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Spielt die Elektromobilität auf Island eine Rolle?

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Spielt die Elektromobilität auf Island eine Rolle?

F: Mich würde interessieren wie sich in Island die „grüne Mobilität“ sprich Elektroautos entwickelt? Spielt die Elektromobilität auf Island überhaupt eine Rolle?

Ich selber, bin in Deutschland verantwortlich für den Aufbau einer öffentlicher Ladeinfrastruktur für Elektroautos.

Mit freundlichen Grüßen,

Lars Ulbricht, Schlangen, Deutschland

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A: Einem Bericht der BBC vom 4. Oktober 2013 zufolge gibt es nur 30 elektrobetriebene Fahrzeuge in Island. Stefán Ásgrímsson, der Chefredakteur des Magazins des Isländischen Automobilclubs (FÍB) hingegen schätzt ihre Zahl auf 50.

Im Jahr 2012, dem Gründungsjahr der Isländischen Vereinigung der Elektroautos, hatte es nur 20 solcher Autos gegeben.

Die BBC berichtet, dass die isländische Regierung für das Jahr 2020 anpeilt, 10 Prozent des im Land verwendeten Kraftstoffs aus umweltfreundlichen Quellen zu verwenden – was bedeutet Wasserstoff, Methan und Strom.

Für Elektroautos gibt es daher derzeit keinen Einfuhrzoll, während für herkömmliche Autos ein Aufpreis von 50 Prozent Einfuhrzoll zu zahlen ist.

Island wird als ideal für Elektrofahrzeuge beschrieben, weil es hier genug saubere und erneuerbare Energie gibt und zwei Drittel der Bevölkerung ohnehin in den Ballungsräumen wohnen, wo sich elektrobetriebene Fahrzeuge für Kurzstrecken anbieten.

Eine Familie, die ein Elektroauto getestet hatte, entschied sich nach Ende der Testperiode jedoch wieder für den alten Dieseljeep, weil die Kosten für das Elektroauto zu hoch waren, weil es zu klein war und nur eine kurze Reichweite bot.

Der Familienvater gibt im Interview mit der BBC zu, dass ihm erst zum Ende der Testperiode die Idee gekommen war, das Radio auszuschalten, um Energie zu sparen.

Laut Stefán hat das Fahren eines Elektroautos in Island durchaus Nachteile, und auch die kalten Winter würden die Reichweite zusätzlich einschränken.

Ökonomisch gesehen stellten sie mit ihrer Reichweite von ca. 50 km für Stadtbewohner durchaus eine Alternative dar. Im nächsten Heft seines Vereins wird das Interview mit einem Besitzer eines Elektroautos zu lesen sein, der betont, dass es die erste Wahl seiner Familie gewesen sei.

Derzeit gibt es drei Typen in Island zu kaufen: Nissan Leaf, Mitsubishi i-MiEV und Tesla S.

Die meisten Elektroautos sind von Regierungsinstitutionen und Organisationen erworben worden, erklärt Stefán. Doch nun sei die Zeit gekommen, da auch Familien einem Elektroauto den Vorrang geben würden und Nissan reagiere auf den Wunsch.

Der Autohersteller hat zugesagt, in der Hauptstadtregion, in Keflavík und in Nachbarstädten wie Borganes und Selfoss Elektrotankstellen einzurichten.

Solche Tankstellen draußen auf dem Land sind problematisch, weil sie in der Nähe von Energieverteilstationen stehen müssen, was das Reisen im Land zusätzlich erschwert.

Gísli Gíslason vom Unternehmen EVEN ist einer der stärksten Befürworter für Elektrofahrzeuge in Island und Generalimporteur des Tesla S. Seine Geschichte ist auf plugincars.com (auf Englisch) zu lesen.