Reykjavík
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Mein Island – Mein Reykjavík (NZ)

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nadinezwiener_dlDas Wetter ist es nicht, wodurch mich die Stadt gefangen nimmt.

Denn das erste, was ich von Reykjavík mitbekomme, sind Wolken. Den Flug nach Island habe ich größtenteils verschlafen und erst jetzt, als das Flugzeug zur Landung ansetzt, hoffe ich, einen Blick auf mein Reiseziel erhaschen zu können. Aber eine dicke Wolkendecke versperrt mir die Sicht und so sehe ich nicht viel durch das Flugzeugfenster.

Unterhalb der Wolkendecke ist es bereits dunkel und meine Augen sind wieder schwer, so dass ich mich freue, endlich das Hostel zu erreichen ohne mich weiter mit der Stadt zu beschäftigen, in der ich die nächsten Wochen zu Hause sein werde.

Das ändert sich natürlich am nächsten Morgen, als ich ausgeschlafen und voller Tatendrang das Hostel verlasse und Lust habe, diese Stadt kennenzulernen. Der Himmel ist wolkenverhangen wie am Abend zuvor, aber ich bin darauf vorbereitet, trage meine Regenjacke und vorsichthalber einen Schal, obwohl es nicht kalt ist.

Mein erstes Ziel ist die Kirche, Hallgrímskirkja, die auch ohne Stadtplan leicht zu finden ist. Bereits von außen finde ich sie beeindruckend, aber noch stärker fasziniert mich die Orgel in ihrem Inneren und ich habe das Glück, sie in Aktion zu erleben.

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Von der Hallgrímskirkja hat man einen gute Aussicht über Reykjavík.

Für ein Konzert, das am kommenden Abend stattfinden soll, übt der Organist und taucht die Kirche in beeindruckende Klänge.

Die Touristen, die in der Kirche sind, bleiben da, setzen sich und hören zu, aber mich treibt es nach einigen Minuten weiter, weil es noch sehr viel mehr für mich zu entdecken gibt.

Vor der Kirche steht eine Statue von Leifur Eiríksson, dem Wikinger, der Amerika im Jahr 1000 entdeckt haben soll, und neben ihm stehend liegt mir die Stadt zu Füßen.

Von hier aus setze ich meinen Weg fort, ich folge der Skólavörðustígur abwärts, vorbei an allerlei kleinen Lädchen mit Souvenirs und viel Handgemachtem, vorbei an den kleinen, bunten Häusern und den vielen Leuten.

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Skólavörðustígur.

Überall lässt sich etwas entdecken: Ein Laden mit Strickwaren – schön, aber leider viel zu teuer zum Mitnehmen – Touristeninformationen, die mit Ausflügen aller Art zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung locken, und Restaurants, Bistros, Cafés.

In ein solches verschwinde ich schließlich, da es angefangen hat zu regnen und die Kuchen in der Auslage so verlockend aussehen.

Ich bleibe eine ganze Stunde da, trinke Kaffee und beobachte die Leute, die vorbeigehen, betrachte die Häuser und studiere einige Prospekte und Zeitschriften nach möglichen Unternehmungen.

Es ist viel los in dieser Stadt, so scheint es. Draußen ziehen immer noch die Menschen vorbei – sie machen es richtig und bemerken gar nicht mehr die dunkle Wolkendecke, die noch immer über der Stadt liegt.

Reykjavík mag nicht groß sein, verglichen mit anderen Hauptstädten mutet es mit seinen kleinen Häusern gradezu ländlich an, aber eines, so ist mein erster Eindruck, scheint es auf gar keinen Fall zu sein: langweilig.

Viel ist hier los, nicht nur auf den Straßen, sondern auch an kulturellen Angeboten und Veranstaltungen wie dem Gay Pride Parade, die an diesem Wochenende stattfindet und die der Stadt ein unvermutet kosmopolitisches Flair verleihen.

Und während ich im Café sitze und langsam in die Atmosphäre der Stadt eintauche, merke ich: ich freue mich schon darauf, diese lebhafte Stadt in den nächsten Wochen näher kennenzulernen, ihre verborgenen Ecken und Winkel zu entdecken und an dem pulsierenden Treiben teilzuhaben.

Hier gibt es viel zu erleben und ich komme zu der Überzeugung, langweilig wird es mir in den nächsten Wochen bestimmt nicht werden.

Ja, und wenn ich Glück habe, wird dabei sogar das Wetter nochmal besser.

Nadine Zwiener – [email protected]

Nadine Zwiener studiert Politikwissenschaft, Soziologie und Medienwissenschaften in Düsseldorf und absolviert bis Mitte September ein Praktikum bei der deutschen Ausgabe der Iceland Review Online.

Die in dieser Rubrik veröffentlichten Beiträge geben nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.