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Vorhand frisst Losgelassenheit

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Vorhand frisst Losgelassenheit

Horse riding

Durchlässigkeit ist ein seltener Gast. Photo: hestafrettir.is.

Getern Abend fand in der Ölfushalle bei Hveragerði das Gæðingafimi der Meisterklasse statt, eine Art Dressurprüfung, deren Spielregeln jedoch ein wenig anders sind als in üblichen Vierecken.

In der kurzen selbstgewählten Kür zeigt jeder Reiter mindestens sechs Lektionen, die Richter bewerten Gänge und Fluss, sowie in der B-Note Schwierigkeitsgrad und Vielfalt der Kür.

Schien das Gæðingafimi vor einigen Jahren noch ein Wettbewerb darum, wer seine Lektionen am schnellsten bewältigt, so hat sich einiges getan im isländischen Hallensand. Ruhe ist eingekehrt, Bahnfiguren sind durchdachter und korrekter geritten, und bisweilen sieht man so schwierige Lektionen wie Schrittpirouetten oder Renvers.

Auch wenn das Gæðingafimi immer noch gerne als „kvennagrein“ (Frauenprüfung) abgewertet wird, so dürfte auch dem letzten Reiter klar sein, dass ein Pferd ohne sinnvolle Gymnastik nur halb so guten Tölt zeigen wird.

„Den Wettbewerb der Hausaufgaben“ nannte Hulda Gústafsdóttir denn auch die Prüfung – zu recht: beim Gæðingafimi tritt zutage, wer seine Hausaufgaben in Sachen Gymnastizierung gemacht hat, und wie sie erledigt werden.

Grundsätzliches Problem und zugleich zerstörerisches Gift des Gæðingafimi ist die hohe Wertschätzung des Tölts und wie man ihn gemeinhin gerne sieht: mit hoher Vorhandaktion und „stolzer“ Kopfhaltung. Der Vorhandaktion fällt jegliche Losgelassenheit zum Opfer. Jóhann Skúlason hatte im Dezemberblatt der Eiðfaxi erklärt, notenrelevante Bewegung könne nur durch Spannungsreiten erzielt werden, und mit einem Pferd, welches er für Zuchtprüfungen trainiert habe, könne er erst mal nicht im Sport antreten.

Was aber ist Dressur ohne Losgelassenheit?

Auch in dieser Prüfung sind es atemberaubende und zum Teil wunderschöne Bewegungsspektren, die die Pferde da zeigen. Doch ist der Preis hoch. Wo Sättel in die Lenden drücken und Pferde schwer auf dem Zügel liegen, fehlen Leichtigkeit und Spiel, die man sich für einen Tanz in der Dressur wünscht.

Und vielleicht ist die Islandkandare nicht das passende Gebiss, wenn grundsätzliche Anlehnung fehlt, aber für die Lektionen eigentlich gefragt ist. Die meisten Seitengänge waren daher auch nicht reell geritten. Wenn TV-Kommentatoren an riegelnden Hände die léttleiki (Leichtigkeit) loben und der im Vorjahr so beeindruckend vorgestellte Hrimnir frá Ósi diesmal unzufrieden, klemmig und im Finale vorne links unklar laufend trotzdem auf Platz vier landet, ist der Zuschauerfokus aber offenbar ein anderer.

Unter ferner liefen landete auch diesmal Bergur Jónsson auf Frami frá Ketilsstöðum. Bergur stellte auf Trense einen sauberen und friedlichen Ritt mit flüssigen Übergängen vor, die Kür zeigte deutlich die Handschrift des klassischen Dressurtrainers aus Spanien, krankte aber an mangelnder Spektakularität.

Árni Björn Pálsson auf Stormur frá Herriðarhóli legte eine Prüfung vor, bei der es Spaß machte, zuzuschauen. Das Pferd hat ein gutes Körpergefühl und nur selten gab es Unstimmigkeiten mit der Hand. Stormur beweist, dass man einen König der Ovalbahn durchaus auch „kringelreiten“ kann.

Bis kurz vor Schluss lag die Spitze in der Hand der Frauen. Sylvia Sigurbjörnsson auf Héðinn Skúli frá Oddhóli zeigte beeindruckende Lektionen wie Tölt im Renvers auf dem Zirkel oder einen Trab ins Vorwärts-abwärts. Übergänge und Paraden zeugen von Durchlässigkeit, ihr Ritt glich einem Tanz und die positive Ausstrahlung des Pferdes überspielte zumindest für den Zuschauer die Fehler, die wertvolle Punkte kosteten, und die Olil Amble auf Álfhildur frá Syðri-Gegnishólar zum Sieg verhalfen.

Deren Stute beeindruckt durch stolze Schönheit im Tölt. Olils Kür war präzise, durchdacht und sauber geritten, doch leider mit unnachgiebiger Hand präsentiert. Das auf Kandare gezäumte Pferd lief in allen Lektionen zu eng eingestellt und offenbarte in den Biegungen einen falschen Knick. Dennoch waren sich die Richter einig und mit 8,77 Punkten ging der Sieg des Abends an das Paar.

Wie spannend wäre es, im kommenden Jahr die abgeschaffte „Smali“-Prüfung (die Wendigkeit wie bei der Schafarbeit verlangt) wieder einzufügen und zu schauen, wie nah isländische Reiter der Working Equitation kommen können.

Die Gesamtergebnisse finden Sie hier.

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