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Dem Wetterdienst über die Schulter geschaut (DT)

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dagmar02_dlDie Veðurstofa Íslands – der isländische Wetterdienst – ist in den Medien des Landes eine beinah alltägliche Größe. Kein Wunder, das Wetter hat in Island mitunter weitaus dramatischere Auswirkungen auf das Alltagsleben der Menschen als anderswo.

Wo außerhalb der Hauptstadt Siedlungen weit verstreut und isoliert liegen und Menschen trotzdem mobil sein müssen, spielen Wetternachrichten eine überlebenswichtige Rolle.

Man kann sich verlieren auf den unzähligen Seiten der Homepage zwischen Tageswetter, Nordlichtvorhersage, Seewetter und Erdbeben, deren Daten täglich von 120 Beschäftigten zusammengestellt und auf den neusten Stand gebracht werden.

Eine von ihnen ist Sibylle von Löwis, Meteorologin aus Deutschland. Zu ihrer täglichen Arbeit gehört nicht nur die Überwachung sämtlicher computergesteuerter Überwachungseinheiten und die Kontrolle der Wettermodelle, aus denen dann die Vorhersagen für die Wetterkarte formuliert werden.

Sie verbringt außerdem viel Zeit am Telefon, um persönliche Wetteranfragen etwa von Piloten oder Kapitänen zu beantworten, oder mit der Presse Meldungen abzusprechen.

Der Wetterdienst arbeitet zudem eng mit dem isländischen Zivilschutz Almannavarnir zusammen – steht ein Sturm ins Land, sind die Vorhersagen die Grundlage für Schutzmaßnahmen.

Doch ist Wettervorhersage in Island wegen der Meereslage schwierig, sagt Sibylle. Die Landschaft und die Winde haben großen Einfluss auf das Wetter und verlangen von den Meteorologen einiges an Erfahrung, um vom Computer errechnete Modelle korrigieren zu können.

Erfahrung sammelt auch der Geologe Martin Hensch, der in der vulkanologischen Abteilung des Wetterdienstes arbeitet und für die Erdbebenmeldungen zuständig ist.

Auch er verbringt viel Zeit am Computer, um die Messungen der überall im Land verteilten Sensoren durchzusehen und die Werte ggf. von Hand zu korrigieren. Einmal im Jahr werden die mobilen Sensoren in Island neu verteilt, und auch sonst gibt es immer mal einen Außentermin.

Martin ist wie Sibylle Teil des Dauerschichtbetriebs im Wetterdienst und verrichtet am Wochenende Rufbereitschaft. „Hier in Island passiert was,“ schwärmt er von seinem Traumjob. „Es gibt frisches Material, es werden Entscheidungen gefällt.“

Die Erfahrung durch „frisches“ Datenmaterial und die selbstgeschriebene, auf Island speziell zugeschnittene Software haben Islands Vulkanologen auch international einen guten Ruf beschert.

Und die Bevölkerung ist immer mit dabei. Es gebe viele Anrufe über Beobachtungen, sagt Martin. „Das Feedback ist uns wichtig. Wir möchten hören, wenn sich irgendwo ein Flusspegel verändert, eine Quelle versiegt oder Schnee an einer Stelle wegtaut. Alles kann mit dem Vulkanismus zusammenhängen.“ Er bewundert immer wieder, wie ruhig die Isländer bleiben, wenn ihr Land zu rumpeln beginnt. „Hier bricht keiner in Panik aus.“

Und natürlich verrät er, wie sich der Vulkanausbruch des Fimmvörðuháls für ihn dargestellt hat. „Wir hatten einen Ausbruch erwartet, allerdings einen explosiven, mit Eis und Asche. Mit einer Erdspalte hat niemand gerechnet, als spätabends die Nachricht kam, der Himmel im Fljótshlíð sei orange.“

Um 3 Uhr Nachts war das Geologenteam in Hvolsvöllur, doch an eine Einfahrt ins Tal des Markafljót war nicht zu denken, da ja niemand wusste, ob der Vulkan Katla nicht doch beteiligt war und eine Flutwelle ins Tal schicken würde.

Wegen dieser Gefahr konnte erst zwei Tage später der Ausbruchsort genau lokalisiert werden. Der Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull hingegen verlief geradezu lehrbuchmäßig mit heftigen Erdbeben in den Stunden davor, und man konnte rechtzeitig Maßnahmen ergreifen.

Sein Job bleibt spannend. Kaum ist die Erdbebenserie in Nordisland verklungen, läuft nun vermehrt Wasser aus dem Krater des Grímsvötn

Dagmar Trodler – [email protected]www.dagmartrodler.de

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