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Facebook – muss das sein? (bv)

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Die deutsche Ausgabe der Iceland Review Online ist seit ein paar Tagen auch auf Facebook vertreten. Muss das sein? Das fragt sich jetzt sicher manch Leserin und Leser in Deutschland.

In Island ist Facebook überaus verbreitet und beliebt. Mit derzeit rund 210.000 Benutzern (über Zweidrittel der Gesamtbevölkerung) hält Island den dritten Platz nach Monaco und den Falklandinseln. Deutschland liegt mit etwa 27 Prozent auf dem 92. Platz der FB-Statistik.

Wir Deutschen sind Facebook-Muffel, misstrauen dem, was die Isländer unbekümmert als soziales Medium bezeichnen, fürchten den Verlust der Privatsphäre und sehen uns als potentielle Opfer einer gläsernen Überwachungs- und Konsumwelt.

Ich will die Gefahren nicht kleinreden. Jedoch habe ich das Gefühl, dass oft zwei Dinge verwechselt werden. Es heißt soziales und nicht privates Medium. Vielleicht liegt es an dem englischen Wort friends, das als „Freunde“ ins Deutsche übersetzt ein ganz anderes Gewicht bekommt. So als gehe es auf Facebook um echte, tiefe Freundschaften, deren Intimität es zu schützen gilt.

Tatsächlich geht es um ein Netz von Bekanntschaften, Schulkameraden, Studienkollegen etc., mit denen man lose Kontakt hält, sich über Interessantes, Lustiges, Nachdenkliches austauscht – ein Netzwerk halböffentlicher Kontakte, in dem allzu Privates nichts zu suchen hat.

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Screenshot unserer Facebook-Seite

Ich rate immer, Facebook und vergleichbare Plattformen wie eine Ansichtspostkarte zu behandeln. Es würde niemand ernstlich einfallen, vertrauliche Mitteilungen einer Postkarte anzuvertrauen. Das Liebesleben, die finanzielle Situation und der Ärger auf der Arbeit haben auch auf Facebook nichts zu suchen.

Die Isländer sind da ein bisschen hartgesottener. Die Telekommunikation hatte ihnen auf dem Lande bis in die 1980er Jahre hinein „Gemeinschaftsleitungen“ beschert, bei denen Nachbarn ihre Gespräche abhören konnten. (Allerdings konnten sie auch die Telefonate auf den Nachbarhöfen belauschen.) Daher preisen sie lieber die Segnungen der neuen Medien als ihre Missbrauchsmöglichkeiten zu beklagen.

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Kollegin Gabriele Schneider im Kundengespräch auf der Frankfurter Buchmesse 2011. Foto: bv

Nanna Árnadóttir, die auf der Kolumnenseite „Daily Life unserer großen englischsprachigen Schwester Iceland Review Online schreibt, hat im vergangenen Dezember ein interessantes Beispiel für die Bedeutung der social media, zu denen vor allem Facebook gehört, angeführt:

Eines Morgens fand sie auf ihrer Facebook-Pinnwand eine Reihe wütender Kommentare. Eine Protestwelle, die sich innerhalb kürzester Zeit auf Facebook verbreitete. Die Empörung galt einer isländischen Online-Zeitung, weil sie eine Frau, die einen Prominenten der Vergewaltigung bezichtigt, mit Bild und Namen vorgestellt hatte. Der Herausgeber zog umgehend den Artikel zurück und entschuldigte sich.

Proteste organisieren, Kontakte pflegen, ein bisschen plaudern – schön und gut. Doch wozu brauchen wir, die deutsche Iceland Review Online, eigentlich Facebook?

Zuerst einmal, wir haben eine FB-Seite, das heißt, Facebook-Benutzer können sich mit uns nicht befreunden, sondern nur den like/Gefällt mir-Button drücken. Aber Ihr könnt direkt mit uns in Kontakt treten und wir sind für alle Internetbenutzer sichtbar.

Wir möchten damit den Bekanntheitsgrad der deutschen Ausgabe der Iceland Review Online erhöhen. Vergangenes Jahr haben wir die ersten Schritte dazu unternommen, die Seite lesbarer gestaltet, neue Rubriken wie den Kulturblick eingeführt und unser Projekt auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

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Werbekarte der Iceland Review Online - deutsch für die Frankfurter Buchmesse 2011

Wir haben seit zweieinhalb Jahren mit viel ehrenamtlichem Engagement einen langen Atem bewiesen. Doch nur eine wachsende Leserschaft (und damit verbunden auch Anzeigenkunden) garantiert, dass uns längerfristig die Luft nicht ausgeht.

Derzeit sind wir im Nachrichtenteil auf drei Meldungen pro Tag beschränkt. Bei wichtigen Ereignisse können wir auf Facebook nun auch mal schnell reagieren und Euch informieren.

Und Ihr könnt uns viel schneller und unkomplizierter Rückmeldungen geben. Der Gefällt mir-Button bei Facebook ist rasch gedrückt, ein Kommentarsatz viel schneller geschrieben als ein Leserbrief.

Direkte Reaktionen von Euch, ob Lob oder Kritik, sind wichtig für unsere Arbeit und Motivation. Wir brauchen Euer Interesse, Euren Ansporn, Eure Weiterempfehlung, liebe Leserinnen und Leser.

Bernhild Vögel – [email protected]www.birdstage.net

Die in dieser Rubrik veröffentlichten Beiträge geben nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.