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Viðskiptablaðið berichtet, dass der neue Premierminister Islands, Sigmundur Davíð Gunnlaugsson, und sein Assistent Jóhannes Þór Skúlason, der am Steuer sass, auf dem Rückweg nach Reykjavík von der Pressekonferenz am Mittwoch, bei der der neue Koalitionsvertrag offiziell vorgestellt wurde, wegen überhöhter Geschwindigkeit gestoppt wurden.
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Auch wenn viele Touristen das Landesinnere lieber per Jeep „erfahren“ – isländische Hochlandwanderungen sind nach wie vor populär.
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Es wäre unangenehm die Islandfähre Norröna zu verpassen, denn sie verkehrt nur einmal pro Woche. Mir passiert so etwas nicht. Und doch nahm meine dreitägige Seereise diesmal einen unvorhergesehenen Verlauf...
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Vergangenes Jahr im schneereichen Mai stattete ich dem Phallusmuseum in Húsavík einen Besuch ab. Nach der Betrachtung riesiger Walpenisse und einem flüchtigen Blick auf das kümmerliche Exemplar der Spezies homo visibilis, zog mich ein Präparat an, das der Phantasie der Betrachterin keine Grenzen setzte.
Es handelte sich um den berühmten Elfenpenis, den ganzen Stolz des scheidenden Museumsdirektors Sigurður Hjartarson, der immer auch eigenhändig präpariert hat. Im Katalog findet sich folgende Beschreibung des Exponates PFI 1:
„ELFENMANN (Homo sapiens Obscurus). Erwachsen. 1989. Aufbewahrt in isländischem Quellwasser."

Blick in die folkloristische Abteilung des Phallusmuseums, Húsavík 2011.
Gegenüber seinem Freund Wolfgang Müller hat Sigurður allerdings gestanden, dass der Penis bereits in Formaldehyd eingelegt war, als er ihn von einem isländischen Parlamentsabgeordneten geschenkt bekam. Nachzulesen im Kleinen Elfen-ABC in Müllers neu aufgelegten und aktualisierten Buch „Die Elfe im Schlafsack".
Zwar stimmt jetzt Müllers Evergreen „Das Pe-Pe-Penismuseum von Reykjavik", der auf der Homepage des in die Hauptstadt zurück gezogenen Museums erklingt, wieder mit der Örtlichkeit überein, jedoch bleibt sein Wunsch nach einem Zwergenpenis-Exponat nach wie vor unerfüllt.

Vermutlich: Zwerg ohne Tarnmütze. Nordisland, Mai 2009.
Ich war lange der Überzeugung, es gäbe in Island keine Zwerge mehr. Ich stützte mich dabei auf den Experten Konrad Maurer. Auch in der altnordischen Mythologie seien die Zwerge nur eine „Unterabteilung der Elben", woran lediglich ein paar isländische Ortsnamen erinnerten, hatte der Gelehrte vor rund 150 Jahren geurteilt.
Doch der Bericht des profunden Islandkenners Wolfgang Müller über Gullmævill, den gutbestückten Gummizwerg, hat mich nachdenklich gestimmt. Und die Erkenntnisse der Zwergrunologie (Professor Mergelstein, HU Berlin) lassen sich schlichtweg nicht mehr ignorieren.

Hauskatze und Hofelfe (nur ihr Schatten ist sichtbar), Nordisland, Januar 2011.
Müllers empirische Forschungen nach modernsten Gesichtspunkten – auch das Thema schwule Elfen ist kein Tabu mehr – haben ihm unter Kennern den Ehrentitel „Íslandsvinur" (Freund Islands) eingebracht, während ihn seine Gegner der Verhöhnung der übernatürlichen Welt Islands bezichtigen. Island ist nicht nur hinsichtlich der EU, sondern auch in der Müllerfrage zweigeteilt.
Andere Kontrahenten werfen ihm Titelmissbrauch im Zusammenhang mit der „isländischen Elfenbeauftragten" vor. Auch habe er eine oder mehrere isländische Elfen in die deutsche Hauptstadt geschmuggelt, nur um sich zum Elfenbeauftragten Berlins aufschwingen zu können. Seine Versicherung, dies sei unabsichtlich geschehen (Beweis: Die Erzählung „Álfadísi") stößt bei seinen Feinden nur auf höhnisches Gelächter.

Vorsicht Elfen! In scheinbar menschenleerem Gelände Islands muss auf das verborgene Volk besondere Rücksicht genommen werden.
Ich konnte mich von Existenz und Wirken der Importelfe selbst überzeugen. Die isländischen Elfen, die es gar nicht schätzten, wenn ich auf ihrem Hügel sitzend rauchte, hatten es noch bei einer Verwarnung belassen. Die Importelfe aber streckte mich vor zwei Jahren an einem Berliner Currywurststand zu Boden, worauf ich fortan keinen Glimmstengel mehr anrührte. Für diesen Akt der Wohltätigkeit schulde ich auch dem Elfenimporteur Wolfgang Müller unendlichen Dank.
Die Rezensentin in mir muss allerdings anmerken, dass Müller in seinem Werk keinesfalls mit solch wissenschaftlicher Akribie vorgeht wie Jacob Grimm, aus dessen „Deutscher Mythologie" er zu Beginn seines Werkes doch recht ungenau zitiert* – jedoch, dem Praktiker und Künstler sei dies großzügig verziehen.

Die sichtbaren Zeichen der Elfenrache sind inzwischen aus dem Stadtbild Reykjavíks entfernt worden.
Höhepunkt von Müllers Elfenforschung ist für mich der Bericht „Rache auf elfisch", der uns nicht nur über die elfische Zeitrechnung informiert, sondern auch einige unheimliche isländische Ereignisse der letzten Jahre (Bankenblasenplatzen, Eyjafjallajökulleruption) vollkommen schlüssig erklärt.
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* Astlöcher sind keine elfischen Wohnstätten, sondern nur eine Art von Türen. Vgl. Grimm, Dt. Mythologie, 2. Aufl. Göttingen 1843, S. 430.
Text&Fotos: Bernhild Vögel – ice@birdstage.net
www.birdstage.net
Wolfgang Müller: Die Elfe im Schlafsack – Neue Fabeln und Märchen aus Island.
4. überarbeitete und erweiterte Auflage,
Verbrecher Verlag, 128 Seiten, 15,00 Euro.
Lesen Sie auch den ersten Teil unserer ELFEN-Besprechung.