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Ein Fanclub als Liebeserklärung

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Ein Fanclub als Liebeserklärung

Wer wurde am 16. November 1857 in Möðruvellir in Island geboren, war Jesuiten-Priester und Schriftsteller und starb am 16. Oktober 1944 in Köln? „Nonni“, werden nun viele ganz richtig sagen oder auch „Jón Sveinsson“. Unter der Verkleinerungsform Nonni von Jón ist er weltweit bekannt, seinen Nachnamen kürzte er, außer in seinem Heimatland Island selbst, um ein i auf Svensson.

nonni_bbbJón-Sveinsson-Statue in Akureyri. Foto: Gabriele Schneider.

Auch in den letzten Monaten war Jón Sveinsson immer wieder in aller Munde: 2012 wäre er 155 Jahre alt geworden, der Isländische Literaturpreis 2012 in der Kaategorie Sachbuch ging Anfang 2013 an Gunnar F. Guðmundsson und sein Buch „Pater Jón Sveinsson - Nonni“.

Die Erstausgabe von Jón Sveinssons Buch „Nonni: Erlebnisse eines jungen Isländers, von ihm selbst erzählt“ im Herder-Verlag erschien vor 100 Jahren. Und noch ein Ereignis rund um den Priester und Schriftsteller wird in diesem Jahr gefeiert: Der Nonni-Fanclub Deutschland feiert seinen dritten Geburtstag.

Neue Mitglieder werden im Klub immer gern gesehen. „Jeder, dem Jón Sveinsson, seine Bücher und die Verbreitung derselben am Herzen liegen, sollte Mitglied werden“, findet Klub-Gründerin und -Chefin Friederika Priemer aus Köln. „Auch, wer mehr über Nonni erfahren möchte, ist herzlich willkommen.“ Der Fanclub ist virtueller Art, die Mitgliedschaft kostenlos.

Im Fanclub werde über aktuelle Ereignisse, Veranstaltungen, Neuerscheinungen und Jubiläen rund um Jón Sveinsson berichtet, so Priemer. Neben Gedanken- und Ideenaustausch bietet der Fanclub kostenlose Nonni-eCards und Bookcrossing an und veranstaltet hin und wieder Gewinnspiele. „Wir wünschen uns, dass sich unsere Mitglieder zu Nonni-Themen äußern, also auf Postings antworten oder selbst Nonni-Themen zur Diskussion stellen“, erklärt Priemer, die im Klub unter dem Pseudonym Nonnifan unterwegs ist.

Bislang treffen sich die Mitglieder ausschließlich im Internet, aber ein reales Treffen sei keineswegs ausgeschlossen, sagt sie.

Anders, als man annehmen könnte, kam Priemer nicht schon als Kind in Kontakt mit den Nonni-Büchern: Gerade einmal sieben Jahre ist es her, dass sie in einem Vortrags-Manuskript, das sie für einen befreundeten Professor bearbeitete, den Namen Jón Sveinsson zum ersten Mal las, neugierig wurde, sich zunächst eines seiner Bücher besorgte und nach und nach die von ihr mittlerweile glühend und engagiert verehrten Werke kennenlernte. „Ich bin überzeugt, Jón Sveinsson wurde mir „von oben“ geschickt“, meint sie rückblickend.

In Köln fand sie plötzlich viele Spuren von Nonni: Sein Grab, den Nonni-Weg, den Nonni-Brunnen und die „Offene Tür Nonni“.

nonni_aaaNonni-Brunnen in Köln. Foto: Friederika Priemer.

Gefragt, was ihr an Jón Sveinsson besonders gefalle, kommt Priemer ins Schwärmen: „Seine Sprache, einfach und doch bisweilen lyrisch, spricht mich an. Bewundernswert, wie gut sich Jón Sveinsson auf Deutsch ausdrücken konnte: Wir haben es ja in der Mehrzahl mit Büchern, die er auf Deutsch geschrieben hat, zu tun. Jedes Mal, wenn ich ein Buch oder einen Artikel von Jón Sveinsson zur Hand nehme, entdecke ich neue Schönheiten in seinen Formulierungen. Er pflegt eine absolut saubere, gehobene Sprache, die sich auch hervorragend zum Vorlesen eignet.“ Besonders beeindruckt sei sie auch von Nonnis „unerschütterlichem Gottvertrauen, das aus seinen Büchern spricht. Damit hat er mich angesteckt. Aber diese religiöse Unterweisung erfolgt eher zwischen den Zeilen, und gerade das macht ihn mir so besonders sympathisch.“

