Hirschherzen und Pfefferkekse aus der Trollbäckerei (bv)

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bernhild_dlIch bin nicht sehr geübt im Backen, aber in der Vorweihnachtszeit befällt auch mich der allgemeine Backzwang. Zumal ich in zwei Wochen in Braunschweig eine Lesung habe und dazu soll es Troll-Kekse geben.

Mein erster Versuch am vergangenen Wochenende galt den Kanilsnúðar, sandigen Keksen der Gattung Zimtschnecken. Sie unterscheiden sich in Herstellung und Konsistenz erheblich von den schwedischen Kanelbullar.

Das Rezept, nach dem ich arbeitete, verlangte nach hjartarsalt.

Islandtouristen haben die kleinen, praktischen Salzdöschen in die Küchen der isländischen Gästehäuser eingeschleppt und leidvolle Erfahrungen mit dem hjartarsalt gemacht.

Statt es zu entsorgen, haben sie dieses „Herzsalz“ den nachfolgenden Generationen hinterlassen. Da kein normales Salz zu finden war, habe ich es einmal in Borgarfjörður Eystri ins Nudelwasser gekippt. Zum Glück verpuffte dabei seine Wirkung, während es andere Speisen ungenießbar machen soll.

Diese chemische Substanz besteht nämlich hauptsächlich aus Ammoniumhydrogencarbonat und entfaltet beim Erhitzen einen intensiven Ammoniakgeruch.

Wenn man mit hjartarsalt zum Beispiel seinen Kartoffelbrei gesalzen hat, kann das gesundheitsschädliche Ammoniak nicht entweichen. Dann muss man das „herzhaft“ gewürzte Gericht schweren Herzens der Mülltonne übergeben.

Hjartarsalt ist nichts anderes als Hirschhornsalz und kommt vor allem in der Adventszeit bei der Herstellung von Flachgebäck zum Einsatz.

Doch warum heißt es in Island hjartarsalt? Hjarta heißt Herz und ich fand, die Bezeichnung „Herzsalz“ sei angemessen, da man das Hirschhornsalz, das früher tatsächlich aus Geweih hergestellt wurde, auch als Riechsalz verwandte, um Ohnmächtige wieder auf die Beine zu bringen.

Doch Redakteurin Eygló wollte meinen Text so nicht online stellen. Hjartarsalt heißt wie im Deutschen Hirschsalz, schrieb sie mir, denn hjartar ist der Genetiv von hjörtur, dem Hirsch.

Der Genitiv von hjarta ist hjarta und so trennt nur ein kleines r das Salz des Herzens von dem des gebeugten Hirsches.

Bei der Herstellung von Zimtschnecken – ob mit hjartarsalt, matarsódi (Natron) oder lyftiduft (Backpulver) – wird der Teig ausgewalzt, mit Zimtzucker bestreut, aufgerollt und in Scheiben geschnitten.

Mein Teig aber, den ich nach Rezept am Vorabend hergestellt hatte, verweigerte sich jeder Form der Verflachung. Mit viel Mühe gelang es mir, kleine Kleckse auf dem Backpapier plattzudrücken.

Ammoniakgeruch entströmte programmgemäß dem Herd und schließlich zog ich eine Ansammlung durchaus wohlschmeckender, aber nicht vorzeigbarer Gebäckstücke aus dem Ofen, die nun den Namen „Hirschherzen“ tragen.

Mehr Erfolg hatte ich mit den isländischen Pfefferkuchen, kann das Ergebnis hier stolz in Bild und Text präsentieren und zur Nachahmung empfehlen.

Piparkökur

250 g Mehl

2 1/2 TL Backpulver

1 TL Natron

1 TL Ingwer, gemahlen

1/2 TL Kardamom

1/2 TL Zimt

1/4 TL Muskat

1/4 TL Nelke

1/4 TL schwarzer Pfeffer

1/8 TL Paprika

250 g brauner Zucker

125 Butter oder Margarine, weich

1 Ei

Das sind die offiziellen Angaben bei diesen isländischen Pfefferkuchen. Man kann mit den Gewürzen beliebig variieren, z.B. den Paprika weglassen oder den Muskat vergessen. Die Mengen an Zimt, Kardamom, evtl. auch Ingwer lassen sich bedenkenlos erhöhen.

Trockene Zutaten gut mischen, dann mit der Butter verkneten, bis alles durchgehend sandig ist. Das verschlagene Ei zufügen und das Teigwerk vollenden.

Nun findet der Kloß, in Plastikfolie gewandet, seine verdiente Nachtruhe im Kühlschrank.

Man kann am nächsten Tag versuchen, Teilstücke zwischen Plastikfolie auszurollen. Ich empfehle aber: Wurst rollen, Scheiben abschneiden und auf dem Backpapier mit den Fingern bzw. etwas Plastikfolie plattdrücken. Etwa 2 cm Abstand halten. Es werden einige Bleche – der noch nicht gebrauchte Teig sollte verpackt im Kühlschrank warten.

Damit es Tröllakökur werden, Trollkekse, habe ich den Teigfladen Augen aus Schokotropfen verpasst und mit Hilfe des Eisenschwanzes von Lurchi (der sonst als Lesegehilfe dafür sorgt, dass Bücher aufgeschlagen bleiben) einen Mund geformt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

piparkoekur1_bv

piparkoekur2_bv

Auch wenn sie auf dem Blech etwas struppig aussehen, die Trolle runden sich beim Backen. Bei 200° auf der mittleren Schiene – fünf bis 10 Minuten – das hängt von der Dicke des Teiges und der Ofenleistung ab. Also beim ersten Mal genau beobachten – sie brennen sehr schnell an!

Nach dem Erkalten kann man mit Zuckerguss noch etwas deutlichere Trollkonturen herausarbeiten. Nach der Trocknungsphase kommen die trollen Kekse bis zum Verzehr in die Blechdose.

Gutes Gelingen!

Bernhild Vögel – ice@birdstage.net    

www.birdstage.net

Hier geht es zu den letztjährigen Backabenteuern von Kollegin Dagmar Trodler.

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