftwerken bei Theistareykir und im Mývatngebiet, die den Strom für eine weitere Aluminiumfabrik bei Húsavík liefern sollen.