Gern würde Priemer auch Kinder wieder mehr für die Bücher begeistern. Sie empfiehlt, die Werke „behutsam zu überarbeiten. Selbst für Comics, Graphic Novels und Mangas würden sich meiner Ansicht nach einige der Nonni-Abenteuer bestens eignen.“

Priemer hofft, dass die mit dem Isländischen Literaturpreis ausgezeichnete Jón-Sveinsson-Biografie von Gunnar F. Guðmundsson recht bald auch auf Deutsch oder Englisch erscheint. „Dass mein Nonni-Bild sich aufgrund von Gunnars Forschungsergebnissen möglicherweise verändert, nehme ich in Kauf.“

Für Einsteiger empfiehlt die Leiterin des Nonni-Fanclubs Deutschland „Nonni: Erlebnisse eines jungen Isländers, von ihm selbst erzählt“. „Ich halte es für den Schlüssel, der den Lesern die Nonni-Welt aufschließt“, begründet sie. Am poetischsten findet Priemer allerdings „Aus Island. Erlebnisse und Erinnerungen“, in dem der Autor etwa ein Nordlicht „so plastisch beschreibt, dass es der Leser förmlich vor sich sieht“, so Priemer. Diese Begabung Sveinssons fände sich in allen seinen Werken. Dass Jón Sveinsson es als seinen ihm von Gott gegebenen Auftrag ansah, kleinen wie großen Leuten Freude zu bereiten, da ist sich die Fanclub-Leiterin sicher.

nonni_cccFriederika Priemer in ihrer Jón-Sveinsson-Gedächtnis-Ausstellung, die sie 2012 in der alten Trauerhalle Melaten organisierte. Foto: privat/Priemer.

Der Gedanke an einen Fanclub, Freundeskreis oder eine Interessengemeinschaft zu ihrem Lieblingsautoren schwirrte der Kölnerin eine ganze Weile im Kopf herum. Aber wie könnte sie passende Leute dazu finden? Lange grübelte sie. „Dann kam mir ein Mitbruder Nonnis in Tokio zu Hilfe, den ich 2007 anlässlich Jón Sveinssons 150. Geburtstag ausfindig gemacht hatte. Pater Heinz Jokiel SJ wies mich per eMail auf die virtuelle Stadt funcity.de hin.“ Priemer „bezog dort eine Wohnung“ und schmückte sie mit Bildern und Büchern des Autors. Die damalige Betreiberin von www.funcity.de schlug ihr vor, doch einen Nonni-Fanclub zu gründen und in der virtuellen Stadt anzusiedeln. Am 28. Mai 2010 wurde der Klub eröffnet.

Der Nonni-Fanclub Deutschland bietet, so Priemer, Fans und solchen, die ihn noch gar nicht kennen, die Möglichkeit, sich umfassend über Jón Sveinsson zu informieren und sich miteinander auszutauschen.

Friederika Priemers größter Wunsch es ist, „Jón Svensson und sein Werk weltweit (wieder) bekannt zu machen“. Auch fände sie es wunderbar, wenn Menschen mit isländischen Sprachkenntnissen Kontakt zum Nonni-Fanclub Deutschland aufnehmen würden. Die, denkt sie, könnten eine Art Vermittlerrolle zwischen isländischen und deutschen Nonni-Fans übernehmen.

Anlässlich seines dritten Geburtstags veranstaltet der Klub ein Nonni-Gewinnspiel. Wer in die Lostrommel möchte, muss auf www.home.funcity.de/Nonni-Fanclub-Deutschland zehn Fragen über Jón Sveinsson beantworten. Die Antworten seien aber, so verrät Priemer alias Nonnifan augenzwinkernd, sicherlich irgendwo auf den Seiten des Fanclubs zu finden. Als Gewinne winken unter anderem sieben Nonni-Bücher und zwei Nonni-DVDs.

Gabriele Schneider – [email protected]www.Hausbucht.de // www.nebenbei-bemerkt.blogspot.de

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